Sedlmeir, Schauspiel und mehr auf dem Theaterschiff Maria Helena

Neue Saison : Sie wollen Saarbrücken das Fürchten lehren

Auf dem Theaterschiff Maria-Helena weht ein neuer Wind. Ein neues Team ist an Bord und hat ein üppiges Programm-Paket geschnürt.

Was für eine Truppe! Schon auf den Fluren der Redaktion hört man sie von Weitem kommen. Plaudernd, lachend, voller Energie: Die neue Mannschaft auf dem Theaterschiff Maria-Helena ist überwiegend weiblich und bester Laune. „Kapitän“ Frank Lion wirkt da manchmal fast ein bisschen überrumpelt von soviel fröhlicher Frauen-Power, auch wenn seine Organisations-Chefin Barbara Bruhn ihm mit ruhiger Gelassenheit zur Seite steht.

Aber er hat es ja so gewollt. Die alte, fünfköpfige Compagnie Lion gibt es seit einer Weile nicht mehr. Lion wollte frei sein von festen Strukturen und Rollen. Stattdessen sind nun unter anderem die beiden frisch zugezogenen Damen, Schauspielerin Eva Kammigan und Regisseurin Corinna Preisberg, sozusagen als freie Radikale mit an Bord. Und die stecken voller eigener Pläne, sprudeln über beim Erzählen und fallen ziemlich auf in der alt-ehrwürdigen SZ-Kantine.

Salopp gesagt, wird das Programm auf dem Theaterschiff schwanken zwischen Kindermärchen und blankem Horror. Und manchmal kommt es da sogar zu Schnittmengen.

Corinna Preisberg nämlich startet am 22. Oktober unter dem Titel „Dornröschen 2.0“ ein Theaterprojekt für Kinder und Jugendliche zum Thema Märchen. Aber dabei werden alte Rapunzel-Zöpfe abgeschnitten. Sie stellt sich nämlich die Frage: „Ist es wirklich sinnvoll, den Haushalt für sieben Zwerge zu machen, statt es mit der bösen Stiefmutter aufzunehmen?“

Die Idee zu diesem Projekt entstand im Sommer, als Corinna Preisberg im KuBa-Kulturzentrum einen Theaterworkshop gab und die Teilnehmerinnen dort nach mehr verlangten. Jetzt starten im Oktober zwei Gruppen, Zehn- bis 14-Jährige und 14- bis 18-Jährige, mit der Arbeit – gefördert vom Kultusministerium.

Der blanke Horror kommt dann von Eva Kammigan. Die frisch in Saarbrücken angelandete Schauspielerin, Frau des neuen Chefs der europäischen Kinder- und Jugendbuchmesse, hat nämlich eine Schwäche dafür und schon „seit einigen Jahren ein Programm für einen Gruselabend im Koffer“. Den hat sie mal mit Kollegen im Theater Meiningen aufgeführt. Jetzt will sie die Saarbrücker das Fürchten lehren. „Es gibt so viele Geschichten über unheimliche Gestalten, Knaben im Moor...“.

Mit leuchtenden Augen erzählt sie von alten Vampir-Filmen, und dann spielt sie ihren Auftritt als böse Hexe im Dornröschen nach. Dabei rollt sie die Augen und zeigt ihr bösestes Hä-Hä-Hä-Gelächter – und man versteht sofort, warum sie, wie sie erzählt, damals im Theater öfter die vorderen Sitze kontrolliert hat. „Da wo die Kleinen sitzen, ich wollte wissen, ob die nass sind.“

Die kleinen Theaterfans auf dem Theaterschiff müssen sich aber, vorerst zumindest, nicht vor Eva-Hexe fürchten. Im neuen Stück, das Frank Lion inszeniert, geht es freundlich zu. „Anfall und Ente“ von Sigrid Behrens bringt der Theater-Kapitän auf die Bühne. Mal kein eigenes Stück.

Irgendwie habe ihn die Muse im Sommer nicht geküsst, erzählt er achselzuckend. Und dann stieß er zufällig auf das Stück von Sigrid Behrens und dachte: „Warum soll ich mir einen abbrechen, wenn es so schöne Sachen gibt“. Das Stück für Kinder ab fünf Jahren erzählt von der lieben, stillen Ente und der lauten, abenteuerlustigen Anfall, die sich natürlich anfreunden und so einiges erleben. Die sanfte Ente spielt Viola Altmann, die schon im Frühjahr auf dem Theaterschiff im Theaterstück „Die zweite Prinzessin“ zu sehen war. Eva Kammigan spielt ihre wilde Freundin.

Auch sonst wird es im Theaterschiff ziemlich viel Programm geben. Am 11. Oktober etwa kommt der wunderbare Chansonnier Georg Clementi aus Salzburg. Er gastierte jüngst schon enorm erfolgreich in der St. Arnualer Kettenfabrik, und wer ihn da verpasst hat, sollte unbedingt aufs Theaterschiff.

Sedlmeir lässt sich ebenfalls mal wieder in seiner alten Heimat blicken. Gleich zweimal: am 12. Oktober mit dem Kriminal-Musical „Rache“ und am 25. Oktober im Solo-Konzert.

Noch eine Neuerung gibt es im Schiffs-Programm: Adventslesungen. Jeweils sonntags vor Weihnachten gibt es Besinnliches. Sozusagen als Ergänzung zu den stets völlig überfüllten Advents-Lesungen der Überzwerge, meint Frank Lion.

Für 2020 sind bereits einige konkrete Projekte in Vorbereitung. Die Hochschule für Musik Saar bringt das Stück „Noe/Noah“ aufs Theaterschif. Die Maria-Helena wird in diesem Interreg-Projekt zum schwimmenden Klangkörper und fährt von Saarbrücken nach Trier, Luxemburg und Metz.

Das Theaterschiff Maria-Helena liegt auf der Saar in der Nähe der Alten Brücke, unterhalb des Finanzamtes, und es hat in den nächsten Wochen viel Kultur an Bord. Foto: Lion. Foto: Frank Lion
Corinna Preisberg lädt zum hintersinnigen Märchen-Workshop. Foto: Oliver Dietze
Eva Kammigan steht mehrfach auf der Schiffs-Bühne. Foto: Niklas Vogt

Auch das Staatstheater ist mit einer Kooperation im Boot – mit einem Begleitprogramm zu der zeitgenössischen Oper „Die Passagierin“. „Und natürlich“, sagt Lion, „sind wir auch beim Kulturmeilenfest dabei.“ Das wird es nämlich im nächsten Jahr nach langer Pause wieder geben. Und zwar am 29. August. Man darf neugierig sein, was sich diese muntere Truppe dafür wohl einfallen lassen wird.

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