Theater im Viertel feiert Premiere seines "Saarländischen Bilderbogens"

So groß wie das Saarland.... : Drei Frauen kämpfen sich über die Theaterbühne

Im TiV hat am Freitag der erste Teil des Projekts „So groß wie das Saarland“ Premiere. Mit drei neuen Saarbrücker Schauspielerinnen.

Sie erinnern sich an den Slogan „So groß wie das Saarland“? Unter diesem Nenner hatte das Saarbrücker Theater im Viertel (TiV) Bürger gebeten, authentische Geschichten einzureichen – über selbst Erlebtes oder Beobachtetes, Alltägliches oder Besonderes. Diese wollte das TiV dramatisieren und als saarländischen „Bilderbogen unserer Laster und des Glücks“ auf die Bühne bringen.

Weil die Geschichten anfangs eher zögerlich tröpfelten, der Tag der geplanten Premiere jedoch nahte, beschloss man, das Vorhaben in zwei Teile zu splitten. „Aus den ersten Geschichten konnten wir noch kein abendfüllendes Programm machen“, erzählt der künstlerische Leiter Dietmar Blume. Deshalb wurde das Projekt auf mehrere Schultern und zwei Teams verteilt.

Nun steht der erste Teil an: Für „Zyklus I: Kampf der Frauen“ hat Blume, der hier auch Regie führt, eine eigene Geschichte um drei Frauen ersonnen, in die er die ersten acht eingesandten Kurzstories einflocht. Zentrale Inspiration war das reale Schicksal einer Flüchtlingsfamilie, die von einem dubiosen Arbeitgeber, gleichzeitig Vermieter, übers Ohr gehauen wurde. Seither sei die Familie obdachlos, sagt Blume, der Fall werde gerade vor einem Saarbrücker Gericht verhandelt.

Mit saarländischer Befindlichkeit hat dieser Zyklus I, der unter Blumes Label „Theatre Skurril“ produziert wird, allerdings so gut wie gar nichts mehr zu tun. Die Mentalität im Gärdsche scheint nun erst in „Zyklus II: So groß wie das Saarland“ durch, der fürs Frühjahr 2020 geplant ist. Dieses Stück soll dann in Zusammenarbeit mit einem saarländischen Autor oder einer Autorin  entstehen, verantwortet von der TiV-Vorsitzenden Jutta Roth und dem TiV-eigenen Dramaturgen und Öffentlichkeitsarbeiter Robert Karge.

Zurück zum „Kampf der Frauen“. Den bewirbt Blume als „Stück über brutale Ausbeutung, Gewalt und die Sucht nach Liebe“. Es geht um Integration, weibliche Selbstbestimmung und drei Frauen in einer Zweckgemeinschaft zwischen Solidarität und Rivalität.

Da ist die 24-jährige, naive Claude, die sich in einen gewissen Boris verknallt. Claude arbeitet auf dem Amt und ist die Sachbearbeiterin der Migrantin Peerona. Die 50-Jährige und ihr Mann wurden von einem deutschen Unternehmer geprellt. Als sie aus der Wohnung fliegen, bietet ihnen Claude in ihrer kleinen Wohnung Asyl.

Und da ist Claudes Nachbarin Alex, eine IT-Fachkraft Mitte 30, die ihr als mütterliche Freundin zur Seite steht. Nach einschlägigen Erfahrungen ist Alex‘ Blick auf die Männer nicht gerade positiv. Als Peerona ebenfalls an Boris Gefallen findet, werden Sympathien und Zivilcourage auf eine harte Probe gestellt.

Eigentlich war Christine Weber, ehemalige Größe am Saarländischen Staatstheater, für die Rolle der Peerona vorgesehen: Nach ihrem 89. Geburtstag im April hätte die Schauspielerin nach längerer Pause wieder mal Bühnenluft geschnuppert. Wegen Krankheit fällt sie nun jedoch aus, für Weber springt ganz kurzfristig die deutlich jüngere Eva Kammigan ein.

Kammigan stammt aus der Nähe von Leipzig; sie wurde (wie Blume) an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin ausgebildet und zog erst kürzlich ins Saarland: als Gattin des neuen Leiters der Saarbrücker Kinder- und Jugendbuchmesse, Igor Holland-Moritz.

Kammigan war jedoch nicht die einzige Umbesetzung im Lauf der Proben: Neben ihr spielen nun Nancy Fischer (Alex) und Julia Schmitt (Claude), beide hierzulande ebenfalls noch nicht so bekannt. Fischer wurde in Cottbus geboren und machte ihre Ausbildung an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig. Sie ist außerdem Psychologin und unterrichtet an der privaten Saarbrücker Schauspielschule Acting and Arts. Und Schmitt stammt aus Würzburg, studierte an der Theaterakademie Mannheim und arbeitet frei im Raum Pfalz.

Daneben setzt Blume auf bewährte Kräfte: Die Ausstattung besorgte wieder mal Kathrin Engel, und die Musik kommt vom Saarbrücker Musiker Dietmar Oliver Kunzler, Blumes Partner aus dem unlängst abgespielten „Wolfsmenschen“.

Premiere: Freitag, 24. Mai, 19.30 Uhr. Wieder: Samstag, 25. Mai, 19.30 Uhr und Sonntag, 26. Mai, 17 Uhr. Karten: (0681) 390 46 02.

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