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Workshop-Tag Tanz und Musik im Staatstheater
Lass doch mal den Körper denken. . .

Saarbrücken. Bein und Becken kreisen lassen statt Mathe-Formeln zu büffeln: Ein besonderes Angebot des Staatstheaters brachte Schülerinnen, Schüler und ihre Lehrer auf Trab. Von Silvia Buss

So lässt man sich Schule gefallen: Statt im Klassenzimmer zu schmoren, trainieren 20 Schülerinnen aus Saarbrücken und Saarlouis im Ballettsaal des Staatstheaters. Und das mit keinem Geringeren als Ballettchef Stijn Celis persönlich. Auch einige Lehrer machen mit.


Die 20 sind nur eine von insgesamt drei Schülergruppen, die sich an diesem Vormittag im Staatstheater in Workshops mit Tanz, Musik und dem Musical „West Side Story“ befassen dürfen. Schülern den Tanz vermitteln ist dabei das Ziel, „den Bühnentanz vor allem, um eine Verbindung herzustellen zwischen dem Theater und den Schulen“, erklärt Eva Kieser vom Landesinstitut für Pädagogik und Medien. Kieser war es auch, die dieses besondere Angebot gemeinsam mit der Ballettleitung entwickelt hat. Nach und nach besuchen alle drei Schülergruppen drei Workshops und lernen dabei zwei kleine Choreografien aus den laufenden Produktionen „West Side Story“ und „Spiegelungen“. Am Ende des Vormittags werden die präsentiert.

Zunächst heißt es jetzt aber erst einmal: aufwärmen. Ballettdirektor Celis biegt seinen Körper sanft in alle Richtungen. Die Teenager sollen sich vorstellen, sie ließen einen Ball in ihrem Körper hüpfen, sagt er. Celis greift immer wieder auf Bilder zurück, um den Mädchen zu erklären, wie sie sich bewegen sollen. Einige Schülerinnen sind mit Feuereifer dabei, einige scheinen sich noch nicht recht zu trauen, locker zu lassen.„Der Spiegel ist eine Lüge, das ist etwas, wovon wir im Tanz versuchen loszukommen“, ermuntert sie Celis, weniger auf die große Spiegelwand hinter ihm zu starren, sich weniger zu kontrollieren.



Ortswechsel: Auch im kleinen Ballettsaal II im dritten Stock des Staatstheaters tanzen 20 Schülerinnen. Die Staatstheater-Tänzer Hope Dougherty und Alexander Andison lassen sie gerade Drehungen auf einem Bein üben. Im Orchestersaal nur einige Türen weiter spielt Björn Jakobs ein paar Takte feurige Mambo-Klänge vom Band vor und drückt dann auf die Stopp-Tast. „Na los, beschreibt doch mal bitte die Musik, die ihr da gehört habt“, fordert er die 15 Heranwachsenden auf, die um ihn herum im Halbkreis sitzen. „Warum ist das denn ein gerader Takt?“ will er wissen und versucht es dann, weil die Schüler noch etwas stumm und verlegen dasitzen, selbst mit einer lockeren Antwort: „Nun ja, weil man zwei Beine hat und so können auch Leute, die keine Ahnung von Musik haben, von einem Bein aufs andere wackeln.“

Mit Humor gelingt es eben am besten, das Eis zu brechen, und mit praktischen Übungen. Bald lässt er die Schüler den eigenen Puls messen, um ihnen musikalisches Tempo nahezubringen. Bald dürfen sie Percussion-Instrumente, die er als Anschauungsmaterial auf dem Boden ausgelegt hat, versuchen, zu sortieren. Am Ende, so das Lernziel, werden alle wissen, welche musikalischen Eigenschaften der Mambo hat, der als Tanz auch in der „West Side Story“ vorkommt.

Zurück in den großen Ballettsaal im ersten Stock. Hier geht es jetzt richtig zur Sache. 20 Schülerinnen und Lehrer wirbeln zur rasanter Mambo-Musik von Leonard Bernstein quer durch den Saal. Nicht nur Maja strahlt glücklich. „Am Anfang war’s schon ein bisschen verwirrend und schwierig, weil’s neu war, aber am Ende hat’s Spaß gemacht“, resümiert die 15-Jährige. Sie gehört zur Hip-Hop-AG des Gymnasiums am Rotenbühl, die fast komplett am Workshop-Tag teilnimmt.

„War schön, mal was anderes“, sagt auch Francesco. Der 17-Jährige von der Gemeinschaftsschule Rastbachtal, mit dem Slogan „Just do ist“ auf seinem T-Shirt, ist einer von den nur drei, vier Jungs, die das Workshop-Angebot genutzt haben. Warum nicht mehr? „Keine Ahnung, zu stolz dafür, weil Tanzen eine Mädchensache ist“, vermutet er.

Total begeistert zeigt sich Lehrerin Bärbel Ehses: „Ich finde das ein tolles Angebot, und es ist ein Gewinn für uns, weil wir in der Schule ja meist nur mit dem Kopf arbeiten und hier lernen wir endlich auch mal unseren Körper kennen.“ Mit einem Profi wie Stijn Celis zu arbeiten, das sei einfach unfassbar, schwärmt sie. „Was der so aus einem rausholt, mit kleinen Hinweisen, und in einer Stunde so eine Choreografie zu erarbeiten, das ist schon großes Kino, das macht er richtig gut.“ Auch Stelis selbst und Eva Kieser sind mit dieser Premiere zufrieden.

Für die 60 Plätze am Workshop-Tag gab es laut Kieser 80 Interessenten. Mit dem Montag war das Projekt noch nicht zu Ende: Demnächst werden die Teilnehmer zusammen die Aufführung des Musicals „West Side Story“ und des Balletts „Spiegelungen“ besuchen und, so ist sie sicher, so gut vorbereitet mit ganz anderen Augen sehen.