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Was macht eigentlich... Stefan Schön
Stefan Schön ist zurück in der Heimat

Die „Saarbrücker Hefte“ kürten es seinerzeit zur Inszenierung des Jahres. In der damaligen Diskothek Mirage inszenierte Stefan Schön das Stück „Dekadenz“. Unser Foto zeigt Helmut Wiesinger und Michèle Kratzert.
Die „Saarbrücker Hefte“ kürten es seinerzeit zur Inszenierung des Jahres. In der damaligen Diskothek Mirage inszenierte Stefan Schön das Stück „Dekadenz“. Unser Foto zeigt Helmut Wiesinger und Michèle Kratzert. FOTO: Roger Paulet
Saarbrücken. Er hat Saarbrücken so manche interessante Theater-Erfahrung beschert und sich immer fleißig in die Kulturpolitik eingemischt. Dann ging Stefan Schön nach Augsburg. Seit ein paar Wochen ist er jetzt wieder hier. Von Nicole Baronsky-Ottmann

Wenn Stefan Schön von seinem Beruf des Theaterregisseurs erzählt, dann merkt man sofort, das ist seine Lebensaufgabe. „Der erste glückhafte Moment meiner Laufbahn war am 23. August 1976, als ich Hospitant in Augsburg bei Oberspielleiter Eike Gramss wurde“, sprudelt es gleich aus ihm heraus.


Stefan Schön, gebürtiger Saarbrücker, wurde schon in der Wiege mit dem Theatervirus infiziert. „Mein Vater war früher mit selbstgebastelten Handpuppen im Saarland unterwegs, sein Bruder war Schauspieler, und auch meine Mutter war künstlerisch angehaucht“, erzählt er aus seiner Kindheit. Schon mit 15 Jahren wollte Stefan Schön dann auch Schauspieler werden. „Das war klar, ich wusste, dass es in Richtung Theater bei mir gehen würde.“

Aber zuvor beendete er seinen Eltern zuliebe das Gymnasium. 1975 ging es dann nach Marburg an die Universität, 1976 wechselte er nach München, studierte dort Theaterwissenschaft.



„Wir waren eine kleine Clique von sechs Leuten. Und wir waren alle der Meinung, dass das Studium zu verkopft sei, hatten alle eher einen Hang zur Praxis“, erklärt er. Er schrieb daher verschiedene Theater an, um ein Praktikum zu machen, und erhielt eine Zusage aus Augsburg.

„Aus den geplanten zwei Monaten wurden dann vier Jahre. Anfangs bin ich noch nach München gependelt, wollte noch weiter studieren. Aber nach der ersten Produktion als Hospitant war klar, dass ich bleiben will“, erzählt er und lächelt.

So folgte dann auch schon bald der zweite glückhafte Moment in seiner Karriere, als Stefan Schön die erste reguläre Regie-Assistenz einer Produktion übernehmen konnte. „Eigentlich sollte ein Stück von Eugène Ionesco geprobt werden, aber die Schauspielerin wurde krank. Und bei der Ersatzproduktion habe ich dann die Assistenz übernehmen können.“ Dafür erhielt Stefan Schön auch seinen ersten Vertrag als Assistent – inklusive Gage.

Danach gab es für ihn kein Zurück mehr. „Um zu zeigen, dass ich mehr wollte, trieb ich mich immer am Theater rum, redete überall mit und saß in der Kantine. So bekam ich dann zwei weitere Assistenzen“, erzählt der Regisseur mit einem Augenzwinkern.

Mit diesem Vertrag in der Tasche gab er das Studium auf, zog von München nach Augsburg. Die folgenden vier Jahre in Augsburg waren seine Lehrjahre. Bald folgte der dritte glückhafte Moment, die erste eigene Inszenierung. „Das war auch schon 1979. Da sollten die Assistenten in Augsburg selbst Stücke inszenieren. Ich wurde mit ,Watussi oder Ein Stück für zwei Botschafter’ betraut, einem Stück, das sehr politisch war und auch heute noch aktuell wäre.“

Aber so langsam wurde es Stefan Schön in Augsburg zu eng, daher wechselte er, nach einem kurzen Intermezzo in Krefeld, 1981 an das Landestheater Memmingen, wo er über sechs Jahre bleiben sollte. Dort war er nicht nur Regisseur, sondern auch Chefdramaturg. „Ich hatte zwei Jobs, war oft von früh bis nachts im Theater. Es war beruflich unglaublich erfüllend. Ich habe das Gesicht des Theaters mitgeprägt“, erklärt er.

In dieser Zeit machte Stefan Schön über 20 Inszenierungen, betreute allein über 60 Programmhefte. Trotzdem entschloss er sich im Jahr 1987, das Theater zu verlassen und frei zu arbeiten.

„In dieser Zeit bin ich dann auch zurück nach Saarbrücken gezogen. Das war meine Basis. Und von hier aus habe ich dann viele Inszenierungen an den Theater-Bühnen Ingolstadt, Aachen, Trier, Osnabrück oder Göttingen, aber auch in Wien, Zürich und Bern gemacht“, erzählt er.

Und natürlich auch in Saarbrücken. Vier Produktionen waren von ihm allein am Saarländischen Staatstheater und am Landestheater zu sehen, eine freie Produktion organisierte er sogar in der damaligen Diskothek „Mirage“. „Ich habe im Jahr 1990 dort Steven Berkoffs ,Dekadenz’ uraufgeführt. Das war für die ,Saarbrücker Hefte’ sogar die Produktion des Jahres“, schwärmt er.

Trotzdem wählte er 1998 wieder Augsburg als Lebensmittelpunkt, arbeitete dort an Vertonungen von Mozart-Briefen mit, organisierte große Events in der Stadt zu Jubiläen zum Beispiel der Familie Fugger oder Martin Luthers, veranstaltet Lesungen und hat sogar eine eigene literarische Reihe im dortigen Brechthaus.

Aber gerade hat er wieder Koffer und Möbel gepackt und ist zurück nach Saarbrücken gezogen.  „Saarbrücken ist meine Heimat. Ganz einfach. Ich habe beides in mir. Die Heimat und die Fremde“, erklärt er. Aber Stefan Schön wird viel unterwegs sein und gerade auch in Augsburg seine Projekte weiterhin umsetzen. Und hier in Saarbrücken? „Da sind verschiedene Projekte im Gespräch“, sagt er und lächelt vielsagend.

1993 inszenierte Stefan Schön einen ziemlichen Aufreger am Staatstheater: Gerhard Zwerenz’ Stück „Die heilige Familie im Personalbüro“ provozierte. Unser Foto zeigt Andreas Döring, Felix Römer und Thorsten Meckenhagen in der Alten Feuerwache.
1993 inszenierte Stefan Schön einen ziemlichen Aufreger am Staatstheater: Gerhard Zwerenz’ Stück „Die heilige Familie im Personalbüro“ provozierte. Unser Foto zeigt Andreas Döring, Felix Römer und Thorsten Meckenhagen in der Alten Feuerwache. FOTO: Uwe Merkel