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Straßentheatertage in Saarbrücken : letzte Ausgabe der Sommer Szene startet

Zum letzten Mal Sommer Szene : Sag’ zum Abschied leise Servus

Nach 34 Jahren ist Schluss mit den Internationalen Straßentheater-Tagen. Das Finale der Sommer Szene fällt klein und bescheiden aus.

„Schön, dass Sie sich dem Anlass entsprechend schwarz angezogen haben!“, begrüßte Marion Künster auf der Pressekonferenz im Schloss am Mittwoch den Saarbrücker Kulturdezernenten Thomas Brück. Ja, bei einem so traurigen Anlass hilft nur Galgenhumor: Die kommende Ausgabe der Sommer Szene vom 6. bis 10. August ist die letzte – nach 34 Jahren ist Schluss mit den Internationalen Straßentheater-Tagen. Als Initiatoren und Organisatoren hatten Charlie Bick und Marion Künster lange überlegt, ob sie überhaupt ein finales Festival stemmen sollten. Aber ganz ohne Verabschiedung wollten sie doch nicht gehen. Dass das Festival so lange überlebt hat, liegt wohl daran, dass es sich kontinuierlich treu geblieben ist und stets bei den Überzeugungstätern Bick und Künster in festen Händen war.

Warum hören sie nun auf? So ein Open-Air-Festival ist zum einen eine logistische Herausforderung. Künster hat jedoch ihren Wohnsitz nach Niedersachsen verlegt, Bick wird 65, und ein Nachfolger war partout nicht in Sicht. Erschwerend kommt hinzu, dass die finanzielle Unterstützung seit acht Jahren schrumpft. Auch dass das Festival seit 2007 nur noch alle zwei Jahre stattfand, konnte das nicht auffangen.

„Die Konsolidierung des Festivaletats ist gescheitert“, sagt Künster. Der aktuelle Etat beträgt 117 000 Euro – gut 75 000 Euro weniger als noch 2011. Völklingen hatte sich zwischenzeitlich ohnehin ausgeklinkt, und nachdem vor zwei Jahren auch Dillingen den Zuschuss in letzter Minute um 50 Prozent gekürzt hatte, so Bick, konzentriert sich das Finale der Sommer Szene nun auf Saarbrücken und Dudweiler.

Weil den Einnahmen von 117 000 Euro aber Ausgaben von 123 000 Euro gegenüberstehen, kommt die Sommer Szene auch bei ihrem Finale nicht an einer Hutsammlung vorbei. „Dabei war es unser Traum, beim letzten Festival mal keine Hutsammlung zu machen“, sagt Bick. Aber was wäre die Sommer Szene ohne Hutsammlung, fester Bestandteil des niedrigschwelligen „Kultur für alle“-Konzepts?

Bei dieser Überlegung landet man unweigerlich bei den Anfängen, und so hielten die Festivalmacher einen Nachruf – ohne larmoyantes Jammern, sondern dankbar für das, was gewesen. 1985 war es eine kulturpolitische Entscheidung, Straßentheater zu machen, erzählt Bick. Aus heutiger Sicht unglaublich: Weil das Genre in Deutschland keine Tradition hatte, musste die Sommer Szene im ersten Flugblatt erst mal erklären, was das überhaupt ist, „Asphalt-Kultur“. Wobei Bick und Künster den Begriff weit fassten und alles integrierten, was open air möglich ist, auch große Bühnenspektakel. Entscheidend war das dezentrale Moment durch Bespielen verschiedener Stadtteile bei freiem Eintritt, um die Hemmschwellen niedrig zu legen und verschiedene Bevölkerungsschichten zu erreichen.

Dazu gehörte der integrative Ansatz: Viele Produktionen kamen ohne Sprache aus. Und indem sie von Anfang an konsequent während der großen Ferien lief und dadurch das kulturelle Sommerloch füllte, war die Sommer Szene außerdem Trendsetter. Über 400 Gruppen aus allen fünf Kontinenten sind seit 1985 aufgetreten – eine stolze Bilanz.

13 Einzelkünstler und Ensembles, darunter einige besonders treue, sind nun auch beim Finale dabei. Und da wollen es Bick und Künster mitnichten nochmal krachen lassen, sondern verabschieden sich klein und unspektakulär – so, wie sie angefangen haben. Unter dem Motto „Gute (alte) Freunde“ zeigt der Publikumsliebling, das Kölner N.N. Theater, mit „20 000 Meilen unter dem Meer“ und „Das kalte Herz“ zwei neue seiner legendären Klassiker-Adaptionen. Clown Schorsch lädt zu seinen berüchtigten „Statt-Führungen“ ein, und der heute in Saarbrücken ansässige niederbayrische Maschinenkomiker „UliK“ zeigt sein neuestes Spektakel „RoboCircus“.

Ein Trostpflaster immerhin hielt Thomas Brück parat: Der städtische Zuschuss für die Sommer Szene soll erhalten bleiben und in ähnlich niedrigschwellige Angebote fließen.