1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Landeshauptstadt

Sebastian Harder trägt trotz Gleichwichtsstörungen den schwarzen Gürtel

Kostenpflichtiger Inhalt: Karate-Kämpfer aus Saarbrücken : Mit Handicap und schwarzem Gürtel

Sebastian Harder ist der erste Sportler mit Behinderung im Saarland, der im Karate so weit gekommen ist. Und er hat noch ganz andere Ziele.

Sebastian Harder ist ein gedrungener Mann, nicht besonders groß, auffällig in seinen Bewegungen. Der 32-Jährige hat eine Sehstörung, die hat Auswirkungen auf seinen Gleichgewichtssinn. Als behinderter Mensch führt er ein selbständiges Leben, wohnt in der Saarbrücker Innenstadt und arbeitet bei der Reha, wo er Werbesendungen verpackt und frankiert.

Wer mit ihm redet, bekommt freundliche Antworten von einem offenherzigen Mann mit einem beachtlichen Geheimnis: Sebastian Harder hat den schwarzen Gürtel des Karate. Er ist der erste behinderte Sportler im Saarland, dem dies gelungen ist, sagt sein Trainer Gottfried Graebner, ein erfahrener Karate-Meister mit dem 7. Dan (Meistergrad) und einer festen Stelle als Arbeitspädagoge bei der Lebenshilfe in Saarwellingen.

Seit 20 Jahren arbeitet er mit Behinderten, beruflich zwar, aber nicht mit Karate. Das bietet er nebenbei an, als Untergruppe des Turnvereins Ludweiler mit einer Karategruppe ausschließlich für behinderte Menschen.

Harder ist von Anbeginn mit dabei, trainiert jede Woche und hat sich durch die Gürtelprüfungen hochgearbeitet. Den Schwarzgurt trägt er mit Stolz, und er weiß, dass ihm die Prüfung nicht geschenkt wurde, denn die Prüfungsinhalte berücksichtigen zwar in der Ausführung die Behinderung des Sportlers, müssen aber komplett erlernt werden. Bei Harder bedeutete das, das er während der Prüfung einen Begleiter hatte. Trotzdem musste er nicht nur vor den Juroren, sondern auch vor geladenen Zuschauern die öffentliche Dan-Prüfung ablegen. „Das war ein ganz besonderer Tag“, sagt er stolz und darf nun, nachdem ihm das gelungen ist, selbst als Ausbilder in der Behindertengruppe andere in Karate unterweisen.

Das nächste Ziel steht auch schon fest, der zweite Meistergrad. Dafür wird er im neu begonnenen Jahr mit Graebner eine intensive Prüfungsvorbereitung beginnen. „Wir werden zu zweit alles studieren, was nötig ist, um die Prüfung zu bestehen“, sagt Graebner, der die Arbeit mit seinen Schützlingen sichtlich liebt.

Es stört ihn nicht, wenn er Sebastian helfen muss, in die Socken zu schlüpfen. Sie lachen sich an, sind Freunde geworden. Im Turnverein Ludweiler wird Karate für Behinderte jeden Montag angeboten. Zwischen 18.30 und 19.30 Uhr gehört die Halle den Menschen mit Handicap. Körperlich und geistig Behinderte machen mit, auch Rollstuhlfahrer seien willkommen, so Graebner.

Auch eine Karategruppe für Parkinson-Patienten gibt es (wir berichteten). Wettkämpfe bestreiten diese Gruppen nicht. „Hier geht es nur um Fitness, Bewegung und Spaß“, heißt es. Und ob es etwas bringt? Sebastian Harder lernte bei Graeber erst einmal Fahrrad fahren. Er konnte vor 20 Jahren nicht auf einem Bein stehen, heute hat er den 1. Dan im Karate.

Der Sport half ihm auch im Alltag. Dort steht er heute auf beiden Beinen – voll im Leben.