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Bretbandausbau
Schnelles Internet bis auf den Bübinger Berg

Regionalverband. Bis Dezember soll Breitband flächendeckend ausgebaut werden. Das Saarland ist auf der Überholspur der deutschen Datenautobahn. Von Nina Drokur

Youtube, Netflix, Mediatheken – das lineare Fernsehen gehört insbesondere für die jüngere Generation der Vergangenheit an. Um die florierenden Streamingdienste nutzen zu können, ist eine stabile und schnelle Internetleitung der Grundstein. Im Vergleich zu anderen Städten steht Saarbrücken nicht schlecht da. Weit über 95 Prozent der Bürger im Saarbrücker Stadtteil St. Johann surfen längst mit 50 bis 100 Mbit/s (siehe Infokasten) – oder hätten zumindest die Möglichkeit dazu. Allerdings gibt es noch Stadtteile, wie etwa Bübingen, die nach wie vor weit abgehängt sind. Dieser Zustand soll und muss sich sogar bis zum Ende dieses Jahres ändern. Denn das Saarland hat sich in einem bundesweiten Projekt dazu verpflichtet, mindestens 85 Prozent der Haushalte den Zugang zu einer Internetleitung von mindestens 50 Mbit/s zu ermöglichen. Das sieht der sogenannte Next-Generation-Acces (NGA) vor. Derzeit führt eGo-Saar als Projektträger den landesweiten Breitbandausbau im Projekt NGA-Netzausbau Saar aus. „Wenn wir dieses Ziel einhalten, steht das Saarland gut da“, sagt Projektleiter Thomas Haböck. „Wir wollen auf Platz 1. Silber muss es auf jeden Fall werden“, sagt Haböck. Und: „Unser Ziel sind 97 und mehr Prozent.“ Mit 50 Mbit/s lassen sich problemlos Filme in HD-Qualität streamen, insbesondere auch dann, wenn mehrere Personen gleichzeitig online sind.


Saarlandweit ging der Zuschlag für den Ausbau an die Netzbetreiber Inexio, Telekom und VSE.net. In Saarbrücken baut hauptsächlich die VSE.net für den NGA. 93 Kilometer Glasfaser wird die VSE allein hier in Saarbrücken verlegen. Die dünnen Fasern ermöglichen eine schnellere Datenübertragung, außerdem sollen die Wege vom Verteilerkasten bis zum Empfänger kürzer werden. Auch das erhöht die Geschwindigkeit. Das bei Bund, Land und Kommunen 2016 beantragte Fördergeld, insgesamt rund 13 Millionen Euro, wurde zwar bewilligt, letztendlich aber nicht benötigt. „Bei den konkreten Planungen und Kalkulationen durch die Netzbetreiber im Jahr 2017 (…) stellte sich heraus, dass der Ausbau ohne öffentliche Mittel erfolgen kann“, sagt Anne Funk, Pressesprecherin der Staatskanzlei, auf SZ-Anfrage. Die eingesparten Landesmittel stehen somit für kommende Ausbauschritte zur Verfügung, heißt es weiter. Möglich wurde dieser zuschussfreie Ausbau unter anderem, weil die Netzbetreiber zum Ausbau sowohl wirtschaftlicher als auch unwirtschaftlicher Gebiete verpflichtet wurden.

Für Halbergs Bezirksbürgermeister Daniel Bollig (CDU) ist Bübingen ein Paradebeispiel: Insbesondere im Wohngebiet auf dem Bübinger Berg hatten Unternehmer beklagt, dass die Internetgeschwindigkeit längst nicht mehr zeitgemäß sei. Gar kein DSL oder Anschlüsse mit lediglich 384 Kbit/s. Ein nicht hinnehmbarer Zustand fand auch der Bürgermeister. Auch weil die großen Häuser und Villen auf dem Berg ohne schnelles Internet de facto unverkäuflich seien, behauptet er. Eine Bürgerbefragung im Jahre 2011 habe ergeben, dass  sich 400 Bübinger für ein schnelles Internet ausgesprochen hätten. Als es aber um konkrete Vertragsabschlüsse ging, berichtet der Bezirksbürgermeister, waren lediglich 20 Bürger bereit, diesen zu unterschreiben. Veränderung habe erst die Breitbandoffensive der Bund­esregierung gebracht.

Dass schnelles Internet eine Bedingung für einen attraktiven Standort ist, dieser Meinung ist auch Carsten Peter, Teamleiter für Verkehr und Digitale Infrastruktur der Industrie und Handelskammer (IHK). Er hält den Ausbau deshalb für sinnvoll, auch wenn er seiner Meinung nach nur eine Etappe ist: „Der Weg geht in die Gigabitgesellschaft.“ Dennoch: Der Ausbau sei nicht nur für Softwareunternehmen interessant, sondern für alle Betriebe. So können etwa Heizungsmonteure über vernetzte Systeme die Heizungen der Kunden steuern. Das Saarland, so Peter, hat noch einige digitale Lücken, und auch bei der IHK liegen Beschwerden und Anfragen von Unternehmen vor. Eine dieser Beschwerden kommt von Markus Zimmermann. Er betreibt ein Marketing-Unternehmen von seinem Zuhause auf dem Bübinger Berg aus. Seine Partner und Kunden sitzen etwa in Frankfurt und Hamburg. Für die Zusammenarbeit über die Distanz ist er auf die elektronische Kommunikation angewiesen. Vor allem wenn er Grafiken sendet, macht sich seine Bandbreite von nur 8 Mbit bemerkbar. Bei Zwischenständen behilft er sich mit kleinen Auflösungen. Das Versenden der Druckdatei könne mehrere Stunden dauern. Videos versenden ausgeschlossen – das würde Tage dauern. Ein Nachteil also für Zimmermann. Seit Jahren wartet er deshalb sehnsüchtig auf eine schnellere Leitung. Gebaut wird schon, bestätigt er. Planmäßig sollten die Arbeiten in den meisten Saarbrücker Stadtteilen mit Ausnahme von Malstatt, Klarenthal, St. Johann und Schafbrücke bereits im vollen Gange sein. Allerdings kann es laut VSE.net wetterbedingt zur Änderungen kommen. Der lang anhaltende Regen hat den Boden in einigen Gebieten für die schweren Maschinen untauglich gemacht, der insgesamt milde Winter jedoch in anderen Gebieten dafür gesorgt, dass es früher losgehen konnte, sagt Michael L’huillier, Pressesprecher der VSE.net. Der Plan sei jedoch, bis Mitte November mit allen Bauarbeiten fertig zu sein. Dann habe man noch Puffer, sollte es doch irgendwo unerwartet zu längeren Verzögerungen kommen, sagt L’huillier. Vertraglich festgelegt ist der 31. Dezember. Dann sollen laut Staatskanzlei 97 Prozent der Haushalte im Saarland mit bis zu 100 Mbit/s surfen.