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Schweizer produziert in Saarbrücken BBQ-Saucen der Marke Wickadilly.

Ein Schweizer produziert in Saarbrücken BBQ-Saucen : „Es ist der Zucker und es ist der Alkohol“

Ein Schweizer kommt der Liebe wegen ins Saarland. Und er bringt eine Leidenschaft mit, die während seines Aufenthalts in den USA geweckt wurde. Mit Hilfe eines Saarbrücker Netzwerks reift eine Idee daraus.

Man darf sich nicht vor Zucker fürchten. Jedenfalls nicht, wenn man eine gute Sauce zu seinem Gegrillten haben will. Das findet jedenfalls Thomas Wickart. Der Schweizer hat in den USA die Kunst des Barbecue (BBQ) kennengelernt. Die amerikanischen BBQ-Saucen hat er geliebt. Als er dann zurück nach Europa kam und sich hier nach solchen Saucen umgehsehen hat, musste er feststellen: „Alles, was wir hier an echter BBQ-Sauce haben, ist importiert.“

Also hat der Mann, der der Liebe wegen ins Saarland gezogen ist, angefangen, selbst Saucen zu kochen. Erst nur für den Privatgebrauch. Dann hatten er und seine Frau die Idee, die Saucen in edle Flaschen zu füllen und zu weihnachten zu verschenken. Das war 2017. „Es gab ein durchweg positives Feedback“, erinnert sich Thomas Wickart. Und von einem der Beschenkten gab es mehr als nur lobende Worte: Knut Meierfels, ein Netzwerker und Kommunikationsprofi, der in Dudweiler den DudoPark betreibt, ein Zentrum für Menschen mit Ideen, ein Ort, an dem Kreative arbeiten können.

Auch Thomas Wickart kommt aus dieser Branche. Er hilft Gründern und Kleinunternehmern, berät Menschen aus der sogenannten Start-Up-Szene. Ein spannender Job, wie Thomas Wickart findet. „Man sieht Leute, wie sie wachsen mit ihren Ideen. Und manchmal auch, wie sie scheitern“, sagt er. „Ich komme als Berater also aus der Dienstleistungsbranche. Mit Lebensmitteln hatte ich beruflich nie etwas zu tun“, sagt er. Das hat sich dann geändert.

„Knut hat mich gefragt: ,Warum machst du das nicht professionell?“ Und er hat auch schnell den Kontakt zu einem Produzenten hergestellt. Dem hat Thomas Wickart sein Rezept geschickt. „Das wird eh nix“, habe er sich gedacht. Aber nach drei Wochen kam der Anruf: „Komm vorbei zum Probieren!“ Thomas Wickard war mit dem Ergebnis zufrieden. 2018 wurden 300 Flaschen mit seiner BBQ-Soße geliefert. Für ein professionelles Unternehmen reichte das noch nicht, aber es war ein kleiner Versuch.

Die nächsten 300 Flaschen kamen defekt an. „Weil wir nicht wussten, ob Glas in die Sauce gelangt ist, haben wir alles weggeworfen“, erzählt Wickart. Die dritte Lieferung war auch unbrauchbar. Es war in den Flaschen zu einer Gärung gekommen. Da der Produzent industriell arbeitete, wechselte Wickart den Partner. Er ließ seine Sauce vom Burger-Restaurant „Bruder Jakob“ in St. Wendel kochen. Während der Pandemie-Einschränkungen im vergangenen Jahr lief das Geschäft dann gut an. „Die Leute saßen zu Haue, haben zu Hause gegrillt und die Sauce online bestellt“, sagt Wickart. Weil „Bruder Jakob“ handwerklich produziert, waren deren Kapazitäten bald erschöpft, erklärt er.

Aber wie es ein glücklicher Zufall wollte, kochen die Gebrüder Kalinski, die ihre ganz besonderen Wurstbuden am St. Johanner Markt und in Saarlouis haben,  ihre Saucen im Dudopark. Thomas Wickart hat damit neue Partner gewonnen. Und er hat sein Sortiment erweitert. Drei Saucen von leicht süß bis megascharf hat er im Angebot. Gekocht und abgefüllt wird von Hand. Mit dem Anbraten einiger Zutaten dauere es gut drei Stunden, bis 100 Liter Sauce gekocht sind. Wickart, 45 Jahre alt, benutzt weiterhin keine Zusatzstoffe, nur natürliche Produkte. Zwiebeln und Knoblauch verwendet er nur frisch, nicht als Pulver.  Und die sind inzwischen auch alle vegan. Als Ersatz für Butter, die normalerweise in keiner BBQ-Sauce fehlt, nutzt er ein spezielles Rapsöl.

Er ist sich inzwischen sicher, dass er mit amerikanischen Produkten mithalten kann. Das liege am Alkohol und am Zucker in seinen Saucen. Trotz des Whiskys, den er verwendet, bleibt kein Alkohol zurück, nur Geschmack. Ganz wichtig sei aber der Zucker. Der werde in Europa bewusst reduziert. Aber der Zucker sei nun mal  entscheidend. Der Zucker karamellisiert, wenn man das Fleisch in der Sauce mariniert und dann grillt. Auf 100 Liter Wasser kommen bei Wickart 13 Kilogramm brauner Rohrzucker.

„Wickadilly“ hat er seine Firma genannt. „Meine Name musste darin vorkomme, und es musste irgendwie amerikanisch klingen“, erklärt Thomas Wickart. Das englische Wort wickad übersetzt er mit „cool (wie du), schelmisch (wie unsere Ideen), verrückt (wie die Amerikaner), gefährlich (wie unsere Schärfegrade), geil (wie jede einzelne  BBQ Soße)“.

Nun, da er ein Produkt und eine junge Firma hat, kommt Thomas Wickart in die Situation, in der viele der jungen Unternehmen sind, die er berät: Er braucht Hilfe. Konkret: Investoren, die sich daran beteiligen wollen, die Firma bundesweit bekannt zu machen. Und die keine Angst vor Zucker haben.