Tierisch : Frohe Party für 600 Hunde mit Anhang

Nur wenig Gebell von Seiten der Gäste beim Sommerfest der Tierhilfe Saarland und der Hundetagesstätte (Huta) Vorstadtwölfe.

Die Hände gleiten über den Rücken, erfassen die Verspannungen und massieren sie mit zartem Streicheln – die Lider des Hundes schließen sich vor Entspannung. „Am liebsten würde ich mich manchmal dazulegen“, erzählt Sophie Grundtke lachend. Sie ist Tierphysiotherapeutin und nimmt am Samstag mit ihrer mobilen Station am Sommerfest der Tierhilfe Saarland und der Hundetagesstätte (Huta) Vorstadtwölfe teil. „Sie ist hart wie ein Brett“, urteilt sie über Olivia, die Hündin, die sie gerade massiert.
Abgesehen von den Verspannungen steht Olivia voll im Saft. Der fast vier Jahre alte Pitbull-Mischling ist der Hund von Sabrina Sutter, Geschäftsführerin der Huta am Scheidterberg. Wie eine normale Kindertagesstätte könne man sich das vorstellen, „nur eben mit Hunden“, sagt sie schmunzelnd. Wie bei der Premiere des Sommerfestes im vergangenen Jahr dürften auch diesmal rund 600 Hunde über den Tag verteilt das fast 4000 Quadratmeter große Grundstück der Vorstadtwölfe besucht haben.
Groß, klein, dick, dünn, mit dickem Fell, fast komplett ohne Haare, alt und jung – so ziemlich jede Erscheinungsform der treuen Vierbeiner ist auf dem Fest zu sehen. Es ist ein einziges gegenseitiges Beschnüffeln, Platz machen, sich vor kurzen Regenschauern und den Windgeräuschen verstecken und sich danach in der Sonne fläzen. Neben der Tierphysiotherapeutin sind noch weitere Stände aufgebaut. Hier gibt es Taschen mit Hundemotiven, dort rohes Futter wie Hühnerfüße. Für Frauchen und Herrchen gibt es vegane Burger und Wraps oder einen Vortrag zum Thema Tierhalterhaftung.
Für ein Sommerfest mit so vielen Hunden ist erstaunlich wenig Bellen zu hören. Worauf streng geachtet wird, ist die Anleinpflicht. „Dadurch fällt die Dynamik ein wenig raus“, erklärt Sabrina Sutter.

So zeigen sich ziemlich alle Hunde als sehr gut sozialisiert und scheinen mit der ungewöhnlichen Situation – viele fremde Menschen und Hunde – gut umgehen zu können. Vereinzelt sieht man sogar einen Maulkorb, beispielsweise bei Sutters Hündin Olivia. Diese sei zwar sehr gut erzogen, erklärt Hendrik Kurt, Lebensgefährte der Geschäftsführerin. Doch Maulkörbe werden viel zu sehr verteufelt und zu wenig eingesetzt, wie er findet: „Gerade, wenn man weiß, welches Potenzial der Hund hat.“
Die Einnahmen des Festes in gemütlicher Atmosphäre gehen an den 25 Mitglieder starken Verein Tierhilfe Saarland. Dessen Vorsitzende Julia Neumeyer ist mit zwei Hunden unterwegs. Ihr eigener ist ein Chinesischer Schopfhund namens Ändy.

„Er sieht ein wenig aus wie Andy Warhol“, erklärt sie die Namenswahl und fügt lachend hinzu: „Außerdem wirkt er ein wenig trashig.“ Der kleine braune Kampfschmuser mit dem lustigen weißen Haarkranz schummelt sich immer wieder auf ihren Arm und lässt sich kurz tragen.
Die andere Hündin, die sie mit sich führt, ist Chica. Der hübsche Podenco-Mix mit den langen Schlappohren ist recht zurückhaltend und braucht viel Geduld und Zeit, wie die Vorsitzende sagt. Chica ist die einzige „Langzeitinsassin“, die die Tierhilfe gerade habe. Sie kam aus Spanien, nachdem ihr Vorbesitzer verstarb. Dort lebte sie drei Jahre lang in einer Tierpflegestelle und ist nun seit etwa fünf Monaten in der Obhut der Tierhilfe. Der Verein kooperiert mit Vereinen, Pflegestationen und Privatleuten, vornehmlich im Umkreis von Malaga. Familien, an die ein Hund vermittelt wird, werden vorher natürlich geprüft. Denn eines sei klar: „Es ist keine Option, einen Hund danach ins Tierheim abzuschieben.“

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