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Stefan Scheib ist in vielen Stilen zuhause

Musiker und Musikerinnen im Regionalverband : Ein Mann mit Hang zu dunklen Saiten

Stefan Scheib ist vielfach gefragt, macht Jazz und Zeitgenössisches und ist Teil der Liquid Penguin Ensembles.

Stefan Scheib ist Künstler in zweierlei Hinsicht: Einmal als einer der gefragtesten Kontrabassisten im Saarland, sowohl in zeitgenössischer Musik als auch in Jazz und frei improvisierter Musik; und dann als Teil des experimentellen Liquid Penguin Ensemble.

Der „flüssige Pinguin“ besteht im Kern aus Scheib und seiner Frau Katharina Bihler. Je nach Art der Aufführung, ob Hörspiel oder Performance, kommen andere Künstler hinzu. Was es mit dem seltsamen Namen auf sich hat, kann der 54-jährige nicht sagen: „Das kam einfach so.“

Seine Karriere als Musiker verdankt er in den Anfängen der Gitarre seines ältesten Bruders: „Da durfte ich so mit 14 erste Klimperversuche wagen. Ich habe mich aber von Anfang an fast nur für die vier tiefsten Saiten interessiert.“ Diese sind auf der Gitarre in den gleichen Tönen gestimmt wie auf dem Bass.

In der Jugend hört der in Völklingen Aufgewachsene gerne Hardrock, vor allem Led Zeppelin („das ist eine Band, die ich bis heute sehr schätze“), sein erstes Konzert, das er besucht, ist eines von Status Quo. Irgendwann war klar, dass er E-Bass lernen möchte: „Das kam durch die ersten Berührungen mit Funk: Stanley Clarke und solche Sachen.“

Den ersten E-Bass bekommt er im Alter von 16 Jahren vom großen Bruder geschenkt. Nach dem Abi will er Biologie studieren, aber während des Zivildiensts ändern sich seine Pläne. Der Gedanke reift in dieser Zeit, ernsthaft Musik zu machen. Scheib jobbt erstmal in einer Schreinerei, dann in einem Getränkeladen. Gleichzeitig übt er mindestens sechs Stunden am Tag und steht deshalb schon morgens um fünf Uhr auf. „Ich hab das aber nicht als etwas Schweres oder Anstrengendes in Erinnerung“, sagt er im Rückblick.

Mit einer Coverband aus Schmelz tingelt er über die Dörfer zum Geld verdienen. Seine Leidenschaft liegt aber bei Jazzrock und Fusion („das war zu der Zeit das totale Ding“). In Luxemburg, auf dem Konservatorium, lernt Scheib auf dem E-Bass dazu. Noch ist der Kontrabass nicht sein Instrument. Der kommt erst im Alter von Mitte 20 hinzu, als Scheib immer mehr Jazz spielt.

Nach und nach macht er sich in der saarländischen Jazzszene einen Namen. Vor allem mit dem leider schon 2009 verstorbenen Schlagzeuger Jochen Krämer bildet er eine beliebte Rhythmusgruppe. Im Stefan Scheib Quartett kommen noch Frank Wingold (Gitarre) und Wollie Kaiser (Saxofon) hinzu. „Als der Jochen gestorben ist, war das schon ein großer Einschnitt für mich.“

Scheibs Quartett löst sich auf, er selbst spielt jahrelang nicht mehr mit anderen Schlagzeugern. „Das war schon echt schlimm.“ Aber der Bassist erweitert seinen musikalischen Bereich noch mehr: Er fängt an, experimentelle und zeitgenössische Musik zu spielen, etwa im Ensemble InZeit. Außerdem wird er Lehrbeauftragter an der Saarbrücker Hochschule für Musik.

Seit einiger Zeit betreut er mit Johannes Schmitz einmal im Monat die Jazz-Session in der Musikkneipe Zing. „Auf Sessions hätte man mich früher nicht ansprechen brauchen. Aber im Zing ist die Atmosphäre klasse, und wir versuchen Lager der saarländischen Szene zusammenbringen, die sonst wenig miteinander zu tun haben.“ Der letztes Jahr gestorbene Pianist Christoph Mudrich habe das laut Scheib begrüßt und gemeint, es sei doch eine gute Idee, Musiker mit dem zusammenzubringen, was sie am besten können, nämlich zusammen zu spielen.

Katharina Bihler lernt Scheib 1995 bei einem Theaterprojekt kennen, wo sie Regie führt. 1997 gründen die beiden das Liquid Penguin Ensemble. Sie schreiben zusammen Stücke für Live-Performances. Aus dem Material entstehen dann auch Hörspiele, die meist beim Saarländischen Rundfunk produziert werden. Mit Preisen sind die beiden häufig bedacht worden: Das geht vom Deutschen Hörspielpreis der ARD über diverse Auszeichnungen als Hörspiel des Jahres bis zum Hörspielpreis der Kriegsblinden. „Der heißt so, weil er in der Nachkriegszeit entstanden ist. Der ist mir am wichtigsten.“

Anfangs hatten die Penguins großes Glück: „Das erste Hörspiel war netterweise von Katharinas Vater finanziert und ziemlich teuer, die Texte kamen von Paul Auster. Zufälligerweise war der WDR gerade dabei, Austers New-York-Trilogie umzusetzen. Die hatten die erste schon produziert und die dritte in Planung – wir hatten die zweite aufgenommen, ein totaler Glücksfall. Da haben die gesagt, wir übernehmen das.“

Auch der damals frisch gegründete Hörverlag wurde auf das Liquid Penguin Ensemble aufmerksam. „Die waren froh, jemanden zu haben, der in diesem Bereich auch auftreten kann.“ Eine weitere Produktion dort scheitert aber an den Kosten: „Wir haben denen erzählt, was es kostet, mit drei Instrumenten in ein Studio zu gehen. Bisher hatten die nur Produktionen bei Sendern günstig gekauft oder einen Sprecher in eine Kabine gesetzt. Also sind wir nicht ins Geschäft gekommen“, meint Scheib lachend.