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Tennisclubs im Saarland klagen gegen Corona-Verordnung

Kostenpflichtiger Inhalt: Saar-Tennis und Corona : Tennisclubs klagen gegen Corona-Verordnung

Tennisspieler im Saarland dürfen wegen der Corona-Verordnung nicht aufschlagen. Vereine wollen dagegen klagen, denn in Rheinland-Pfalz ist Spielen ab Montag wieder erlaubt.

Tennisspieler und Vereine im Saarland laufen Sturm gegen die jüngste „Verordung zur Bekämpfung der Corona-Panedemie“, die Gesundheits- und Sozialministerin Monika Bachmann (CDU) mit Datum vom 17. April im Amtsblatt veröffentlicht hat. Demnach bleibt untersagt, Tennisplätze im Freien zu öffnen. Der St. Ingberter Rechtsanwalt und Tennisspieler Professor Guido Britz und seine Kollegin Nicole Wartenphul haben sich jetzt im Auftrag von acht Tennisclubs schriftlich an Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) gewandt. Sie fordern kurzfristig eine Präzisierung der Verordnung. Unter Beachtung von bestimmten Sicherheitsvorkehrungen wie geschlossenen Dusch- und Vereinsräumen und nur zwei Spielern auf dem Platz, soll das Tennisspiel zulässig sein. Dies müsse für Vereine als Betreiber der Anlagen und für Einzelspieler gelten.

„Ich bin zur Klage entschlossen“, sagte Britz der Saarbrücker Zeitung. Zu seiner Mandantschaft zählen nach eigenen Angaben neben mehreren Dutzend Einzelspielern derzeit die Vereine in Winterbach, Oberthal, Ottweiler, Urexweiler, Waldhaus Saarbrücken, Limbach, Stennweiler und Hasborn-Dautweiler. In Winterbach spielt übrigens Gesundheitsstaatssekretär Stephan Kolling (CDU), Chef des Corona-Krisenstabs im Land. Weitere Tennisclubs haben, so Britz, bereits mitgeteilt, sich einer Klage anschließen zu wollen.

Rechtsanwalt und Tennisspieler Guido Britz will endlich wieder aufschlagen. Foto: dpa/Oliver Dietze

Anwalt Britz: „Ich halte die Beschränkungen für das Tennisspiel zu zweit und etwa für Golf für unverhältnismäßig.“ Denn: Die Kontaktbeschränkungen und Abstandsregeln könnten auf dem Platz problemlos eingehalten werden. Sollte die Landesregierung nicht kurzfristig einlenken, werde er beim Verwaltungsgericht einstweiligen Rechtsschutz beantragen. Die jüngste Corona-Verordnung des Saarlandes sei rechtswidrig. Es liege ein „unverhältnismäßiger Eingriff in die Grundrechte der betroffenen Vereine, aber auch der betroffenen Spieler vor. Die Tennisclubs im Saarland zählen nach Verbandsangaben derzeit mehr als 20 000 Mitglieder.

Gute Argumente liefert den Juristen und den klagenden Tennisvereinen die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). Sie verweist in Stellungnahmen auf die jetzt aktualisierte Corona-Verordnung ihres Bundeslandes. Dort gilt ab diesem Montag: „Sportliche Betätigung alleine, zu zweit oder mit Personen des eigenen Hausstands im Freien ist auch unter Benutzung von Sportanlangen zulässig.“ Dies betreffe Sportarten wie Rudern, Segeln, Tennis, Luftsport, Leichtathletik, Golf oder Reiten. Auch in Mecklenburg-Vorpommern ist Sport zu zweit auf Außenanlagen wieder erlaubt, sofern die Abstandsregeln eingehalten werden.

Saar-Regierungssprecher Alexander Zeyer teilte auf Anfrage unserer Zeitung mit, Ministerpräsident Hans habe Innen- und Sportminister Klaus Bouillon (CDU) gebeten, ein Spitzengespräch mit den jeweiligen Sportverbänden sowie den Experten für Virologie und Hygiene der Universität des Saarlandes einzuberufen. Ziel soll es sein, gemeinsame Schutzkonzepte für Sportarten zu entwickeln, bei denen Distanz gewahrt werden kann. Nach Erarbeitung dieser Konzepte werde in Aussicht gestellt, gewisse Sportarten wieder zu erlauben und Sportstätten zu öffnen. Zeyer: „Wir gehen weiterhin auf Nummer Sicher um nicht einen Rückschlag zu riskieren, der am Ende noch weniger Freiheiten und größeren Schaden mit sich bringt.“

Hans hatte bei der Vorstellung der aktuellen Corona-Verordnung unter anderem argumentiert, die Regierung wolle nicht eine Sportart bevorzugen und gesagt: „Ich habe selbst mal Tennis gespielt, glaube, das Infektionsrisiko ist relativ gering.“ Es solle allerdings kein „Wirrwarr“ entstehen, weil eine Sportart erlaubt sei, die andere aber nicht.