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Tango im Theater
Das Theaterfoyer wird zur Tango-Bar

Andreas Ernst und Partnerin Vera Eymann (Mitte) machen es vor – und viele tanzen mit: Milonga im Saarländischen Staatstheater.
Andreas Ernst und Partnerin Vera Eymann (Mitte) machen es vor – und viele tanzen mit: Milonga im Saarländischen Staatstheater. FOTO: Oliver Dietze
Saarbrücken. Im Staatstheater wird einmal im Monat echter Tango Argentino unterrichtet und getanzt. Von Silvia Buss

„Am Anfang ist man verkrampft, die Gelenke gehen zu, die Atmung wird flach“, erklärt Andreas Ernst. Wo wir hier sind? In einer Raumstation? Nein, im Mittelfoyer des Staatstheaters. Einmal im Monat tritt Andreas Ernst hier mit seiner Partnerin an, um Leute in die Kunst des Tango-Tanzens einzuweihen. Rund ein Dutzend Paare wollen an diesem Tag lernen, wie „aus zwei Körpern einer wird“ und dieser Körper dann zu der Musik, die sogleich Fernweh weckt, vorwärts und rückwärts geht.


„Wir kuscheln Wange an Wange. Und wichtig: Entschlossenheit!“ gibt Ernst den Paaren mit auf den Weg und macht es vor, während so mancher der Männer, die ja führen müssen, doch eher zaghaft dreinschaut. Ach ja, und das mit dem Verkrampfen und der Flachatmung, das gehe schon bald weg, beruhigt Ernst.

Manche der Paare, junge wie alte, haben sich richtig fein gemacht, andere tanzen in Jeans. „Das Gute ist ja, das ist Tango Argentino und nicht der Tango, den man in der Tanzschule lernt, wo der Mann die Frau nach hinten biegt und die dann in die Orthopädie muss“, sagt eine ältere Frau, die schon Fortgeschrittene ist und jetzt an einem Stehtisch darauf wartet, dass der einstündige Schnupperkurs gleich vorbei ist und die Milonga, der „richtige“ Tanzabend beginnt.



Musikdramaturgin Regine Liedke läuft schon mal zum Schaltkasten, um die Kronleuchter im Mittelfoyer auf Schummerlicht runterzudimmen. Gleich werden die Könner kommen. „Beim letzten Mal waren wir um die 70 bis 80“, erzählt Liedke,die selbst für ihr Leben gern Tango tanzt und die Tango-Abende im Theater zu Saisonbeginn ins Leben gerufen hat.

Passt das zusammen, Staatstheater und Tango-Bar? Denn Getränke und Häppchen zur Stärkung gibt‘s natürlich auch. Aber ja, findet Liedke. „Wir sind nicht das einzige Theater, das das anbietet, ich kenne es auch aus Hamburg, Magdeburg, Berlin, und in Coburg haben wir das auch gemacht.“

Bestimmt bringe das Staatstheater irgendwann auch mal eine richtige Tango-Oper von Astor Piazolla auf die Bühne, und jetzt brächten die Tango-Abende viele Menschen zusammen, von denen einige vielleicht noch nie in einer Aufführung waren, glaubt sie. Tango-Fans nähmen für solche Tanzgelegenheiten weite Wege in Kauf, weiß Liedke. „Die Leute kommen aus Kaiserlautern, Trier und Luxemburg her.“

Aus Bexbach kommen Marion und Jörg. Im vorigen Januar hat das Ehepaar, beide sind 55, seinen ersten Tango-Argentino-Kurs in einer Saarbrücker Tanzschule besucht. „Für mich war es schon immer ein Traum, meinen Mann musste ich erst überreden“, erzählt Marion. Inzwischen können beide nicht genug davon bekommen. „Es ist mehr als Tanz, es ist wie eine Paartherapie, weil man lernt, auf den Partner einzugehen, sich einzufühlen und nicht vorauszudenken, welche Figur als nächstes kommt, sondern ganz im Hier und Jetzt zu sein“, schwärmt sie. Und weil‘s so schön ist, nehmen beide sogar den Schnupperkurs vorher noch mit.

„Wir können hier ja in einer Stunde nur einen Einblick geben, aber es reicht, dass man den Tanzabend überlebt, ohne dass man dumm aussieht“, erklärt Vera Eymann. Bis man Tango Argentino richtig beherrscht, das dauert ganz ganz lange, weiß die Tanzpartnerin von Lehrer Andreas Ernst aus eigener Erfahrung. Spaß kann es aber auch schon vorher machen. „Das ist hier das Wichtigste“, betont Eymann, „dass man zusammen etwas Schönes erlebt“.

Nächster Tango-Abend im Mittelfoyer: Montag, 14. Januar 2019, Schnupperkurs 19 bis 20 Uhr, danach freier Tanz.