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Kindertheater
SR zeigt Schuberts Winterreise kindgerecht

Der Rabe, gespielt von Christoph Ulrich, versucht den Winterreisenden dazu zu bewegen, in seine Heimat zurückzukehren. Die Kinder im Konzertsaal des Saarländischen Rundfunks haben ihn dabei unterstützt.
Der Rabe, gespielt von Christoph Ulrich, versucht den Winterreisenden dazu zu bewegen, in seine Heimat zurückzukehren. Die Kinder im Konzertsaal des Saarländischen Rundfunks haben ihn dabei unterstützt. FOTO: Mechthild Schneider
Saarbrücken. 30 Schulen haben sich an dem Projekt beteiligt und die Aufführung im Unterricht vorbereitet. Von Oliver Sandmeyer

Ungeduldig tummeln sich am Donnerstag die circa 290 Grundschüler und ihre Lehrer vor dem Eingang zum Großen Konzertsaal des Saarländischen Rundfunks, um „Die Winterreise für Kinder“ mitzuerleben. Sie rufen, rennen und sind vor allen Dingen eines: gespannt. Als endlich der Einlass in den stimmungsvoll abgedunkelten Saal erfolgt, werden aus lauten ganz ruhige und konzentrierte Kinder, die erwartungsvoll auf die Bühne blicken.



Dort nimmt gerade eine ganze Rabenschar Platz: Die Streichmusiker des Orchesters Deutsche Radiophilharmonie „Laterna Musica“ sorgen heute für den musikalischen Teil der Aufführung. Dabei tragen alle eine Kopfbedeckung, an der ein ordentlicher Rabenschnabel befestigt ist. Gezeigt wird eine überarbeitete Fassung von Franz Schuberts Liederzyklus „Winterreise“, zu deren Liedern ein kindgerechtes, aber auch nachdenklich stimmendes Musikspiel entwickelt wurde.

Das Besondere dabei: Die Kinder werden heute nicht bloß Zuschauer sein – sie werden den Auftritt auch aktiv mitgestalten. Anne Dunkel, PR-Frau beim SR, erklärt: „Die Vorbereitungen für dieses Projekt – an dem 30 Schulen teilnehmen – laufen seit letztem November. Vom Landesinstitut für Pädagogik und Medien wurden die Lehrer didaktisch geschult, denn die insgesamt 1600 Schüler wirken richtiggehend an der Aufführung mit.“ In den Klassen wurden dann die „Winterreise“-Lieder besprochen; die Kinder malten Bilder zu den einzelnen Liedern.Diese Bilder tauchen dann auch teilweise in der Inszenierung auf: Sie werden als zu den Liedern und der Handlung korrespondierende Elemente oberhalb der Bühne projiziert.

Die Handlung um den Winterreisenden, gespielt von Bariton Matthias Horn, der von Liebeskummer getrieben durch eine kalte Landschaft stapft, ist übersichtlich: Während der Trauernde seine Situation reflektiert, niedergeschlagen ist, aber auch Hoffnung verspürt, vergisst er dabei in die Stadt zurückzukehren. Dazu will ihn aber ein ihn begleitender Rabe bringen. Das von Christoph Ullrich im schwarzen Raben-Outfit gespielte freche und gewitzte Tier – ein lustiger Gegenpol zum Winterreisenden – will genau das, denn der Hunger treibt es zurück in die Zivilisation.

Die Kinder bleiben die ganze Zeit über eingebunden: Sie klatschen, geben wie beim Kasperltheater unisono Antworten auf von der Bühne herunter gestellte Fragen. Bei anderen Gelegenheiten stehen sie mit im Mittelpunkt: Gemeinsam mit Horn singen sie „Am Brunnen vor dem Tore“, tanzen in einer eingeübten Choreografie um diesen herum oder versuchen den Winterreisenden wieder zur Heimkehr zu bewegen – leider ohne Erfolg. Dies schafft aber der Leiermann aus dem gleichnamigen Schubert-Lied, was vor allem den Raben freut: „Wir haben es geschafft, danke Kinder!“