Straßenkunst in Saarbrücken : Es gibt gute und schlechte Kaugummis

Wer kennt sie nicht, die bunten Kaugummigesichter in der Saarbrücker Bahnhofstraße. Nun hat sich der Künstler geoutet.

Sein Name ist Backflipp, Justin Backflipp. Ein Künstlername. Seinen echten Namen möchte er lieber nicht in der Zeitung lesen. Beruf? „Unbekannt“, sagt der 38-Jährige mit einem verschmitzten Lächeln und krault sich den dunklen Vollbart. „Eigentlich bin ich – wie sagt man noch – Schlosser.“ So viel lässt er sich dann doch noch entlocken.

Vor allem aber ist er zurzeit Kaugummi-Künstler. In der Saarbrücker Bahnhofstraße und am Staden entlang der Saar hat er die platt getretenen Kaugummis am Boden mit bunten Gesichtern bemalt. Die meisten sind sehr fröhlich und lächeln. andere erinnern an Totenköpfe, die einen hämisch angrinsen.

Wie er auf die Idee mit den Kaugummis kam? Backflipp überlegt gerne länger, bevor er antwortet. „Hm, kann man das sagen? Ich hatte sozusagen im Traum eine Inspiration.“ Man weiß nicht so genau, ob er einen Spaß macht oder es todernst meint. Zumindest verzieht er dabei keine Miene. Seit Februar ist er der gebürtige Kaiserslauterer in der Saarbrücker Innenstadt unterwegs und bemalt fleißig Kaugummis. Um auf die Umweltverschmutzung aufmerksam zu machen. „Ich hab’ gleich noch in der Diskontopassage einen Termin mit dem Stadtbauamt.“ Wozu? Irgendwie geht es dabei auch um Kaugummi und Graffiti. Das Ziel dieses Termins wird irgendwie nicht ganz klar. Ein bisschen verträumt ist er schon, der Justin mit den vielen Tattoos auf den Oberarmen. „Die vom Bauamt haben aber inzwischen verstanden, dass die bunten Gesichter gar nicht so schlecht sind. Und wenn die mit ihren Reinigungsmaschinen die Straße sauber machen, bleiben ja auch diese unschönen, hellen Flecken zurück.“ Und die Polizei? „Die sagen inzwischen auch nix mehr“, sagt Backflipp und rückt zufrieden seine rote Basecap zurecht, die er verkehrt herum aufgesetzt hat. Backflipp hat seine ganz eigene Philosophie: „Es gibt gute und schlechte Kaugummis“, erklärt er. Und was sind die guten, was die schlechten? „Ich kenne die Marken leider nicht. Aber ein guter Kaugummi schmilzt nicht so schnell in der Sonne, wenn es warm wird.“ Backflipp malt mit Acrylfarben, die er am liebsten im Nauwieser Viertel kauft. Rund 150 Stifte hat er mittlerweile, kleine, große, dicke und dünne. Einer davon kostet bis zu 4,50 Euro. Von Zeit zu Zeit füllt er dann Farbe nach. Und was sagen die Leute, die ihm beim Malen zuschauen? „Den meisten gefällt es. Sieht schön aus und so. Manche schimpfen, dann sage ich lieber nichts.“ Wo er auch unterwegs ist, der gelernte Schlosser kann es nicht lassen. Überall bemalt er Kaugummis mit Gesichtern. Bis zu 2500 hat er schon geschafft, wie er sagt. Und das, obwohl er erst im Februar angefangen hat. Toll, dass er zum Termin mit der Saarbrücker Zeitung gekommen ist. Wir hatten in zwei Kolumnen auf ihn aufmerksam gemacht und ihn gebeten, sich zu melden. „Da haben mich ziemlich viele Leute drauf angesprochen, und ich habe mir gesagt, o.k., ich mache es.“ Eines Morgens stand er dann beim Pförtner der SZ in der Gutenbergstraße und sagte: „Tach, ich bin der mit den Kaugummis. Ich sollte mich doch melden.“

„4 für die SZ“ hat Justin freundlicherweise zu seinem Smiley geschrieben und geseufzt: „Oje, das bringt mir jetzt ein paar Jahre Knast.“. Foto: Rich Serra

Wenn Ihnen demnächst eines der bunten Kaugummi-Gesichter begegnet, wissen Sie jetzt, wer dahinter steckt. Sein Name ist Backflipp, Justin Backflipp.

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