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Wettbewerb um den Robert-Schuman-Preis
Thilo Seidel macht mit seiner Kamera Kunst

Thilo Seidel ist gespannt auf das Urteil der Preisrichter.
Thilo Seidel ist gespannt auf das Urteil der Preisrichter. FOTO: Iris Maria Maurer
Saarbrücken. Der junge Fotograf lässt scheinbar Vertrautes in einem neuen Licht erscheinen. Von Nicole Baronsky-Ottmann

Thilo Seidel ist einer der Saarbrücker Künstler, die für den Kunstpreis Robert Schuman nominiert sind. Den mit 10 000 Euro dotierten Kunstpreis verleihen die Quattropole-Städte Saarbrücken, Trier, Metz und Luxemburg alle zwei Jahre.


In diesem Jahr läuft die Ausstellung in Metz. Die Verleihung des Preises ist am 18. Januar. Für Saarbrücken wurden von den Kuratoren der Stadtgalerie neben Thilo Seidel auch Katharina Hinsberg, Gertrud Riethmüller und François Schwamborn nominiert. Genau darüber hat sich Thilo Seidel sehr gefreut. „Nicht nur über die Nominierung. Ich kenne auch Katharina und François von der HBK, der Hochschule für Bildende Künste in Saarbrücken, gut. Das ist toll, dass wir in Metz zusammen ausstellen“, erzählt er.

Seidel stammt aus München und interessierte sich schon als Kind für Fotografie, „auch wenn mir das damals noch gar nicht so bewusst war“. Nach der Schule reiste er und arbeitete erst mal in einer Werbeagentur. „Mir war klar, dass meine Ausbildung etwas mit Foto, Kamera und Film zu tun haben muss“, fügt er hinzu.

Bei der Suche nach der geeigneten Hochschule gefiel ihm die Interdisziplinarität des HBK-Fachbereichs „Media Art Design“. „Da ist der Name schon flexibel“, sagt Seidel lachend. 2011 beginnt er sein Studium, macht 2016 sein Diplom, ist derzeit Meisterschüler bei Professor Eric Lanz. Daneben arbeitet Seidel meist als Ausstellungsfotograf, in der Bildbearbeitung, bereitet Fotografien für den Druck vor und ist als künstlerischer und konzeptueller Betreuer sowie Lichttechniker an Theaterstücken beteiligt. Zurzeit nutzt er ein außergewöhnliches Atelier.

Denn Seidel hat für sechs Monate sein künstlerisches Zuhause in der ersten Etage eines Eckhauses an der Berliner Promenade, mit einer riesigen Fensterfassade und Blick auf die Saar. „Der Raum stand mehrere Jahre leer. Jetzt dürfen wir ihn nutzen, bevor er renoviert wird“, erzählt er. Mit „wir“ meint er Martin Fell, Maria Seitz und Lucie Sahner, wie Seidel alle Absolventen der HBK.



Ihre gemeinsame Diplomarbeit „Tjurip“ im Herbst 2016 war eine beachtete Gemeinschaftsausstellung, ebenfalls in einem Leerstand, deren Veranstaltungen viele Kunstinteressierte angelockt hatten. Thilo Seidel zeigte dort eine Video-Sound-Installation, die er nun auch in Metz aufführt. „Ich stelle meine Arbeit im Arsenal aus, muss in den nächsten Tagen die Präsentation aufbauen“, erzählt er. In dieser Video-Sound-Installation sind die Werkzeuge die Kamera und der Raum.

„Ich kundschafte gerne Räume aus, forsche darin und entdecke sie neu“, erklärt er. Und stellt dabei auch schon mal die Realität in Frage. Denn er zeigt in diesem Video ein großes Schwimmbecken, allerdings nur unterhalb der Wasseroberfläche, und er dreht die Aufnahmen um 180 Grad. So wird der Boden des Beckens zum Himmel, die Wasseroberfläche zum Boden. Eigentlich ist es nur der Blick in ein Schwimmbecken, aber trotzdem irritiert der Anblick dieses leeren Raums. Verstärkt wird dieser Eindruck vom Blubbern des Sounds und von einer unnatürlich langsamen Wellenbewegung.

„Es ist das Spiel mit der Kamera und der Kameratechnik, das mich begeistert“, sagt er dazu und lacht. Ob diese Arbeit mit minimalen Mitteln und maximaler Wirkung die Jury des Kunstpreises Robert Schuman in Metz überzeugen wird?

„Daran denke ich überhaupt nicht. Wichtig ist mir die Qualität der Arbeit und dass sie mir gefällt. Die Wertschätzung durch eine Auslobung schmeichelt mir natürlich. Den Rest blende ich total aus“, antwortet der Künstler.

Außerdem freut er sich gerade sehr über den großen, ungewöhnlichen Raum des Gemeinschaftsateliers, den er in den nächsten Monaten für intensive Arbeit nutzen will. „Das wird spannend. Da werden wir bestimmt auch noch eine gemeinsame Ausstellung im Frühjahr erarbeiten“, macht er jetzt schon neugierig.