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Thomas Blug, der Sonnyboy mit den flinken Fingern

Musikerinnen und Musiker in der Region : Der Mann mit den unverknotbaren Fingern

Thomas Blug ist wohl der bekannteste Gitarrist in unserer Region. Aber nicht allzu viele wissen, was der Virtuose schon so alles erlebt hat – auf der Bühne und dahinter.

Thomas Blug regt andere Rockgitarristen nicht nur wegen seiner großartigen Virtuosität auf – nein, es ist auch sein Habitus, der so manchen anderen Saitenquäler in den Wahnsinn treiben kann. Denn Blug steht immer wie ein Sonnyboy, meist mit einem kleinem Lächeln im Gesicht, auf der Bühne und spielt Läufe, bei denen sich gewöhnliche Gitarristen die Finger verknoten würden. Da bleibt vielen der Mund offen stehen, manche überlegen, die eigene Gitarre zuhause sofort zu verbrennen.

1997 gewinnt Blug den Titel „Bester deutscher Rock-Pop Gitarrist“, verliehen vom Deutschen Rockmusikerverband. Er dürfte auch der saarländische Musiker mit der größten internationalen Erfahrung sein – lässt man mal Ex-Scorpions-Schlagzeuger Herman Rarebell beiseite.

Jedenfalls fällt ein bekannter Name aus dem Musikgeschäft nach dem anderen im Gespräch mit dem 54-jährigen. Zur Gitarre sei er als Kind gekommen, als ihn sein Vater, Dozent an der der Saarbrücker Uni, häufig in Studenten-WGs mitnimmt. Dort langweilt sich der kleine Thomas – und greift dann halt eben nach den herumstehenden Gitarren.

  1987 entstand dieses Foto bei einem Schulmusikprojekt. Bereits damals war Thomas Blug in Saarbrücken quasi nur mit Gitarre zu sehen.  
1987 entstand dieses Foto bei einem Schulmusikprojekt. Bereits damals war Thomas Blug in Saarbrücken quasi nur mit Gitarre zu sehen.   Foto: Julius C. Schmidt

Die passende Musik läuft dort natürlich auch: „Die Stones und viel Blues.“ Als er die erste Gitarre geschenkt bekommt, ist er enttäuscht: Es ist eine akustische statt der erhofften elektrischen. „Ich hab die dann elektrifiziert. Mein erstes Hobby war nämlich Elektronik. Habe aus dem Katalog einen Pickup bestellt und eingebaut. Aber das hat gar nicht gut funktioniert.“

Mit zwölf, dreizehn Jahren weiß er schon, dass nichts anderes als ein E-Gitarrist aus ihm werden kann. Ein paar Jahre später hört er davon, dass der Verstärker von Mesa Boogie der beste und teuerste der Welt sein soll. Also nimmt Blug einen außergewöhnlichen Ferienjob an: „Ich habe für das Hotel Mercure an der Congresshalle Radiowecker besorgt und die eingebaut. Mit der Stichsäge musste ich Löcher in die Konsolen sägen – in jedem Zimmer! Das hat aber gereicht für den besten Verstärker der Welt.“

Schon mit 17 Jahren ist er so gut an der Gitarre, dass er erste Aufträge für Studioaufnahmen bekommt. Das Abitur schafft er, obwohl ihn die Musik bereits schwer beschäftigt und ablenkt. Studieren will er nicht. „Ich kannte die Uni ja von klein auf von innen: Das war für mich ein Schwätzerverein!“

Also macht Blug erstmal Zivildienst – und tourt am Wochenende mit seinen Bands durch die Clubs. Vorbilder sind für ihn Ritchie Blackmore, Al Di Meola und Steve Lukather. Jimi Hendrix ist da noch nicht angesagt bei ihm: „Der ist wie Stinkkäse, den mag man als Teenager noch nicht.“

Ab einem bestimmten Punkt merkt Blug, dass er mit den regionalen Auftritten nicht weiterkommt. Also steigt er aus all seinen Bands aus. „Ich habe dann Projekte gemacht, Songs geschrieben und produziert, mit Sängerinnen und Sängern. Da ist aus vielem nichts geworden, aber ich habe von Plattenfirmen auch Geld gekriegt für weitere Demos.“

Mit Planet Claire, einer Bexbacher Band mit größerem Bekanntheitsgrad, geht er auf Deutschland-Tour. Parallel, man erinnere sich an Blugs erstes Hobby, arbeitet er als freier Mitarbeiter bei Hughes & Kettner, dem saarländischen Hersteller von Gitarrenverstärkern. Über diese Schiene verschafft sich der Gitarrist die notwendigen Kontakte zu den größeren Namen der Musikszene.

