Sie war bei Familie Heinz Becker die Jessica: Anja Beckert/Clementi kommt aufs Theaterschiff

Anja Clementi spielt Piaf : Saarbrücker Mädchen kommt aus Salzburg

„Wenn ich ins Saarland komme, habe ich immer das Gefühl, hier spielt das wirkliche Leben“, sagt Anja Clementi über ihre alte Heimat.

Sie war Jessica, die Tochter vom Maier Kurt, in der Serie „Familie Heinz Becker“. Im Kinderchor des Saarländischen Staatstheaters machte sie ihre ersten künstlerischen Schritte. Seit vielen Jahren lebt Anja Clementi, in Saarbrücken als Anja Beckert geboren, als Künstlerin in Salzburg. Für ein Gastspiel kommt sie am 8. März aufs Saarbrücker Theaterschiff. Da hatten wir vorher ein paar Fragen an sie.

Liebe Frau Clementi, Sie sind ja ein waschechtes Saarbrücker Mädchen, hatten sogar in dem Glanzstück saarländischer Identitäts-Comedy, der „Familie Heinz Becker“, eine feste Rolle. Aber dem Saarland sind sie schon sehr lange fern. Wie kommt es, dass wir Sie nach vielen Jahren hier mal wieder live erleben können?

Anja Clementi (links) spielt und singt Edith Piaf, ihre Kollegin Christiane Warnecke gibt die blonde Marlene Dietrich. Die Produktion des Salzburger Off-Theaters läuft dort seit einem Jahr mit großem Erfolg. Im März kommt sie zum Gastspiel nach Saarbrücken. Foto: Clementi

 Anja Clementi: Eine Freundin meiner Mutter hatte das Stück „Vergiss nie, dass ich dich liebe“ in Salzburg gesehen und war so begeistert, dass sie es zu ihrem 70. Geburtstag eingekauft hat. Sie hat auch das Theaterschiff als Aufführungsort gemietet. Diesen glücklichen Umstand haben wir ausgenutzt und gleich noch eine zweite, frei verkaufte Vorstellung drangehängt, und ich freue mich wahnsinnig, nach so langer Zeit mal wieder im Saarland auftreten zu können.

Sie haben das Stück mit Kollegen selbst entwickelt. Es erzählt von der Freundschaft zwischen Edith Piaf und Marlene Dietrich. Ich muss gestehen, dass ich bisher gar nicht wusste, wie eng die Bindung zwischen diesen beiden Ikonen war. Es ist ja sogar von Liebe die Rede. Wie sind Sie an das Thema geraten?

 Anja Clementi: Da sind Sie nicht alleine, viele wissen nicht, dass sich Piaf und Dietrich kannten, und schon gar nicht, dass sie eine so enge Freundschaft verband. Ich hatte schon lange vor, ein Programm über Edith Piaf zu machen – als gebürtige Saarländerin und ausgebildete Musicaldarstellerin bietet sich das ja irgendwie an. Ihre Lieder liegen mir gut in der Stimme und außerdem bin ich ihr vom Typ her ähnlich. Ich habe dann mit Christiane Warnecke in einem Stück im Off-Theater Salzburg zusammen gespielt. Sie singt ebenfalls und ist ein „Dietrich-Typ“, groß und blond. Ich hatte zu der Zeit gerade ein Stück über Piaf/Dietrich gelesen, das ich aber nicht besonders gut fand. So haben wir uns entschieden, gemeinsam mit meinem Kollegen Alex Linse selbst ein Stück zu entwickeln.

Sie leben schon sehr lange mit Ihrer Familie in Salzburg, betreiben dort das Off-Theater. Wie fühlt man sich als Exil-Saarländerin in Österreich?

 Anja Clementi:  Ich muss gestehen, dass ich mich in Österreich, oder sagen wir in Salzburg nicht wirklich heimisch fühle. Salzburg ist zwar wunderschön, aber mit der Mentalität vieler Salzburger – man möge es mir verzeihen – komme ich bis heute nicht zurecht. Salzburg ist eine weltbekannte Stadt, aber letztendlich doch kleiner als Saarbrücken. Es herrscht also ein gewisser Kleingeist, der auf ein internationales Parkett geschmissen wird. Wenn ich ins Saarland komme, habe ich immer das Gefühl, hier spielt das wirkliche Leben, und Salzburg ist nur eine mit Zuckerguss übergossene Filmkulisse. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich habe viele Freunde in Salzburg, aber ich stelle immer wieder fest, dass die meisten „Zuagroaste“ sind. Nun, meine Kinder sind alle drei in Salzburg geboren, ich sollte also vielleicht nicht zu hart in meinem Urteil sein. . .

Macht sich der politische Rechtsruck in Österreich auch in Ihrem alltäglichen Leben als Künstlerin und als Familie bemerkbar?

Anja Clementi:  Ja, leider. Ich persönlich finde es mehr als bedenklich, was sich zurzeit in Österreich abspielt. Die Aussagen des österreichischen Innenministers Kickl zur Pressefreiheit und über die Rechtsprechung („Das Recht hat der Politik zu folgen und nicht die Politik dem Recht“) haben für mich nichts mehr mit einem freien Rechtstaat zu tun.  Unter den Künstlern erlebe ich eine Stimmung zwischen Angst und Wut, speziell in der freien Szene. Als Familie werden wir jetzt sehen, was passiert. 2019 tritt eine neu beschlossene Kindergeldregelung in Kraft, nach der besser verdienende Familien bis zu viermal mehr Kindergeld bekommen als Klein- und Mittelverdiener, zu denen die meisten Künstler ja zählen. Soviel dazu, dass die FPÖ angeblich die „Partei des Kleinen Mannes“ ist.

Können Sie  eigentlich noch  Saarbrücker Platt?

Anja Clementi: Ei Joo!

Das Gastspiel des Off-Theaters Salzburg, „Vergiss nie, dass ich dich liebe!“, findet am Freitag 8. März, 20 Uhr, auf dem Theaterschiff Maria-Helena (Liegeplatz an der Alten Brücke) statt. Karten zu 10/8 Euro:  www.theaterschiff-maria-helena.com oder (06 81)  6 58 17.

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