„Experimentum Quintum“ Schüler bereiten sich auf Klang-Experiment in der Hochschule vor

Saarbrücken · „Experimentum Quintum“ wird während des „Kultstadtfestes“ in Saarbrücken aufgeführt. Studentin erklärte den Schülern die Register der Orgel.

 Orgelstudentin Marie Luise Liebel stellte einer Schülergruppe in der Hochschule für Musik die Register der Orgel vor.

Orgelstudentin Marie Luise Liebel stellte einer Schülergruppe in der Hochschule für Musik die Register der Orgel vor.

Foto: Sebastian Dingler

Die Minimal Music ist vor allem durch den umweltkritischen Film Koyaanisqatsi (1982) und dessen von Philipp Glass geschriebenen Soundtrack bekannt geworden. Wie der Name schon vermuten lässt, verwendet dieser Musikstil kurze Tonfolgen, die oft wiederholt werden. Einen Schritt weiter geht da noch das Stück „Composition 1960 #7“ von La Monte Young, das auf Tonfolgen ganz verzichtet – das ist dann wirklich minimal. Zu Beginn des Stücks werden zwei Tasten einer Orgel im Abstand einer Quinte gedrückt und am Ende wieder losgelassen. Auf Youtube findet man dreistündige Versionen dieses Stücks. Da die Komposition keinerlei Virtuosität verlangt, kann sie von jedermann gespielt werden. Beispielsweise können die Tasten einer Orgel mit Gewichten beschwert oder einfach mit Klebeband nach unten fixiert werden.

So möchten es Schülerinnen und Schüler der Katharine-Weißgerber-Gemeinschaftsschule Klarenthal und der Gemeinschaftsschule Rastbachtal an der Hochschule für Musik (HfM) machen. Lehrerin Anja Urbanek hatte dazu Kontakt mit HfM-Professor Matthias Handschick aufgenommen. Die Aufführung namens „Experimentum Quintum“ soll während des Kultstadtfestes am 16. Juli von 14.30 bis 16.30 Uhr stattfinden.

Um das Stück und das Instrument besser kennenzulernen, versammelten sich eine Schülerin und fünf Schüler kürzlich im Konzertsaal der HfM. Die Studentin für Orgel und Schulmusik, Marie Luise Liebel, erklärte der Schülergruppe die einzelnen Register. Denn eines ist ja klar: Einfach nur die Quinte in einer Klangfarbe zu hören, könnte auf Dauer eintönig werden. Das Young-Stück lebt von der Veränderung des Klangs. Es können währenddessen im wahrsten Sinne alle Register gezogen werden. Das sind übrigens jene weißen Knöpfe, die sich links und rechts der Tastatur einer Orgel befinden. Die Orgel der HfM besitzt drei Manuale und die Pedale. Die Klänge sind mit altertümlichen Bezeichnungen aus dem Beginn des Orgelbaus bezeichnet: „Tremulant“, „Flötgedackt“, „Gemshorn“ oder „Rohrflöte“ gibt es da zum Beispiel. Die Jugendlichen hörten sich diese Klänge einzeln an und notierten Abfolgen, in denen sie ertönen sollten. Sie selbst zogen dann gemäß ihrer Komposition die gewünschten Register.

Handschick setzte außerdem noch den Flügel und eine Melodica ein. Damit wollte er den gesamten Raum in die Komposition einbinden. „Das ist jetzt eine andere Art Musik als jene, die Sie aus dem Radio kennen“, sagte er zu den Jugendlichen. Für die Aufführung ist übrigens noch mehr geplant: Neben der Orgel und dem Flügel sollen das Equipment des Elektronischen Studios der HfM Saar „eSpace“, Schlaginstrumente und Stimmen zum Einsatz kommen. Nach den Vorstellungen des Professors werde sich der Konzertsaal in einen „partizipativen Klangraum“ verwandeln, der zum Experimentieren einlade. Besucher werden also die Veränderung des Klangs mitbestimmen dürfen. Und natürlich ist niemand dazu verpflichtet, die kompletten zwei Stunden anwesend zu sein. Handschick war sich bei dem Treffen mit der Schülergruppe aber sicher, dass es ein abwechslungsreiches Konzert werde. „Manche Klangfarbenveränderungen fand ich total eindrucksvoll, das war fast so wie Licht und Schatten.“

Wieso es all diese verschiedenen Orgelklänge überhaupt gibt, erklärte der Professor mit dem einstigen Mangel an Elektronik. Organistin Liebel ergänzte: „Die Orgel war der erste Synthesizer.“ Das stimme, meinte der Professor, denn „synthetisch“ heiße ja nichts anderes als „zusammengesetzt“. Und die Orgel setze ja Klangfarben zusammen.

Das Experimentum Quintum ist nicht die einzige Aktion der Musikhochschule beim „Kultstadtfest“. So beginnt der 16. Juli mit einem „Klassischen Frühstück“ ab zehn Uhr auf der Rockbühne. Die Fagottklasse der HfM, der E-Gitarrist Juan Pablo González Tobón, La Bande Baroque und das Trio Ikhoor werden Kompositionen von Telemann bis Piazzolla aufführen. In der HfM selbst gestaltet der Studiengang Elementare Musikpädagogik einen Mitmachtag für Kinder und Erwachsene. Um 13 Uhr beginnt dieser mit einer musikalischen Rallye durch die Hochschule. Um 14 Uhr gibt es den Workshop „Circle Singing“, bei dem jeder ohne Vorkenntnisse mitsingen kann. So ähnlich ist das auch beim „Drumcircle“, der um 14.45 Uhr beginnt. Der Workshop „Stomp“ bezieht sich auf die gleichnamige Band, die mit Sperrmüll-Artikeln Musik und Rhythmus erzeugt. Ab 15.30 Uhr können Interessierte das ausprobieren. Um 16.15 Uhr läuft dann der letzte Workshop, „Vocal Percussion“. Hier geht es ums Erzeugen von Rhythmen mit der eigenen Stimme, auch Beatboxing genannt.