Seenot-Rettung made im Saarland: Tobias Hans dankt Polizistin Andrea Thinnes

Kostenpflichtiger Inhalt: Polizei-Aktion : Seenot-Rettung made im Saarland? Danke dafür!

Die Saarbrücker Polizistin Andrea Thinnes sorgte dafür, dass 17 Menschen vor der türkischen Küste überlebten.

Der Blumenstrauß kam am späten Dienstagabend und er hält auf jeden Fall bis zum Geburtstag. Denn morgen wird Polizeihauptkommissarin Andrea Thinnes 43. Ihr Name verbindet sich mit einer Rettungsaktion, mit der die saarländische Polizei bundesweit in den Schlagzeilen landete: „Notruf im Saarland rettet 17 syrischen Flüchtlingen vor der türkischen Küste das Leben“. Genauer gesagt rettete die zügige Reaktion der Saarbrücker Polizei unter der Leitung von Thinnes – sie war an diesem Abend die Polizeiführerin vom Dienst – deren Leben. Nach einem aufgeregten Anruf der in Saarlouis lebenden Syrerin Sena Khouri (34) wurde telefonisch eine Maßnahmenkette in Gang gesetzt, für die zwar ein genauer Ablaufplan hinterlegt ist, die jedoch alles andere als Routine ist (die SZ berichtete). Unter anderem lief die Aktion bis zum Bundesinnenministerium und bis zur deutschen Seenotleitstelle in Bremen.

Ein Fall, wie er bisher noch nie vorgekommen war – und er veranlasste den Ministerpräsidenten zu einer Idee: Einfach mal Danke sagen, nicht in einem formalen Akt, sondern unkompliziert-persönlich. So erschien Tobias Hans (CDU) am 19. November gegen 22.30 Uhr als Überraschungsgast im Lagezentrum. Informiert hatte die Staatskanzlei über diesen Einsatz des Regierungschefs nur den Dienststellenleiter Eric Schweizer, dementsprechend perplex war dessen zehnköpfiges Team. „Während der Nachtschicht sind wir immer unter uns, es gibt keinen Besucherverkehr. Wenn da plötzlich die Tür aufgeht, dann wird’s interessant“, so Thinnes zur SZ. Sie freut sich über die „nicht alltägliche Handlung“ des Regierungschefs: „Für mich und meinen Berufsstand ist das ein schönes Lob“. Das hört sich bei Hans wie folgt an: „In solch’ einer Situation muss man einen kühlen Kopf bewahren, dies hat das gesamte Team der Führungs- und Lagezentrale unter Beweis gestellt. Ich danke allen beteiligten Beamtinnen und Beamten im Namen der gesamten Landesregierung.“

„Die Kollegin hat das hervorragend gemacht“, sagt auch Dienststellen-Chef Schweitzer. Doch was genau? Steuern, nachhören, am Ball bleiben. Denn der Polizeiführer wird selbst nicht aktiv. So nahm am 3. November nicht etwa Thinnes den Notruf entgegen, sondern Kollege Christian Riddering. Der erfragte alle relevanten Fakten, später auch die GPS-Daten des Bootes, das zu kentern drohte. Die türkische Küstenwache wurde dann freilich nicht direkt von Saarbrücken aus aufs Meer geschickt, sondern über die in der Rettungskette vorgesehenen Stellen.

Laut Thinnes gehen sonntagsnachts rund 100 bis 150 Notrufe in der Lagezentrale ein. 90 Prozent davon sind Standardfälle, sagt ihr Chef, die die Beamten ohne Einschalten des Polizeiführers erledigten. Doch bei zehn Prozent sei just dessen Ansage entscheidend. Thinnes sagt, sie habe in 23 Berufsjahren gelernt, Ruhe zu bewahren. Außerdem übernehme jeder im Team gerade in Ausnahmefällen eine bestimmte Rolle, und das habe toll funktioniert. Zweifel an der akuten Notsituation gab es laut Thinnes bei ihr und den Kollegen nicht: „Die Erfahrung befähigt einen, zu erkennen, dass es ernst ist.“ Und dann greife, egal, wo ein Mensch in Not sei, nicht nur die gesetzliche Verpflichtung zur Hilfe, sondern das Berufsethos. Thinnes: „Wir fühlen uns verantwortlich. Es gibt eigentlich nie ein Nein.“ Nach nur etwa 90 Minuten waren deshalb am 3. November Menschen, die über 1000 Kilometer weit entfernt in Todesangst ausharrten, in Sicherheit.

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