sonja Ruf und ihr Kinderbuch im Theater im Viertel

Lesung : „Mallows oder Katzengrütze“: ganz schön lebendig

Bob Ziegenbalg las das Kinderbuch der Saarbrücker Autorin Sonja Ruf im Theater im Viertel. Ein Theaterstück ist geplant.

Sonntagabend, kurz vor fünf: Autorin Sonja Ruf steht vorm Eingang des Theaters im Viertel, begrüßt Menschen, wechselt ein paar Worte. Gleich wird hier aus ihrem neuesten Buch „Mallows oder Katzengrütze“, einem Roman für Kinder, gelesen. Ruf ist gespannt, aber nicht aufgeregt. Lesen wird nämlich nicht sie selbst, sondern Bob Ziegenbalg, Schauspieler und künstlerischer Leiter des Theaters Überzwerg. Was Ziegenbalg aus ihrem Roman gemacht hat, welche Szenen er für die szenische Lesung ausgewählt hat, weiß auch Ruf nicht. Auch für sie ist es also eine echte Premiere.

„Die Sommerferien fingen damit an, dass die Ferien gestrichen wurden“, legt Bob Ziegenbalg los. Denn als die Zwillinge Chelsea und Jordan am letzten Schultag nachhause kommen, finden sie statt ihrer Mutter Meike nur einen Brief. „Liebe Chelsea, lieber Jordan, wir fliegen nicht zur Oma. […] Ich hab wieder Arbeit! In der Südsee! Ihr müsst eine Woche ohne mich zurechtkommen, aber dafür bring ich mächtig Geld mit“, liest Ilka Hufschmidt in der Rolle der Mutter. Neben ihr hat Bob Ziegenbalg zwei Mitglieder des Jugendclubs am Theater Überzwerg zur Unterstützung mitgebracht. Merrit Preiß und Paul Bickle lesen die Rollen von Chelsea und Jordan.

Doch Meike, Bergbau-Ingeneurin mit Sprengberechtigung von Beruf, ist gar nicht in der Südsee, sondern in den Kasematten der Heimatstadt Gotha, wo ihre Kinder sie schließlich aufspüren. Im Auftrag des ominösen „Scheffes“ soll sie dort mit einer Gruppe liebenswerter Kleinkrimineller unter der Erde bis zum Schloss Friedenstein vordringen, um den Schatz von Hänsel Tausendschön zu bergen. Soweit der Plan.

Aber wie so oft im Leben, kommt es anders als man denkt: Denn genauso wenig wie Meike in der Südsee ist, geht es bei diesem Plan um einen Schatz. Auf dem Weg zur Auflösung nimmt diese spannende, witzige und ehrliche Geschichte mehr als eine Wendung, auch als Erwachsener lässt es sich da mitfiebern.

Nach vielen Romane für Erwachsene, schreibt Sonja Ruf zum ersten Mal seit ihrem allersten Buch, einem Jugendsachbuch, wieder für Kinder. Einerseits hängt das damit zusammen, dass „Mallows oder Katzengrütze“ in ihrer Rolle als Stadtschreiberin in Gotha entstanden ist, wo ein Kinderbuch verlangt wurde. Gleichzeitig verarbeitet Ruf hier aber auch die vielen Eindrücke, die sie als Erzieherin an einer Ganztagsgrundschule sammelt, „ich weiß, wie Kinder ticken“, sagt sie in einem Vorgespräch.

Jordan und Chelsea haben reale Vorbilder. Die freche Sprache der Kinder, die Schimpfwörter, das „Pimmeln“ – jemand von hinten die Kapuze über den Kopf ziehen – hat Sonja Ruf sich auf dem Schulhof „abgelauscht“, wie sie sagt. Das Ergebnis: Eine bis zum Ende spannende und ungewöhnliche Geschichte, herrlich erfrischend erzählt.

Von vornherein sei sie mit einem „ganz anderen Anspruch“ an „Mallows oder Katzengrütze“ herangetreten als an ihre Romane für Erwachsene: „Lebendig, dialogreich, ein Vorlesebuch“, sollte es sein. Dass ihr das gelungen ist, zeigt die Lesung im TiV: Statt monotonem Vorgelese erwachen hier Dialoge und Szenen zum Leben, ausgesprochen haben Chelseas und Jordans pfiffig-freche Antworten noch mehr Witz.

„Mallows oder Katzengrütze“ scheint also mehr als gut auf der Bühne zu funktionieren, auch Sonja Ruf ist mit dem Ergebnis „sehr zufrieden“. Ein gutes Zeichen. Denn die Lesung im TiV war so etwas wie eine Generalprobe, ein erstes Vorfühlen in Richtung Theaterfassung des Buches – eine Idee, an der Sonja Ruf und Bob Ziegenbalg gemeinsam für das Theater Überzwerg feilen. Wünschenswert wäre das in jedem Falle.

Und bis das beschlossene Sache ist, darf man sich schon einmal auf die Bühnenfassung des Kinderclubs des TiV freuen. Im Sommer werden auch sie „Mallows oder Katzengrütze“ spielen.

Sonja Ruf: „Mallows oder Katzengrütze“. Ab 8 Jahren. Fabulus Verlag. 168 Seiten. 16 Euro.