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Saarbrücker Osthafen: Schmelztiegel für die kreative Szene

Saarbrücker Osthafen : Schmelztiegel für die kreative Szene

Auf dem Areal des Saarbrücker Osthafens soll ein neues kleines Zentrum entstehen. Die Stadt hofft jetzt auf Investoren.

Es kann Jahrzehnte dauern, bis das Areal am Saarbrücker Osthafen ungefähr so aussehen wird, wie die Projektion auf der Leinwand in der Pressekonferenz der Stadt träumen lässt. Ein völlig erschlossenes Gebiet zeigt sie, das die Anwesenden sogar an das Hamburger Hafenviertel erinnert; eine neue Visitenkarte Saarbrückens für alle, die sich der Stadt vom Osten her auf der Autobahn nähern.

Anfang des Jahres hat die Landeshauptstadt einen städtebaulichen Ideenwettbewerb zur Gestaltung des Areals zwischen Osthafen, Lyonerring, Silogebäude und Römerkastell ins Leben gerufen und fünf Architekturbüros zur Teilnahme eingeladen. Gewonnen hat ihn die Planungsgemeinschaft HDK Dutt & Kist GmbH aus Saarbrücken und architecture + aménagement aus Luxemburg, deren Vertreter Hanno Dutt sowie Hermann Esslinger und Jan-Philipp Exner, beide vom Luxemburger Büro, ihre Ideen in der Pressekonferenz eifrig erläutern.

Die Planer haben das Areal in Module eingeteilt, wie sie sagen. Eines davon stellt das Rhenania-Gebäude samt Silo dar, wo sich inzwischen schon eine rege Kulturszene entwickelt hat. Die soll bleiben, denn genauso soll es hier auch dann mal sein: ein Schmelztiegel der jungen und kreativen Szene, die in den unteren Etagen ihre Büros und Ateliers hat. Die oberen Geschosse böten sich für Loftwohnungen an, erzählt Jan-Phillip Exner und zeigt dann ganz nach oben auf das Dach, dessen Aussicht man doch nutzen sollte – mit einem Kletterpark, einer Bar und vielleicht sogar einem virtuellen Besucherzentrum für das Römerkastell, auf das man von dort aus hinunter sehen kann.

Westlich des Rhenania-Gebäudes sehen die Wettbewerbssieger drei auf sechs Meter hohen Sockeln stehende Blocks vor, die sie „Hafenhäuser“ getauft haben und mit ihnen ihrer Vision vom Miteinander von Arbeiten, Wohnen und Kultur einen großen Schritt näher kämen. Diese drei Gebäudeeinheiten mit vier Wohn-Etagen könnten dann auch den bald in Angriff genommenen Parkplatz von Möbel Martin vom Osthafen abschirmen. Nebenan soll ab kommenden Jahr ein großes Möbelhaus entstehen (wir berichteten). Flußwärts von den Hafenhäusern ließe es sich direkt am Wasser gut flanieren. Ein schöner Ort für Cafés und Restaurants sei das, da ist sich Exner sicher. Der Altarm und der Osthafen könnten zusätzlich durch einen neuen, schmalen Zufluss von der Saar gespeist werden, so dass das Wasser zirkuliert und frisch bleibt.

Das Römerkastell stellte für die Planer eine Herausforderung dar. Es steht im Schatten von sehr hohen Gebäuden wie Rhenania und künftig auch von Möbel Martin. Die Lösung sei ein „introvertierter Raum“, wie es Dutt in Worte fasst, eine Art Dachmembran, offen in der Mitte, die für die Besucher des Ausgrabungsgeländes eine Blende darstellt und die Riesengebäude drumherum quasi verschwinden lässt. Die Besucher selbst, die an einer neuen Saarbahn-Haltestelle „Römerkastell“ aussteigen, sollen auf niedrigen Stegen über die Mauerreste des Kastells hinweg wandeln. Was auch immer passieren wird, Oberbürgermeisterin Charlotte Britz und Baudezernent Heiko Lukas werden nicht müde zu betonen, wie wichtig ihnen das Römerkastell ist und dass es in Zukunft unbedingt aufgewertet werden soll, um es ins Bewusstsein zu rücken, die Urzelle der Stadt.

Die Pläne für das Areal sind zwar noch Visionen, aber gleichzeitig auch mehr als das: Sie sind ab sofort eine Richtlinie der Landeshauptstadt auf der Suche nach Investoren. Charlotte Britz: „Wir liefern jetzt den Rahmen, nach dem sich alles entwickeln soll.“ Investoren sind willkommen, die daran teilhaben möchten. Außerdem will die Stadt herausfinden, welche Förderprogramme in Frage kommen. Die Module erlauben es, dass das Projekt an vielen verschiedenen Stellen angegangen werden kann.