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Französische Woche
Spuren Europas in der Saar-Geschichte

Veranstaltungsort ist der Pingusson-Bau in Saarbrücken, das Gebäude der ehemaligen Französischen Botschaft. Zuletzt war dort das Ministerium für Bildung und Kultur untergebracht.
Veranstaltungsort ist der Pingusson-Bau in Saarbrücken, das Gebäude der ehemaligen Französischen Botschaft. Zuletzt war dort das Ministerium für Bildung und Kultur untergebracht. FOTO: heiko lukas / ¬© heiko lukas
Saarbrücken. Im Fokus der neuen Ringvorlesung stehen die Wiederaufbaujahre nach 1945.

„Erinnerung und Aufbruch. Das europäische Kulturerbe im Saarland nach 1945“ lautet der Titel einer öffentlichen Vortragsreihe, die das Kunsthistorische Institut der Universität des Saarlandes im kommenden Sommersemester anbietet. Die Vorträge, die ein breites kulturhistorisches Panorama der Wiederaufbaujahre entwerfen sollen, finden an acht Mittwochsterminen um 18 Uhr im Pingusson-Bau in Saarbrücken statt (Gebäude der ehemaligen Französischen Botschaft in Saarbrücken, Hohenzollernstraße 60/Keplerstraße 21). Die Reihe startet am Mittwoch, 18. April mit einem Vortrag von Lil Helle Thomas über „Erinnern an die Aufbruchsjahre. Der gebaute Europagedanke der Universität des Saarlandes“. Zur Veranstaltungsreihe gehört auch der Dokumentarfilm „Der eiserne Schatz – Eine Geschichte der Völklinger Hütte“, der am 23. Mai, um 19.30 Uhr im Kino achteinhalb gezeigt wird.


Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde im Saarland unter der französischen Militärregierung ein Masterplan für den Wiederaufbau erarbeitet. Kern des Projektes war der Neubau der kriegszerstörten Städte Saarbrücken, Saarlouis und Neunkirchen nach Entwürfen von französischen Architekten. In Überwindung von Ressentiments arbeitete die französische Besatzung auf die Versöhnung beider Nationen und den Aufbruch in ein neues Europa hin. Gleichwohl erregten die funktionalistischen Stadtbauentwürfe den Unmut der lokalen Behörden; zum einen, weil sie nicht auf die unmittelbare Notlage der Bevölkerung reagierten, zum anderen, weil ihrer einseitig zukunftsgerichteten Modernität keine Erinnerung eingeschrieben war.

Über die Stadtbauprojekte hinausgehend, ist es das Ziel der Ringvorlesung ein breites kulturhistorisches Panorama der Wiederaufbaujahre zu entwerfen. Dabei bezieht sie die Rolle der kulturtragenden lokalen Institutionen mit ein: beispielsweise das Centre des Métiers d‘Art, das später in die Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBK) überging, die Moderne Galerie des Saarlandmuseums, deren Sammlungsschwerpunkt klassische Moderne und Neo-Avantgarde verband, sowie die deutsch-französische Universitätsgründung im Saarbrücker Stadtwald, deren nach wie vor aktuellem Europa-Gedanken sich die Ringvorlesung verpflichtet fühlt.

Die Vorlesungsreihe will deutlich machen, dass sich der Umgang mit Kulturerbe stets an der prekären Schnittstelle von Erinnern und Vergessen bewegt: Einerseits bedarf es der Kraft des Vergessens, um Platz für einen Neuanfang zu schaffen. Andererseits heißt Erinnern Auswählen, Unterscheiden, Sich-in-Beziehung-setzen und Sinn stiften. Das Kulturerbe des 20. Jahrhunderts erinnert in Europa nicht zuletzt an verheerende Kriege und Katastrophen.

Es kann die Gegenwart lehren, dass sie die Bindung an die Vergangenheit immer wieder aufnehmen wie zugleich von sich abstreifen muss. Die Beschäftigung mit dem Kulturerbe ist deshalb weit mehr als eine Beschäftigung mit ästhetischen Fragen. Sie rührt am politischen Fundament Europas, an dessen inneren Grenzlinien und -öffnungen sich Geschichte und Gegenwart des Saarlandes entlang bewegen.
Die Veranstaltung findet in Kooperation zwischen dem Kunsthistorischen Institut der Universität des Saarlandes mit dem Ministerium für Bildung und Kultur des Saarlandes, dem Frankreichzentrum und dem Kino achteinhalb statt. Der Eintritt zu allen Vorträgen ist frei.



Weitere Informationen zu den Vorträgen gibt es online oder bei  Salvatore Pisani, Vertretungsprofessur und Leiter des Instituts für Kunstgeschichte Universität des Saarlandes, unter Tel. (0681) 3 02 33 17 oder per E-Mail an s.pisani@mx.uni-saarland.de.