| 20:16 Uhr

Frauendiskussion
Sieben Frauen, eine Geschichte?

Christine Thull und Karina Hartwahn von der Agentur „Projekt Piñata“ und Heike Mißler von der Saar Uni in der Diskussionsrunde im Garelly-Haus. Ein großer Punkt des Abends: Diskriminierung.
Christine Thull und Karina Hartwahn von der Agentur „Projekt Piñata“ und Heike Mißler von der Saar Uni in der Diskussionsrunde im Garelly-Haus. Ein großer Punkt des Abends: Diskriminierung. FOTO: Nina Drokur
Saarbrücken. Dass man sich auch als erfolgreiche Frau noch einiges bieten lassen muss, wurde in der Diskussionsrunde im Garelly-Haus deutlich. Von Nina Drokur

Heiß diskutiert haben sieben Frauen am Donnerstagabend im Garelly-Haus in Saarbrücken. Heiß diskutiert? Kann man das schreiben, oder ist das sexistisch? Obgleich die Frage, wo Sexismus anfängt, Thema in der Frauendiskussionsrunde war, so streng waren die Damen aus Kultur- und Kreativwirtschaft dann doch nicht.


Als Teilnehmerinnen mit dabei waren: Karina Hartwahn und Christine Thull (beide vom Projekt Piñata – Agentur in Text und Bild), Cornelie Kunkat vom Deutschen Kulturrat, Kunststudentin Darja Linder (Haifischblut-Collective), Heike Mißler von der Saar-Uni, Bundestagsabgeordnete Josephine Ortleb (SPD) sowie Schauspielerin Edda Petri.

Zu Beginn lieferte Mechthild Kartes von der Netzwerkstelle Frauen im Beruf (FiB) harte Fakten: Die Frauenerwerbslage im Saarland ist unterdurchschnittlich. Die Zahl der Existenzgründungen von Frauen geht nicht nur im Saarland, sondern deutschlandweit weiter zurück. Ein guter Ansatzpunkt für die Frauenrunde – jede einzelne ein Vorbild in Sachen Erfolg, Karriere und Engagement.

Ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen, die geringe Anzahl von Frauen in Führungspositionen, trotz guter Qualifikationen, außerdem Erfahrungen, die die Teilnehmerinnen selbst in der Kreativbranche gemacht haben, waren Themen an diesem Abend. Christine Thull und Karina Hartwahn von der Agentur „Projekt Piñata“ haben sich kennengelernt und nur eine Woche später beschlossen, zusammenzuarbeiten. Vier Jahre ist das jetzt her.

Seitdem beraten sie Unternehmen in Sachen Social-Media. Dass sie, wenn sie zu einer Firma kommen, oft als „die Mädels von Piñata“ bezeichnet werden, gerne auch mit dem Zusatz „Die machen irgendwas mit Instagram“, damit haben sie ein Problem „Wir begrüßen ja auch nicht die Senioren von Firma XY“. Die beiden wissen, was sie können, welche Fähigkeiten und Qualifikationen sie haben. Und darüber möchten sie definiert werden: „Ich will nicht aufhören, rosa Kleidchen zu tragen, um ernstgenommen zu werden“, sagte Karina Hartwahn deutlich.



Dass man als Frau nicht immer ernstgenommen wird, davon erzählte auch Schauspielerin Edda Petri. „Es gab kein Theater, wo ‚Metoo‘ kein Thema war“, sagte sie. Ein Punkt, in dem sich viele der Frauen wiederfanden und der schnell zum Mittelpunkt des Themenabends wurde. Jeder hatte eine Geschichte, eine negative Erfahrung zu erzählen. Sei es das, so scheint es, fast schon obligatorische „Schätzchen“ oder „Fräulein“ in der Kneipe oder der ewig diskutierte Kampf um geschlechtsneutrale Sprache.

Bei den ganzen Schilderungen, hat für Zuschauerin Julia Pierzina ein entscheidender Faktor gefehlt: die Erfolgsgeschichten. Schließlich saßen in der Runde eine Frau aus dem Bundestag, eine erfolgreiche Schauspielerin, mehrere Doktortitel. Pierzina hatte sich gewünscht, mehr über ihre Erfolge zu hören. Stattdessen so sagte sie, wisse sie jetzt nur von weiteren Frauen, die Diskriminierung erfahren haben. „Wir müssen zunehmend erzählen, was alles klappt. Uns gegenseitig hochziehen“, findet auch Julia Hartnik.

Ob es also eine Fortsetzung geben wird? Moderatorin Svenja Burmann war nicht abgeneigt. Es könnte sich lohnen, denn der Saal war voll. Voll von Frauen wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: von Stöckelschuh bis barfuß, von Hippi-Hose bis Boyfriend-Jeans, Erzieherin wie Diplom-Ingenieurin. Eines suchte man jedoch fast vergebens: Männer.

Erik Heit war eine Ausnahme. „Ich zähle aber nicht, meine Freundin ist eine der Speakerinnen“, sagte der Student der Hochschule der Bildenden Künste. Warum so wenige „Geschlechtsgenossen“ zu der Veranstaltung gekommen waren, konnte er sich erst mal nicht erklären. Er habe das Gefühl, dass sich mehr Leute denn je des Themas bewusst sind, dennoch sei es überraschend, wie wenige Männer zu solchen Veranstaltungen kommen.