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Stadt renaturiert Scheidter Bach

Scheidt. Wenn der Scheidter Bach bei Hochwasser über die Ufer tritt, haben die Anwohner in der Kaiserstraße schon seit vielen Jahren ein Problem. Deshalb will die Verwaltung unter anderem den Lauf des Bachs verändern. Dennis Langenstein

"Die Planungen haben im Moment noch die Aussagekraft einer Vorstudie. Die Arbeit fängt erst an", erklärte Jean Mas vom Amt für Grünanlagen den Dudweiler Bezirksräten in ihrer jüngsten Sitzung. Auf Antrag der CDU-Fraktion kam Mas in den Bezirksrat und sollte insbesondere über das Entwässerungsproblem und die geplante Bürgerinformation in Scheidt berichten.

So müssten aufgrund der Hochwasserrisiko-Management-Richtlinie der Europäischen Union Überschwemmungsgebiete festgelegt werden, doch Mas dämpfte allzugroße Hoffnungen: "Zwar fließen die Gebiete links und rechts des Bachlaufs in unsere Planungen mit ein, aber aufgrund der ufernahen Bebauung sind die Möglichkeiten oft eingeschränkt." So müssten auch nach der Renaturierung die Anwohner in Höhe der Kaiserstraße 3 bei Hochwasser damit rechnen, dass das Wasser bis an die Häuserreihe reicht. Um die Kaiserstraße 22 sei eine begrenzte Verbesserung möglich, jedoch müssten die Anwohner hier weiter damit rechnen, dass der Bach ausufert. Etwa in Höhe der Kaiserstraße 62 bis 82 sollen Stege weichen, damit das Wasser besser abfließen kann, erläuterte der Landschaftsplaner. Ab etwa Kaiserstraße 121 soll der Bach dann einen neuen Verlauf bekommen: "Wir haben uns bei der Umverlegung am ehemaligen Bachbett orientiert." Und da hier mehr Platz auf beiden Seiten des Baches zur Verfügung steht, seien "kleinere Hochwasser machbar".

Die Renaturierung des Baches könne laut Mas bei Hochwasser Vor- und Nachteile haben. Er erklärte dies beispielhaft anhand der Betonschalen im Flussbett, die bei den Arbeiten entfernt werden sollen. Einerseits würde das Wasser in den Schalen schneller abfließen. Andererseits könne der Fluss ohne sie Wasser aus der Umgebung aufnehmen und umgekehrt auch abgeben. Grundlage der Planung sei jedoch, dass der Wasserspiegel nicht weiter steigt.

Der Abschnitt unterhalb St. Ingberts sei zuerst an der Reihe. "Wenn alles ideal läuft, könnten die Ausschreibungen Ende des Jahres beginnen", erklärt Mas. Die Kosten schätzte er auf Nachfrage von Mirko Welsch (AfD) auf etwa 100 bis 750 Euro pro laufenden Meter. Allerdings seien Zuschüsse zwischen 60 und 100 Prozent erreichbar. Gerd Kiefer (FDP ) monierte die lange Vorlaufphase: "Vor beinahe 20 Jahren wurden die Anwohner das erste Mal befragt. Damit hat man Erwartungen geweckt." Hier entgegnete Mas, dass die Priorität zunächst auf dem Sulzbach gelegen habe. Die Anwohner sollen jedoch vor Beginn der jeweiligen Bauabschnitte mit Hausbesuchen über die Maßnahmen informiert werden. Auch müsse die Verwaltung die Erlaubnis der ufernahen Grundstücksbesitzer einholen, um die Arbeit am Bachbett zu ermöglichen. "Viele Erkenntnisse kommen erst in den Gesprächen mit den Grundbesitzern. Wir wollen die Lage, soweit es mit der Renaturierung möglich ist, optimieren", sagte Mas.