Mitmachkonzert : Laien proben Brahms mit Saarbrücker Profis

34 Musiker machen mit den hauptberuflichen Kollegen vom Saarländischen Staatstheater eine spannende Gemeinschaftserfahrung.

Einmal im Staatsorchester mitspielen. Dieser Traum wird am Sonntag für einige Laien Wirklichkeit: Das Mitmachkonzert als Teil des Theaterfestes macht’s möglich. Auf dem Programm stehen der berühmte „Bolero“ von Maurice Ravel, quasi der Lackmus-Test für Orchester-Schlagwerker, und Brahms’ Variationen über ein Thema von Joseph Haydn.

Interessenten meldeten sich bis zum 13. August beim Orchesterbüro. Die Noten gab es schon vorab zum Herunterladen. Gerade mal eine Woche blieb den Amateuren dann zur häuslichen Vorbereitung im stillen Kämmerlein bis zur ersten von zwei Proben mit den Staatsmusikern.

Der Auftakt fand am Mittwochabend im Orchestersaal des Saarländischen Staatstheaters (SST) statt, und der war für den Riesen-Klangkörper fast schon zu klein. Denn in diesem Jahr nehmen insgesamt 34 Laien neben den Profis an den Pulten Platz. „Das ist die bislang höchste Beteiligung bei einem Mitmachkonzert, in den anderen Jahren sind längst nicht so viele Anmeldungen eingegangen“, sagt Ines Schäfer, SST-Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Darunter seien einige Wiederholungstäter, der weitaus größere Teil sei jedoch zum ersten Mal dabei. „Mit Ausnahme von Tuba und Horn sind für alle Stimmen und Instrumente Anmeldungen eingegangen“, berichtet Schäfer. Die älteren Semester umkreisen die 50, der jüngste Teilnehmer ist noch nicht mal 13 Jahre alt, wie sich während der Probe herausstellt.

Denn als in den Anfangstakten von Ravels Bolero ein paar schiefe Töne erklingen, bricht Generalmusikdirektor Sébastien Rouland ab. „Wie heißt du, mein Junge?“, will er wissen. Der aufgeregte Knabe missversteht die Frage. „Zwölf Jahre“, antwortet er tapfer. Das Orchester lächelt liebevoll, auch Rouland schmunzelt. „Hast du geübt?“ „Ja.“ „Dann spiel einfach, was da steht.“ Der Bub ist nicht der Erste, der korrigiert wird.

Schon gleich zu Beginn bricht Rouland ab. „Es tut mir leid, aber es darf nur eine Flöte sein am Anfang.“ Als das Fagott einsetzt, huscht ein anerkennendes Lächeln über sein Gesicht. „Sehr schön.“ Auch Tenor- und Sopransaxofon klingen gesanglich und merklich um Gestaltung bemüht. Kurz darauf macht sich eine Flöte rhythmisch selbstständig – die Amateure spielen auf sehr unterschiedlichem Niveau, manche Instrumentengruppen tönen auch noch etwas inhomogen; vor allem die Bläser.

Neben Schülern und Laien-Orchestermusikern sitzen hier auch Leute, die im Landesjugendsinfonieorchester bestanden haben. Insgesamt klingt das Ganze für den ersten Anlauf schon erstaunlich rund. Rouland lässt den Ravel daher auch nicht wiederholen; einige Instrumentalisten werden für das weitere Repertoire nicht mehr gebraucht und dürfen nach 20 Minuten schon gehen. „Jeder weiß, was er zuhause noch üben muss.“ ruft Rouland ihnen hinterher. Die Detailarbeit hebt er sich für die Generalprobe am Freitag auf.

Danach kommt Brahms dran. Hier feilt Rouland schon etwas mehr an der Artikulation, fordert den Bläsern „mehr Luft“ ab und streicht die fünfte und achte Variation mit dem Argument „sauschwer“. Fassungslos folgt sein Blick einer Dame, die während seiner Erklärungen wiederholt zu einer Gruppe von Holzbläsern saust, um ihrerseits Ratschläge zuzuflüstern. Angesichts dieser Respektlosigkeit macht Rouland in gespieltem Zorn das Zeichen für „Halsumdrehen“. Die Dame entpuppt sich als Orchestermitglied, das die Amateure ein bisschen unter seine Fittiche nimmt. „Gibt’s eine Kleiderordnung?“, fragt die Bläserriege. Schwarz geht immer, überlegen sie mit der Tutorin. Schau’n mer mal.

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