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Sebastian Seefeld ist Sebastian Woll ist "De Baschdi"

Serie Poetry-Slammer : Dann ging die Rampensau mit ihm durch

Sebastian Wolf hat viele Namen. Aber welchen er auch nutzt: Bei Poetry Slams ist er in seinem Element. Vor allem im Nauwieser Viertel.

Da ist erst mal die Sache mit seinem Namen: Sebastian Woll heißt er eigentlich, Sebastian Seefeldt nennt er sich bei Poetry Slams, wo er aber auch schon als „De Baschdi“ aufgetreten ist. Seefeldt klinge einfach besser als Woll, meint er, und Baschdi nannte er sich nur bei „Heimspielen“ in seinem zweiten Wohnzimmer, dem Café Exodus im Nauwieser Viertel. Dort und mit einem Auftritt in der Reihe „Kunst gegen Bares“ fing Sebastians Slammer-Karriere an. Die erste „richtige“ Poetry-Slam-Teilnahme war 2016 bei einem Hörsaal-Slam an der Uni.

Auslösendes Ereignis zum Werdegang war allerdings ein Youtube-Video von Patrick Salmen, einem mittlerweile erfolgreichen Schriftsteller, als dieser noch als Slam-Poet unterwegs war. „Der hat mich so gepackt, dass ich dachte, so was ist toll, das will ich auch machen“, erzählt Sebastian mit leuchtenden Augen. Letztes Jahr schaffte er es, mit Salmen auf einer Bühne zu stehen – das war ein Highlight für den 26-jährigen. Was ihm noch fehlt, ist, einen Slam zu gewinnen. Doch das macht ihm nicht viel aus, denn: „Mir geht’s nur um die Bühnenpräsenz.“ Irgendwann sei die Rampensau so mit ihm durchgegangen, dass es ihm egaler wurde, wie die Texte ankommen – Hauptsache auf der Bühne stehen. Immerhin: Bei den saarländischen Slam-Meisterschaften wurde Sebastian Zweiter, hinter Johannes Warnke, den er liebevoll „meinen Erzfeind“ nennt.

Den Einstieg in die Slam-Welt wählte Sebastian mit einem witzigen Text über die verschiedenen Übersetzungen der König der Löwen-Ballade „Can You Feel the Love Tonight“. Danach gingen seine Texte „eher in die tiefere Richtung“: um die Identitätskrisen, die man gerade als junger Mann haben kann, oder um das Thema Depression. „Das sind die Kämpfe, die normalerweise nicht offen ausgetragen werden, nur hinter verschlossenen Türen und in einem selbst. Dass die mal ein offenes Ohr und eine Bühne finden“, sagt de Baschdi.

Die ernsteren Texte hätten anfangs Überwindung gekostet, dann habe er sich aber an die eigene Devise gehalten: „Es ist einfach schön, sein Innerstes auf wehrlose Zuhörer zu erbrechen.“

Sebastian ist kein Schreib-Roboter, für einen Text braucht er manchmal ein halbes Jahr. Sein derzeitiger Lieblingstext handelt von einer sehr unordentlichen Wohnung, wobei er betonen möchte, dass das nicht autobiografisch ist. Die Ascheschicht auf dem Balkon fühlt sich schon wie ein Sandstrand an, und am Ende wird er von Ratten unterworfen, die sich in der Wohnung eingenistet haben.

Geboren ist Sebastian in Hessen und zum Teil dort aufgewachsen, in Hadamar im Westerwald, zum Teil aber auch in Wustweiler bei Illingen. Seit 2013 lebt er in Saarbrücken, hat dort auch Wirtschaftsinformatik studiert und arbeitet fest angestellt als Software-Entwickler. Deswegen kommen weite Reisen durch die Republik für ihn nicht infrage. Trier, Mannheim und Bonn sind noch machbar.

In Saarbrücken kann er erst wieder auftreten, wenn er einen neuen Text fertig hat, die anderen hat er hier schon durch. Um aber am Thema dranzubleiben, macht er bei der Vereinigung „Dichterdschungel“ mit und organisiert dort zusammen mit Andrea Maria Fahrenkampf und Lisa Jessen die Poetry Slams in der Camera Zwo. Ihm ist nämlich eines wichtig: „Ich mache es gar nicht hauptsächlich wegen des Rampensau-Arguments, sondern wegen der anderen Slammer. Die Gemeinschaft ist so herzlich, so offen, so respektvoll, dass es, egal wo man ist, Spaß macht.“ Die Leute seien wahnsinnig hilfsbereit, respektvoll und liebevoll miteinander. „Ich habe noch nie eine Gemeinschaft erlebt, wo sich so viel umarmt wird.“