Serie Menschen im Regionalverband : Die gute Seele der Klassenzimmer

Hausmeister Andreas Kratz sorgt für Ordnung an der Grundschule Ost und der Kita Bruchwiese – auch in den Ferien.

Ein Erdmännchen grüßt auf dem Schild von Saal 101. Andreas Kratz sperrt die Tür auf. Es ist sein erster Arbeitstag im neuen Jahr, im Schulflur leuchtet noch der Tannenbaum. Über die Feiertage hatte Kratz Urlaub. Es ist Donnerstagmorgen, noch vor 8 Uhr. Er betritt den Saal. Am hinteren Ende der Klasse schmückt die gelbe Wand ein Gemälde eines Erdmännchens in einer Savanne. Kratz kontrolliert den Saal. Tatsächlich ist eins der Fenster nicht richtig geschlossen. Er steigt auf einen Stuhl und schließt es.

Andreas Kratz ist einer von 51 Hausmeistern, die beim „GMS“, dem Gebäudemangementbetrieb der Landeshauptstadt Saarbrücken, angestellt sind. Er ist zuständig für die Grundschule Ost und die Kindertagesstätte Bruchwiese. Die Kita ist bereits wieder geöffnet, die Schüler der Erdmännchen-Klasse und ihre Mitschüler werden erst am Montag wieder zur Grundschule Ost zurückkehren. Das Schulgebäude blieb trotz Ferien aber nicht unbewacht – die tägliche Kontrolle der Schule übernahm eine Vertretung für Andreas Kratz. Bis die Schule aber wieder geöffnet wird, gibt es für Kratz noch ein paar Dinge zu erledigen. Jeden Morgen muss der 55-Jährige zunächst alles kontrollieren: Ob es keine Defekte gibt am Gebäude und ob keine Unfallgefahr besteht, etwa durch Glasscherben auf dem Schulhof. Das ist jede Menge Arbeit, denn die alte Schule ist „sehr großzügig gebaut“, wie Kratz sagt. Ganze 6650 Quadratmeter Nutzfläche hat das Gebäude.

Bei seinem Kontrollgang über den Schulhof entdeckt er eine Bank, die nicht mehr an ihrem üblichen Platz steht. Jemand hat sie unter einen überdachten Gang gestellt, wo sie vor Wind und Wetter geschützt ist, darauf stehen Becher und Dosen. Er schleppt sie zurück an ihren Platz. Kleinere Reparaturen stehen noch an, die großen Reparaturen finden eher in den längeren Sommerferien statt. Eine wichtige Aufgabe, die er vor Montag noch erledigen muss: Er muss jeden Wasserhahn in der Schule zwei Minuten lang aufdrehen. Da sich im stehenden Wasser in den Leitungen Keime bilden können, muss das Wasser rausgespült werden. Keine schnell zu erledigende Aufgabe in einem so großen Gebäude.

Als 1992 eine Stelle als Hausmeister intern ausgeschrieben wurde, bewarb sich Andreas Kratz darauf. Er hatte davor bei der Stadt Saarbrücken eine Ausbildung als Maurer gemacht. Doch auch da hatte er schon eine abgeschlossene Lehre als Schreiner im Gepäck. Das Beherrschen mindestens eines Handwerks ist schließlich Pflicht für einen Hausmeister, denn kleinere Reparaturen muss er selbst ausführen. Die „Hausmeister-Fackel“ wurde ihm damals quasi weitergereicht, er kannte den alten Hausmeister der Grundschule am Ordensgut in Saarbrücken persönlich. Dieser riet ihm zum Beruf des Hausmeisters, Kratz bekam die Stelle schließlich. 27 Jahre später bereut er seine Entscheidung nicht. Sein Job biete jeden Tag was Neues, erzählt er. Und ganz wie früher ist der Job nicht mehr. Die Digitalisierung macht auch nicht vor den Schulgebäuden halt: Störungsmeldungen, etwa bei einem Defekt im Gebäude, werden neuerdings elektronisch weitergegeben. So muss er sich immer wieder in neue Dinge einarbeiten, immer steht etwas anderes an. Zum Beispiel die Brandmeldeanlage, die direkt mit der Feuerwehr verbunden ist, und bei Bedarf deaktiviert werden muss.

Neben den ganzen Pflichten gibt es ja natürlich auch noch das Wichtigste in der Schule: die Schüler und Schülerinnen. Als Hausmeister hat er durchaus Kontakt zu den Kindern, besonders bei den jüngeren Schülern ist der Mann mit den vielen Aufgaben beliebt. Am Jahresende, wenn die Viertklässler die Schule verlassen, überreichen sie Kratz immer kleine Geschenke und Karten, selbst gebastelt natürlich. „Bei den Kleinen geht das noch, für die älteren Schüler auf weiterführenden Schulen ist man als Hausmeister ja eher mal der Buhmann, wenn man sie bei etwas stört“, sagt er und lacht. Besonders schön sei es aber, wenn ihn ehemalige Schüler noch Jahre nach Verlassen der Schule auf der Straße erkennen und grüßen. „Dann weiß man, dass man nicht allzu viel falsch gemacht haben kann“, sagt er.