| 21:03 Uhr

Saarbrücker Studenten in Aktion
Moderne Kampagne für alte Institution

HBK-Studenten und Mitglieder des Projektes Respekt vor ihrer gestalteten Wand im  Saarbrücker Hauptbahnhof.
HBK-Studenten und Mitglieder des Projektes Respekt vor ihrer gestalteten Wand im Saarbrücker Hauptbahnhof.
Saarbrücken. Die Bahnhofsmission in Saarbrücken arbeitet an ihrem Image, Anlaufstelle nicht nur für Reisende zu sein. Studenten helfen dabei mit ihrem Wissen im Werbedesign. red

Wer in den letzten Tagen durch den Osteingang des Saarbrücker Eurobahnhofs gegangen ist, könnte die großen pixelförmigen Schriftzüge auf den Seitenwänden schon bemerkt haben:  „Aufgang Ost“ oder „Bahnhofsmission“ ist dort zu lesen. Die neue Beschriftung gehört zu einem Projekt der Hochschule der Bildenden Künste (HBK) Saar. Ziel ist es nach Angaben der Initiatoren, der Bahnhofsmission, die von Diakonie und Caritas getragen wird, ein moderneres Image zu geben und die Arbeit der ehrenamtlich Mitarbeiter bekannter zu machen.


Dazu haben sieben Studenten aus dem Fachbereich Kommunikationsdesign in einem Seminar unter dem Namen „Großer Bahnhof für die Bahnhofsmission“ verschiedene Kommunikationskonzepte und Kampagnen entworfen. Dazu gehören auch die Beschriftungen im Osteingang, die von Studenten mit Teilnehmern aus dem Projekt Respekt mit einer weißen Klebefolie mosaikartig aufgetragen wurde. Im  Projekt der Diakonie Saar wird die berufliche Integration von jungen Menschen gefördert.

Außerdem wurden Flyer entworfen und Plakate, die Reisende auf die Angebote der Bahnhofsmission hinweisen sollen. Nichtreisende, so der Vorschlag der Studenten, könne man mit Aktionsständen in der Saarbrücker Fußgängerzone erreichen. Eine neue Imagekampagne sei für die Bahnhofsmission enorm wichtig, sagt Judith Rachel, Bereichsleiterin für bürgerschaftliches Engagement und Senioren bei der Diakonie Saar. „Viele Menschen haben zwar eine grobe Idee von der Arbeit der Bahnhofsmission: Sie entspricht aber nur selten der Realität.“ Den meisten Reisenden sei gar nicht bewusst, dass die Bahnhofsmission für jeden Menschen geöffnet ist. „Viele denken, dass sich die Angebote nur an bedürftige Menschen richten und ausschließlich aus Reisehilfen für Menschen mit Behinderungen bestehen.“ Deshalb soll nun auch das Gebäude der Bahnhofsmission mit Symbolen beklebt werden, die weitere Angebote veranschaulichen, wie die Möglichkeit, sein Kind zu wickeln oder sich aufzuwärmen.



Für Indra Kupferschmidt, Professorin an der HBK und Leiterin des Studienprojektes, ist die Arbeit mit der Bahnhofsmission besonders interessant: „Es ist spannend, an der Vermarktung einer Organisation zu arbeiten, deren Name bereits einen so guten Ruf hat. Kaum ein Mensch verbindet etwas Negatives mit der Bahnhofsmission.“ Eine so gute Grundlage für Marketingkampagnen sei eine echte Seltenheit und deshalb für die Hochschule sehr spannend.

Bedürftige Menschen, die schon zahlreich die Angebote der Bahnhofsmission nutzen, sollen aber künftig nicht verdrängt werden. „Als Ort des öffentlichen Lebens sind wir in der Verantwortung, keine gesellschaftlichen Schichten auszuschließen“, sagt Martin Landegl, Leiter des Bahnhofmanagements Saarbrücken. „Allerdings haben wir als Bahnunternehmen nicht die Möglichkeit, auf alle individuellen Anforderungen mit persönlicher Nähe einzugehen. Dafür sind wir auf die Bahnhofsmission als Institution angewiesen, die diese Aufgaben hervorragend übernimmt.“

Dass es unter den Gästen der Bahnhofsmission zu etwaigen Verdrängungen kommen könnte, wenn durch das neue Image mehr Menschen die Anlaufstelle aufsuchen, befürchtet Rachel nicht. „Wir hoffen darauf, dass mehr Menschen miteinander in Berührung kommen, egal ob arm oder reich, bedürftig oder nicht. Wir möchten ein Ort am Bahnhof sein, an dem die verschiedensten Menschen nicht nur aneinander vorbeigehen, sondern sich auch begegnen“. Damit wäre dann wohl auch das eigentliche Ziel eines „Großen Bahnhofs für die Bahnhofsmission“ erreicht.