Streit um Grabschmuck auf Hauptfriedhof Saarbrücken geht weiter

Saarbrücker Hauptfriedhof : Grabschmuck weg – Streit geht weiter

Dürfen überhaupt Kerzen, Blumen und Vasen vor der Urnenwand auf dem Saarbrücker Hauptfriedhof aufgestellt werden?

Grabschmuck an einer Urnenwand auf dem Saarbrücker Hauptfriedhof: Der sorgt seit geraumer Zeit für Streit. Oder vielmehr das, was davon übrig blieb. Denn Angehörige der dort Beigesetzten beschuldigen Bedienstete der Landeshauptstadt, beim Aufräumen alles andere als pfleglich mit Blumen, Vasen, Kerzen und Engeln umgegangen zu sein. Vieles sei unwiderruflich verloren. Die Verantwortlichen im Amt für Friedhöfe hingegen stellen sich schützend vor ihre Mitarbeiter. Die sorgten vielmehr dafür, dass der Platz um die Trauerstätte ordentlich aussieht.

Nach bitterlichen Beschwerden von Iris Kenter meldete sich nun auch Michael Gebhardt wegen verloren gegangenen Schmucks. „Als ich nach Weihnachten an die Urnenwand kam, wo mein Vater beerdigt worden ist, war nichts mehr da“, beschreibt der 56-Jährige. Er untermauert seinen Bericht mit Fotos, die zum einen vor den Arbeiten sowie danach entstanden sein sollen.

Er habe sich daraufhin umgehend an die zuständige Stelle im Rathaus gewandt. Dort sei ihm mitgeteilt worden, dass es die Friedhofssatzung prinzipiell nicht vorsieht, vor der Wand Schmuck jeglicher Art abzustellen. Über diese Auskunft war Gebhardt dann doch einigermaßen verwundert. „Wir haben uns extra für den Hauptfriedhof entschieden, weil uns zuvor gesagt worden war, dass es erlaubt ist.“ Auch Iris Kenter, die an gleicher Stelle regelmäßig die letzte Ruhestätte ihres Mannes besucht, ist solch ein Passus ebenso wenig bekannt. Die Saarbrückerin (68): „Im Vertrag steht, dass wir keine Löcher in die Wand bohren dürfen, um Vasen oder Kerzen anzubringen.“ Das sei für sie durchaus nachzuvollziehen, damit keine Feuchtigkeit eindringt. „Aber ich hatte damals extra in der Urnenwand einen Platz am Boden ausgewählt, um ein Gesteck und eine Kerze davor aufstellen zu können.“

Nach der Arbeit der Mitarbeiter des städtischen Friedhofsamtes sei nach Auskunft der Beschwerdeführer nur noch ein Rest übrig geblieben. Foto: Michael Gebhardt

Unterdessen könnte es sich  tatsächlich um ein Versehen handeln, sollten die Betroffenen aus der Verwaltung der Landeshauptstadt solch eine Auskunft bekommen haben. Stadtpressesprecher Thomas Blug dazu: „Sollte der Bürger die Information erhalten haben, der Grabschmuck an der Urnenwand sei laut Satzung nicht zulässig, dann war das eine Fehlinformation. Das ist dort nicht geregelt.“ Damit sei es den Besuchern gestattet, Schmuck vor die Wand zu legen. Im Vergleich zu anderen Städten und Gemeinden, die das verbieten, sei Saarbrücken „hinsichtlich des Grabschmuckes an Urnenwänden kulant“.

Ungeachtet dessen halten die Beschwerdeführer unabhängig voneinander daran fest, dass Beschäftigte des Friedhofsamtes Schmuck durch ihren Einsatz zerstört haben sollen. Während Blug erklärt, dass die Kollegen „den privaten Grabschmuck an der Urnenwand auf die dafür vorgesehene Blumenablagefläche geräumt hatten“. Grund dafür: Sie wollten das Umfeld reinigen und Laub beiseiteschaffen. Er betont: „Sie haben dabei aber nichts kaputt gemacht.“ Vielmehr seien die Mitarbeiter „sehr sensibel mit dem privaten Grabschmuck“ umgegangen. Aufnahmen seiner Kollegen sollen das bestätigen. Da es sich bei dem Friedhof um einen für jeden zugänglichen Ort handelt, sei es durchaus möglich, dass andere für die Sachbeschädigung verantwortlich sind. Mit Blick auf diese Diskussion werde die Stadt überlegen,wie sie künftig verfahren will. Beispiele nannte Blug indes nicht.

Nach dem öffentlichen Schlagabtausch zwischen Betroffenen und Rathausvertretern soll es am kommenden Montag, 14. Januar, an Ort und Stelle ein Treffen mit Friedhofsamtschefin Carmen Dams geben, um die Angelegenheit im persönlichen Gespräch zu klären. Von Verwaltungsseite wurde Iris Kenter dazu eingeladen. Sie kündigte aber bereits an, weitere Mitstreiter mitbringen zu wollen. Um 16 Uhr ist der Termin vorgesehen.

Mehr von Saarbrücker Zeitung