Am Scheidter Schulplan scheiden sich die Geister

Mehr Bildung für alle, bessere Noten und daher weniger Konflikte in den Familien. Das erwarten die Befürworter der Gebundenen Ganztagsschule in Scheidt. Doch das sehen nicht alle so, wie die jüngste Debatte über die Ganztagspflicht zeigt.

Es könnte mehr als ein Infoabend gewesen sein, vielleicht sogar ein Meilenstein auf dem langen Weg zur Gebundenen, also verpflichtenden Ganztagsschule (GTGS) Scheidt . Das Vorhaben hat seit 2012 Gegner, als das Kollegium den GTGS-Antrag gestellt hatte. Schon damals hatten Kritiker gefordert, Nachmittage selbst mit ihren Kindern gestalten zu können.

Der Vorsitzende des hessischen Ganztagsschulverbandes, Guido Seelmann-Eggebert, hält aber Freiwillige Ganztagsschulen wie Scheidt für kaum besser als eine Halbtagsschule. Für "echten Ganztag" spreche: "Es gibt im Elternhaus weniger Konflikte, weil die schulischen Leistungen besser werden und Reibungspunkte wegfallen."

Silke Möckel, heute im Kultusministerium, erklärte, wie sie als Rektorin die Umwandlung der Malstatter Kirchbergschule gestaltete - und erlebte. Schulanfänger hätten keineswegs Probleme damit, gleich den ganzen Tag dazubleiben: Und die Malstatter Vereine hätten von der Zusammenarbeit mit der Schule profitiert.

Eine Mutter befürchtete dennoch, dass Freizeitaktivitäten auf der Strecke bleiben. Darauf entgegneten Lehrer und Eltern, vielleicht seien ja sogar Vereine aus der Nachbarschaft an einer Kooperation interessiert.

Roman Kanning, Vater dreier Kinder, warf ein, eine solche Ganztagsschule gehöre eher in einen Stadtteil mit sozialen Problemen als ins beschaulichen Scheidt mit seinem hohen Bildungsstand . "Die Umwandlung soll aus der Schule und dem Ort heraus kommen, nicht von oben diktiert werden", erwiderte Dezernent Erik Schrader. Bernhard Teich vom Schulamt sagte, aus der ganzen Stadt liege kein weiterer Antrag zur Umwandlung vor. Als "Chance für alle Kinder" sieht er die neue Schulform. Experte Seelmann-Eggebert meinte: "Ganztagsschulen sind kein Aufbewahrungsort für verwahrloste Kinder." Monika Hommerding vom Kultusministerium sprach vom hoch motivierten Scheidter Kollegium, das bereit sei, sich dieser Aufgabe zu stellen.

Die nächsten Aufgaben haben Stadt und Stadtrat. Die Verwaltung arbeitet an einer Vorlage, die sie dem Rat noch vor der Sommerpause präsentiert. Die Grundschulen Kirchberg, Rastpfuhl und Wiedheck sind bereits Gebundene Ganztagsschulen (GTGS). Die Stadt Saarbrücken baut außerdem die Standorte Dellengarten und Füllengarten nach und nach zu GTGS aus. Dort gibt es dann auch nachmittags Schulunterricht. An Freiwilligen Ganztagsschulen (FGTS) können Kinder entweder nach dem Vormittagsunterricht gehen oder Nachmittagsangebote nutzen. In der Grundschule Dellengarten sollen am Ende 300 Schulplätze entstehen. Derzeit bietet die Schule Platz für 230 Schüler in der Ganztagsbetreuung, 80 davon stehen für die Freiwillige Ganztagsschule zur Verfügung. Die Grundschule Füllengarten - 130 Ganztagsplätze, davon 80 FGTS - soll zu einer GTGS mit 200 Schulplätzen werden.