Theatercompagnie Lion spielt "Die zweite Prinzessin"

Premiere : Bezaubernd: Eine beleidigte Prinzessin

Die Theatercompagnie Lion hatte Premiere auf dem Theaterschiff Maria-Helena: Gertrud Pigors „Die zweite Prinzessin“ ist sehr gelungen.

Wenn Erstgeborene ein Geschwisterchen bekommen, erleben sie das laut Psychologen als narzisstische Kränkung. Denn fortan müssen sie die Aufmerksamkeit der Eltern mit dem „süßen, kleinen Baby“ teilen.

Doch auch die Zweitgeborenen haben’s nicht leicht. Das zeigt auf sehr amüsante Weise das Kindertheaterstück „Die zweite Prinzessin“ von Gertrud Pigor, das in der Inszenierung von Corinna Preisberg auf dem Theaterschiff Maria-Helena seine Premiere feierte.

Am Geburtstag ihrer älteren Schwester hat die zweite Prinzessin endgültig die Faxen dicke. Während die Ältere immer die schönen neuen Kleider und Schuhe bekommt, die sie als Kleine auftragen muss, wollen die königlichen Eltern nun auch noch mit der Großen ans Meer fahren – und sie darf, weil sie nicht schwimmen kann, nicht mit.

Von wegen! Viola Altmann quetscht ihr gelbes Prinzesschenkleid in die Spitzenunterhose, zieht sich Schwimmflossen und Badehaube über und legt sich zum munteren Trockenschwimmen quer über den vergoldeten Tisch.

Viola Altmann gibt das kleine Mädchen, das vor Neid und Frust über die Privilegien der Älteren überschwillt, nicht nur überzeugend kindlich, sondern auch mit herrlichem Temperament und Spielwitz.

Und da die Geschichte hier konsequent aus der Sicht der zweiten Prinzessin erzählt wird, schlüpft sie auch in andere Rollen. Mal greift sie nur zu Brille und karikiert köstlich die Ältere als echte Zicke („ich, ich, ich“), mal auch zu Ken- und Barbie-Puppen und Plüschtieren, um Situationen durchzuspielen.

Um endlich anerkannt zu werden, will die Kleine etwa die Geburtstagsparty organisieren. Weil das nicht hilft, lässt sie ihren Rache-Fantasien freien Lauf und will die doofe Ältere aus dem Weg räumen. Der Wolf könnte sie holen, Altmann streift sich eine Fellpranke über, worauf ein paar Kinder im Publikum nach der Mama rufen. Doch keine Angst, Märchenwölfe mögen keine süßen Kleinen!

An Meister Petz könnte man sie verkuppeln: Altmann wirft ein Tuch über den Tisch, setzt sich eine Stirnlampe auf und kriecht zum Plüschbären in die Schattenspielhöhle.

Die entzückende Inszenierung von Corinna Preisberg strotzt nur so von brillanten Spiel-Einfällen, die die winzige Theaterschiff-Bühne in ein schier grenzenloses Universum ausweiten.

Natürlich gehen alle Rache-Strategien der Kleinen schief. Erst als die zweite Prinzessin am Ende endlich den Eltern ihren ganzen Kummer offenbart, findet sich eine Lösung. Vater König verspricht, dass beide Geschwister künftig abwechselnd „erste“ sein dürfen – und an den Wochenende sind dann alle gleich. Ende gut – alles gut also. Das ist so märchenhaft, wie es Kindern gefällt, und zugleich doch auch sehr modern.

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