Saar-Uni : So schwingt die Saarbrücker Mensa

Der Forbacher Tänzer Ali Salmi hat sich die Mensa der Universität des Saarlandes für sein neues Kunstprojekt ausgesucht. Er will das Gebäude nun „betanzen“. Ein ähnliches Projekt hatte er schon in der Mainzerstraße.

Saxonfonklänge schallen durch die Saarbrücker Uni-Mensa. Es ist Nachmittag, gegen vier Uhr. Die Studierenden, die Küchenfrauen und Köche sind schon alle zu Hause. Doch menschenleer ist das Gebäude noch nicht. Oben im Speisesaal, in rund drei Meter Höhe über den Tischen, laufen zwei Männer schwindelfrei über Betonstege, als wären sie Schwebebalken-Artisten. Der eine wickelt sich nun ein herabhängendes Vertikaltuch, wie man es aus dem Zirkus kennt, um den Leib und lässt sich langsam in die Waagerechte sinken. Was ist hier los?

„Bewegungsforschung“ nennt der französische Tänzer und Choreograf Ali Salmi, was er hier zusammen mit seinem indischen Kollegen Senjay Khan betreibt, der sich jetzt wieder am Tuch hochzieht. Auf einer gewöhnlichen Theaterbühne zu tanzen, wäre dem Choreografen Salmi, der ursprünglich Architekt werden wollte, viel zu langweilig. Der in Forbach wohnende Franzose sucht beim Tanzen den Dialog mit architektonisch prägnanten Räumen und Stadtlandschaften. In Saarbrücken hat er vor einiger Zeit schon mal mit seiner Compagnie Osmosis in den Grünphasen von Fußgängerampeln auf der Kreuzung Mainzer- und Paul-Marien-Straße getanzt.

Bei der Videomapping-Show „Rotationen“ betanzte er mit seiner Truppe etwa die Stützpfeiler im Pingusson-Bau und in Völklingen die Stahlträger, Stege und Gerüste des Weltkulturerbes.

Nun also hat der umtriebige Salmi in Saarbrücken ein weiteres Bauwerk entdeckt, das ihn zum Tanz herausfordert: die Mensa der Saar-Uni, die der Architekt Walter Schrempf zusammen mit dem Bildhauer Otto Herbert Hajek als „Gesamtkunstwerk“ schuf und die im nächsten Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert. „Ich kannte sie gar nicht“, sagt Salmi. Doch als der Saarbrücker Kulturwissenschaftler Rainer Hartz ihm vom Hajek-Schrempf-Bau erzählte, sei er sofort neugierig geworden. „Und als ich sie im Frühjahr zum ersten Mal betrat“, sagt Salmi, „war es Liebe auf den ersten Blick.“ Da war er gerade erst aus Indien zurückgekehrt, wo man ihn eingeladen hatte, in Gebäuden in der Le-Corbusier-Stadt Chandigarh zu choreografieren. Die Mensa, findet er, steht in ihrer Wirkung den Le-Corbusier-Bauten, die zum Weltkulturerbe gehören, in nichts nach. Der riesige Speisesaal mit seinen großen farbigen Betonreliefs von Hajek habe ihn regelrecht überwältigt, sagt Salmi.

Die Reliefs mit ihrer Abfolge von wiederkehrenden Motiven wirkten unglaublich dynamisch, zugleich massiv und leicht, meint der Choreograf. „Alles hier ist in Schwingung, alles lädt einen ein, sich zu bewegen.“ Mit Erlaubnis und Unterstützung des Studentenwerks hat sich Salmi zusammen mit seinem Team vorerst für zwei Tage im Speisesaal eingerichtet, um die choreografischen Möglichkeiten auszutesten. Während er und sein indischer Kollege die herunter ragenden Betonreliefs erklimmen, spielen die Jazz-Studenten Olaf Theis und Leo Baureis von der Hochschule für Musik Saar dazu eigene Kompositionen auf Baritonsaxofonen.

Projekt-Organisator Rainer Hartz dokumentiert die Proben mit der Kamera. Um aus den ersten Mustern zum Jubiläumsjahr der Mensa ein großes Tanzstück zu entwickeln, werde man noch einmal rund 20 Probentage am Stück hier arbeiten müssen, schätzt Salmi. Was sie noch brauchen, sind Sponsoren, um das Gesamtprojekt zu finanzieren.

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