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Svenja Böttger bleibt Chefin beim Ophüls-Preis

Redaktionsgespräch : Ophüls-Preis: Lola geht wieder ins Kaufhaus

Viel Neues erzählt die Chefin des Ophüls-Festivals. Sie hat gerade ihren Vertrag verlängert und probt neue Formate für den Festivalclub.

„Fotografierbar“ findet sie sich zwar gerade nicht. Svenja Böttger ist mal wieder quasi vom Bett in die Bahn ins Büro gehechtet und von da dann gleich noch zum Redaktionsgespräch zur SZ. Aber mit jungen 31 Jahren kann man auch mal strubbelig fotografiert werden. Und die quirlige Chefin des Max-Ophüls-Festivals punktet sowieso lieber über das, was sie so tut und erzählt.

Und das ist ja eine ganze Menge. Immerhin schon das vierte Festival wird Svenja Böttger im Januar präsentieren – „die Zeit vergeht schnell“. Und sie bleibt uns erhalten. Vor ein paar Monaten nämlich hat sie in aller Stille ihren Vertrag verlängert. „Drei Jahre auf jeden Fall, eventuell fünf“ wird die Berlinerin noch weitermachen.

Und sie hat gleich noch einen neuen Titel. Die 31-Jährige ist jetzt auch gemeinsam mit Saarbrückens Kulturdezernent Thomas Brück Geschäftsführerin der städtischen Ophüls gGmbH. „Die Verantwortung hatte ich sowieso immer, da wollte ich auch den Titel haben“, sagt sie mit jenem Selbstbewusstsein, das junge Frauen heute glücklicherweise immer öfter zeigen. Zugleich wurde auch der Vertrag ihres künstlerischen Leiters Oliver Baumgarten verlängert.

Zum SZ-Gespräch haben Böttger und ihre neue Pressefrau Susina Lange noch ein paar Geschenke aus dem Geburtstagsjahrgang in diesem Januar mitgebracht – darunter ein Büchlein, in dem Filmleute und Politiker über ihre Ophüls-Erfahrungen geschrieben haben. „Es mussten aber persönliche Geschichten sein, sonst hätte ich sie rausgeschmissen“, sagt Böttger – und man traut ihr sofort zu, dass sie auch Oskar Lafontaine oder der damals noch Oberbürgermeisterin Charlotte Britz nichts anderes hätte durchgehen lassen.

Mit diesem unkomplizierten Selbstbewusstsein managt die 31-Jährige auch ihr Festival, und hat es zum Beispiel geschafft, dass sie und ihr Team endlich in angemessenen Büros untergebracht sind. Aus der beengten Etage in der Mainzer Straße sind sie an den Eurobahnhof gezogen, in ein Gebäude der städtischen Gesellschaft für Innovation und Unternehmensförderung, Giu. „Wir haben jetzt echt tolle Räume“, schwärmt sie. Endlich kann sie mal Gäste empfangen, ohne sich entschuldigen zu müssen.

Das Ophüls-Büro auf dem Eurobahnhof macht auch anderen Freude: „Wir haben ja keine nine-to-five-Arbeitszeiten“, sagt Böttger, also sei das sonst abends ausgestorbene Gelände belebter. „Die Polizei ist ganz happy mit uns“, sagt sie und lacht.

Immerhin über 20 Leute arbeiten in den Hochzeiten bei Ophüls im Büro. „Wir haben viele Freiberufler, die erst ab September kommen“. Fünf feste Mitarbeiter gibt es – dazu zählt Böttger auch Saarbrückens Kulturdezernenten Brück. Aber jetzt, so kurz vorm Festival, ist es natürlich schon wimmelig im neuen Büro.

Und es ist viel zu tun – auch wenn Böttger natürlich noch nicht zuviel verrät. Aber immerhin soviel: „Wir gehen mit Lolas Bistro wieder ins alte Kaufhaus zurück“ – C&A will sie nicht mehr dazu sagen, „das ist es ja schon so lange nicht mehr“, sagt Böttger. Das Gebäude in der Kaiserstraße wurde unlängst von einem Investor aus Kaiserslautern gekauft, der auch selbst ein Kino betreibt. Und bei dem habe man offenen Türen für die kulturelle Zwischennutzung eingerannt.

Böttger ist von dem 80er-Jahre-Charme des Kaufhauses begeistert, erzählt von einer alten Kantine, die es da im fünften Stock gibt. Am liebsten hätte sie die für die SR-Talks genutzt. Aber das wird wohl dann doch nicht klappen. Zusammen mit dem Saarbrücker Deko-Zauberer Oliver Haefele werden sie sicher auch so wieder ein schickes neues Outfit für Lola entwerfen.

Vielleicht mit ein bisschen Rosa drin, das würde dann nämlich gut zum Ehrengast des Festivals passen: Rosa von Praunheim. Dass der 77-Jährige nach Saarbrücken kommt, macht die 46 Jahre jüngere Festivalchefin stolz. „Der ist einfach eine Persönlichkeit, die einen wirklich packt“, schwärmt sie. Rosa von Praunheim, eine Ikone des deutschen Independent-Films, wird beim Festival vier Filme zeigen, Publikumsgespräche führen „und eventuell macht er einen Workshop für den Nachwuchs“.

Der „queere Blick“ wird so einen eigenen Schwerpunkt bekommen. Beim letzten Festival hatte der Schauspieler und Juror Jerry Hoffmann beklagt, dass es zu viele undivers erzählte Filmstoffe gibt. Das ändere sich gerade, erzählt Böttger – das Ophüls-Festival hat ein Projekt gestartet, eine Stoff-Ausschreibung „Der queere Blick“. Die Ergebnisse werden beim Festival 2020 präsentiert.

Aber auch sonst zeige sich bei den eingereichten Filmen, dass das Thema bei den Jungfilmern angekommen sei, sagt Böttger – und sie muss es ja wissen: 800 bis 900 Filme schauen sie und ihr Team pro Jahr. Welche sie fürs Festival ausgewählt haben, verrät sie natürlich noch nicht.

 Willkommen, bienvenue: Das Filmfestival Max Ophüls Preis wird seine Gäste wieder im ehemaligen Kaufhaus in der Kaiserstraße empfangen. Hier wird erstmals ein echtes Festival-Café ausprobiert, das tagsüber geöffnet ist.
Willkommen, bienvenue: Das Filmfestival Max Ophüls Preis wird seine Gäste wieder im ehemaligen Kaufhaus in der Kaiserstraße empfangen. Hier wird erstmals ein echtes Festival-Café ausprobiert, das tagsüber geöffnet ist. Foto: Thomas Reinhardt

Eine Neuerung aber immerhin plaudert sie aus: In Lolas Bistro wird ein neues Konzept ausprobiert: Es wird tagsüber geöffnet. Lola soll nicht erst abends als Party-und-Plauder-Bar aufmachen, sondern auch ein Festivalcafé werden, in dem man sich tagsüber treffen kann, wo auch das Fachpublikum seine Angebote findet. „Wir testen jetzt mal, wie es angenommen wird“, sagt Svenja Böttger. Ihre Energie und Neugier ist offensichtlich ungebrochen. Da hat Saarbrücken einen guten Fang gemacht.