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Künstlerbund
Streitgespräch über sexistische bildende Kunst

Andrea Jahn   
Andrea Jahn   FOTO: Oliver Dietze
Saarbrücken. Andrea Jahn, Leiterin der Stadtgalerie, und Annebarbe Kau vom Deutschen Künstlerbund diskutierten im Künstlerhaus. Von Silvia Buss

Wie sollen Museen mit Bildern umgehen, die Frauen sexistisch darstellen? Sollen sie sie abhängen, wie jüngst im Zuge der #Metoo-Debatte unter anderem in Manchester geschehen? In diesem einen Punkt waren die Leiterin der Stadtgalerie Andrea Jahn und Annebarbe Kau, Kölner Künstlerin und Vorstandsmitglied des Deutschen Künstlerbunds, dann doch mal unterschiedlicher Meinung.


In der Talk-Reihe des Saarländischen Künstlerhauses, Saarbrücker Sofa, diskutierten Jahn und Kau am Montag unter der Moderation der Journalistin Katrin Aue von SR2 KulturRadio zum Stichwort #Metoo über die Benachteiligung von Künstlerinnen und die Darstellung der Frau in der bildenden Kunst.

Abhängen ist für Jahn keine Lösung, für sie zeigen solche Bestrebungen nur, dass es an historischem Bewusstsein mangele. Denn die Museen seien historisch bedingt ja voll von sexistischen Bildern. Statt abzuhängen müsse man dies reflektieren und dem Publikum die Hintergründe vermitteln, plädierte sie.



„Warum eigentlich nicht mal abhängen?“, meinte hingegen Kau. Es bedeute ja nicht, dass man die Bilder zerstöre, sondern einfach mal für eine Weile andere zeige, etwa Bilder von Frauen. „Wir haben ja gar keine Möglichkeit, weibliche Vorbilder in der Kunst zu entwickeln, weil sie gar nicht aufgehängt werden“, konstatierte die Kölnerin. Denn, da waren sich Jahn und Kauf wieder einig: Es heiße zwar immer, in der Kunst gehe es nicht um Geschlecht, sondern nur um Qualität, doch in der Realität seien Künstlerinnen in Ausstellungen noch immer unterrepräsentiert.

In Köln hat Kau daher die Initiative „Equality for women in visual arts (Gleichstellung für Frauen in den visuellen Künsten) mitbegründet. Durch kleinere künstlerische Aktionen, Gespräche und Diskussionsveranstaltungen will die Initiative das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Beachtung von Künstlerinnen schärfen.

Da sich seit den 60er, 70er Jahren nicht viel in Sachen Gleichberechtigung bewegt habe, wie laut Kau eine Studie des Deutschen Kulturrats von 2016 gezeigt habe, spricht sie sich für eine Frauenquote aus.

Auch in der Kunstgeschichte müsse sich etwas tun, denn die sei immer noch sehr konservativ und ihre Lehrstühle seien vornehmlich mit Männern besetzt, erklärte Andrea Jahn. Auch bei den jungen Künstlerinnen vermisst sie feministisches Bewusstsein. Als Jahn geeignete Werke für ihre aktuelle Ausstellung in der Stadtgalerie „In the cut – Der männliche Körper in der feministischen Kunst“ suchte, wurde sie nur in der älteren Generation der Künstlerinnen zwischen 50 und 90 Jahren fündig.