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Serie Behindertenbeauftragte im Regionalverband
Experte fordert mehr Heimplätze für Autisten

Stefan Fecht im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung.
Stefan Fecht im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung. FOTO: Tobias Ebelshäuser
Saarbrücken. Stefan Fecht kümmert sich in Saarbrücken um die Belange von Behinderten. Barrierefreiheit ist ihm wichtig. Von Lukas Behr

Das Wartezimmer ist voll. Zum Teil muss man zwei bis drei Stunden in einem Raum mit fremden Menschen ausharren. Diese Situation ist besonders anstrengend für Menschen mit Autismus. „Autisten meiden ja eher Menschen“, sagt Stefan Fecht, „das ist schon schweißtreibend.“ Der 60-Jährige ist Behindertenbeauftragter des Bezirks West in Saarbrücken. Seine Tochter Sarah leidet an frühkindlichem Autismus. Obwohl der Beauftragte das Personal in Krankenhäusern vorab über die Krankheit seiner Tochter informiere, müsse die 28-Jährige meist stundenlang im Wartezimmer sitzen. Erschwerend komme hinzu, dass Menschen die unter frühkindlichem Autismus leiden, Probleme haben zu kommunizieren. „Ich setze mich speziell für Menschen ein, die sich nicht mitteilen können“, betont Fecht.


Seit September 2016 arbeitet der pensionierte Elektriker als Behindertenbeauftragter. Er selbst ist anerkannt schwerbehindert. Seit einem Arbeitsunfall im Jahre 1995 leide er unter verschiedenen Beschwerden, hauptsächlich aber unter Arthrose in allen Gelenken. Die Situation seiner Tochter sei für den Beauftragten maßgeblicher Auslöser für sein ehrenamtliches Engagement gewesen. Jahrzehntelang kümmerte er sich zusammen mit seiner Frau um seine Tochter. „Wir haben 25 Jahre lang nicht am normalen Leben teilgenommen“, so Fecht. Nachdem seine Tochter einen Platz im „Wohnen Autismus Saar“ in Heusweiler bekam, fand er Zeit, sich für die Belange von Behinderten einzusetzen.

Fecht kontrolliert öffentliche Plätze auf Barrierefreiheit und sorgt sich um die Behindertenparkplätze. Im Pflegebereich fordere er einen anderen Umgang mit Medikamenten, damit die Verabreichung falscher Arzneimittel nicht mehr vorkomme. Weiter setze er sich für die „gleichgeschlechtliche körperliche Pflege“ für Menschen ein, die sich nicht mitteilen können, ein. Durch sein Engagement habe sich dieses Anliegen in der Betreuung in Heusweiler durchgesetzt.



Dabei sei die Einrichtung in Heusweiler mit 16 Plätzen als einziges spezialisiertes Wohnangebot für Autisten im Saarland völlig unzureichend. Über 100 Menschen leben hierzulande mit dieser Behinderung, und man müsse für sie alle wohnortnah Plätze anbieten, wenn möglich von unterschiedlichen Trägern. Hinzu komme, dass der Pflegebereich unter starkem Personalmangel leide und dadurch das verbleibende Personal immer mehr belastet wird. „Die Leute machen sich kaputt“, sagt Fecht. Aus Zeitmangel müssen Betreuer in in vielen Behinderten- und Senioreneinrichtungen die Bewohner bereits am frühen Abend bettfertig machen. Als Konsequenz setzte er sich mit Saar-Gesundheitsministerin Monika Bachmann in Verbindung. Laut Ministerium ist man sich des Problems bewusst und arbeite daran, aber momentan sei noch nicht viel davon zu spüren, so der Beauftragte. Es sei ein Armutszeugnis was mit behinderten und alten Menschen in unserem reichen Land passiert, sagt er.