Schließlich spielt er auffällig gut, und bei den Musikmessen treffen sich die Begleitmusiker der großen Stars. Zum Beispiel Raoul Walton, damals Bassist bei Marius Müller-Westernhagen, mit dem Blug bis heute eine Freundschaft pflegt. Der hätte ihn auch um ein Haar beim deutschen Superstar untergebracht. Nach einer Stunde Vorspielen bei Marius habe der Saarländer den Job eigentlich sicher gehabt, erzählt er. Als er die Begleitmusiker etwas später in London besucht, wo sie ein Album aufnehmen, spürt er, dass etwas nicht stimmt. „Die hatten sich in die Wolle gekriegt und Westernhagen hat daraufhin die komplette Band ausgetauscht. Ich war quasi Mit-Verbündeter des alten Clans. Bin also bei Marius rausgeflogen ohne jemals dabei gewesen zu sein.“

So was gehöre eben zum Showgeschäft, meint er heute entspannt. Immerhin kann Blug bei den Rainbirds („Blueprint“) einsteigen, wo er Nachfolger von Ärzte-Bassist Rod Gonzalez ist. Er ist jetzt drin in der deutschen Musikszene. Edo Zanki bucht ihn für ein Konzert und empfiehlt ihn anschließend Purple Schulz, der einen Gitarristen sucht: „Du, bei mir hat einer ausgeholfen, der kann alles!“

Mit dem Trio Tic Tac Toe hat Blug mehr Glück als mit Westernhagen: Die begleitet er nämlich schon, als die noch eher unbekannt sind. Als Jazzy, Ricky und Lee mit Hits wie „Verpiss’ dich“ völlig durch die Decke gehen, ist der Saarländer dabei. „Wir haben in den 20 000er-Hallen gespielt oder im Vorprogramm von Sting und Michael Jackson. Bei den Konzerten gab es immer eine Nummer, wo die sich umgezogen haben. Da konnte ich mich drei Minuten lang ausleben vor 10 000 Leuten.“

Mehr geht eigentlich nicht, denkt Blug. Der Erfolg erweist sich gewissermaßen als Hemmschuh, denn jetzt kann er schlecht Angebote annehmen, bei denen die Gage nur noch ein Bruchteil so hoch ist. „Ich hatte aber auch tausend Baustellen zu der Zeit, habe Songs geschrieben und produziert, habe Filmmusik für den SR und andere Sender gemacht. Dazu immer noch Verstärkerkonzepte, Sounddesign und weltweite Präsentationen für Hughes & Kettner gemacht.“

Als die ganz großen Angebote ausbleiben, beschließt der Saarbrücker, dass er nun eben seine eigene Musik spielt. Dazu will er 2001 eigentlich eine Band mit dem Keyboarder Don Airey, auch so ein Messekontakt, gründen. Doch der eröffnet ihm, dass er ein besseres Angebot hat: bei Deep Purple einzusteigen. Danach probiert Blug alle möglichen Keyboarder durch – und landet am Ende bei der Rocklegende Thijs van Leer, dem Chef der holländischen Band Focus („Hocus Pocus“, „Sylvia“).

Bei der Thomas Blug Band ist der alte Freund Raoul Walton am Bass, der Saarländer Bernhard Wittmann spielt die weiteren Keyboards neben van Leer. Auch lebt das saarländische Trio „Dreist“ wieder auf, mit Pete Eifel am Bass und Mikky Meyer am Schlagzeug.

Blug wechselt jetzt zwischen internationalen und regionalen Weggenossen ab. Er hat Auftritte mit dem Ex-Scorpions-Gitarristen Uli Jon Roth, eine kurzlebige Band mit Uwe Ochsenknecht als Sänger und spielt den vorher verschmähten Jimi Hendrix. „Ich wollte den aber ein bisschen anders machen, grooviger. Denn wer versucht, Hendrix eins zu eins zu covern, der hat verloren. Das geht nicht.“

In den vergangen zehn Jahren spielt er hauptsächlich mit seinem Jugendfreund, dem den St. Wendelern bestens bekannten Rudi „Gulli“ Spiller (Bass, Gesang) und wechselnden Schlagzeugern im Trio „Rockanarchie“. Wie der Name schon ausdrückt, werden dort die Klassiker der Rockgeschichte wild und spontan durcheinander gemixt und es wird viel improvisiert. „Ich mag das Spontane, deswegen mach ich das. Das andere hab ich lange genug gemacht.“

Sein technisches Wissen, man erinnere sich wieder ans erste Hobby, steckt Blug in die eigene Firma, die er 2014 gründet, BluGuitar. Für die entwickelt er mit zwei anderen („ein russischer Wahnsinniger, ein hoch motivierter junger Techniker und ich. Keiner von uns kann das allein“) einen Gitarrenverstärker im Miniformat – der aber so gut ist, dass ihn zum Beispiel die Gitarristinnen Jennifer Batten (einst bei Michael Jackson) und Kat Dyson (Prince) spielen. Seine technische Seite hilft Blug durch die auftrittsfreie Corona-Zeit – „ich hab immer genug zu tun.“