Stadtrat wählt Barbara Meyer-Gluche zur Bürgermeisterin von Saarbrücken

Kostenpflichtiger Inhalt: Bürgermeisterwahl in Saarbrücken : Die Favoritin gewinnt die Wahl

Die Grüne Barbara Meyer-Gluche ist die neue Bürgermeisterin von Saarbrücken.

Die Jamaika-Koalition aus CDU, Grünen und FDP im Saarbrücker Stadtrat hat ihre erste Bewährungsprobe bestanden. Die grüne Kandidatin und Favoritin für das Amt, Barbara Meyer-Gluche, hat in der Ratssitzung am Dienstag die Wahl zur Bürgermeisterin gewonnen. Von den 59 anwesenden und stimmberechtigten Stadtverordneten stimmten 36 für die 35-Jährige, die jetzt die Nachfolge des scheidenden Bürgermeisters Ralf Latz von der SPD antritt. Dessen Partei hatte noch mit ihrer Kandidatin Christine Jung (36 Jahre) gehofft, weiterhin das zweitwichtigste Amt der Landeshauptstadt besetzen zu können, was gleichzeitig auch als Angebot an die CDU zu verstehen war, aus Jamaika auszutreten. Für Jung stimmten allerdings nur 22 Stadtverordnete. Die Sozialdemokraten allein konnten bei der geheimen Wahl 17 Stimmen abgeben – Jung selbst musste während der Bürgermeisterwahl auf den Zuschauerrängen Platz nehmen. Die dritte Kandidatin, Mechthild Hoffmann, die nicht im Stadtrat ist und auch bei der Sitzung am Dienstag nicht anwesend war, bekam eine Stimme.

Auch Barbara Meyer-Gluche wartete auf den Zuschauerrängen das Ergebnis der Wahl ab, trat zuvor nach Christine Jung ans Rednerpult, um für sich und ihre Ziele als Bürgermeisterin zu werben. Dabei betonte sie, dass das Amt gleichzeitig das der Dezernentin für Finanzen und Nachhaltigkeit, also Umwelt- und Klimaschutz, ist und unterstrich, dass sie langjährige Erfahrung auf beiden Gebieten gesammelt habe – ein Punkt, den die Linke in ihrer Kritik an der Kandidatur Meyer-Gluches anders sah. Auch die SPD hatte im Vorfeld Kritik geübt und die neue Kombination von Finanzen und Nachhaltigkeit als „willkürlich“ bezeichnet. Dem hielt Meyer-Gluche in ihrer Bewerbungsrede entgegen, dass Finanz- und Umweltpolitik sehr wohl eng miteinander zusammenhingen und es nun zu beweisen gelte, dass Ökonomie und Ökologie keine Gegensätze sind.

Barbara Meyer-Gluche ist studierte Volkswirtin und Politologin. Die gebürtige Saarländerin hat an der Ludwig-Maximilians-Universität in München studiert und ist 2011 zurück ins Saarland gekommen. Beruflich war sie bis 2017 als wissenschaftliche Mitarbeiterin für Finanz- und Haushaltspolitik in der Grünen-Landtagsfraktion tätig. Seit über zwei Jahren arbeitet sie als Referentin in der Haushaltsabteilung des Saar-Ministeriums für Finanzen und Europa. Sie ist dort als stellvertretende Referatsleiterin für Finanzplanung, Steuerschätzung, Bund/Länder- und Kommunalfinanzen zuständig.

In ihrer Partei ist Meyer-Gluche seit Jahren in mehreren Funktionen aktiv. Seit 2018 ist sie Generalsekretärin der Grünen Saar, seit 2014 Kreisvorsitzende in Saarbrücken. Bei der Kommunalwahl im Mai hat sie erstmals ein Stadtratsmandat errungen. Mit ihr und Torsten Reif als Spitzenkandidaten haben die Grünen ihr Ergebnis in Saarbrücken auf 20 Prozent fast verdoppelt. Sie selbst kandidierte damals als Oberbürgermeisterin für Saarbrücken und erhielt 14,4 Prozent der Stimmen. „Meine Bewerbung als Bürgermeisterin ist eine logische Folge meiner Bewerbung als Oberbürgermeisterin“, denn es liege ihr am Herzen, Verantwortung für diese Stadt zu übernehmen, sagte Meyer-Gluche am Dienstag vor ihrer Wahl.

Die zweite Führungsstelle, die die Jamaika-Koalition zu besetzen hat, wird im August frei. Das Vorschlagsrecht für die Nachfolge von Sportdezernent Harald Schindel (Linke) liegt dann bei der FDP.