Nach der Arbeit surft er gern

In einer Serie stellen wir die Handwerksmeister aus dem Regionalverband Saarbrücken mit Eisernen und Diamantenen Meisterbriefen vor. Diesmal: Rundfunkmechanikermeister Herbert Weber.

Es ist nach 19 Uhr, kalt und ungemütlich draußen. In den Geschäften entlang der Kaiserstraße in Schafbrücke ist schon die Nachtbeleuchtung eingeschaltet. Nur im Elektrogeschäft von Herbert Weber in der Kaiserstraße 61 brennt noch helles Licht. "Ich muss noch ein paar Sachen erledigen. Aber ich mache auch gleich Feierabend", erzählt Herbert Weber, bevor das Telefon klingelt. "Ja, den DVD-Player haben wir da. Der kostet 69 Euro. Den können Sie ruhigen Gewissens kaufen, der läuft sehr zuverlässig", sagt der 91-Jährige, bevor er sich nett und charmant verabschiedet und das Telefongespräch beendet. Im Oktober zeichnete die Handwerkskammer des Saarlandes Herbert Weber mit dem Eisernen Meisterbrief aus. Seit 65 Jahren ist der Saarbrücker bereits Rundfunkmechaniker-Meister. Und genau so lange hat Herbert Weber sein Geschäft in Schafbrücke . Zwar hat mittlerweile sein Sohn Bernd das Geschäft übernommen, aber in Rente gehen kommt für Herbert Weber nicht in Frage. "Ich bin montags bis freitags von 7.30 Uhr bis 19 Uhr im Geschäft und samstags auch. Das ist mein Leben", sagt der 91-Jährige. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Herbert Weber 1946 aus der Kriegsgefangenschaft zurück. "Ich habe damals einfach in einem Rundfunkgeschäft gefragt, ob ich eine Ausbildung machen kann, und die haben Ja gesagt. So war das damals", erinnert sich der Tüftler, der mit großer Leidenschaft Radios und Lautsprecher gebaut hat und heute immer noch repariert.

Von Anfang an im Schafbrücker Geschäft dabei war Webers Frau Inge, die heute 85 Jahre alt ist. "Wir zwei haben den Laden geschmissen. Inge war für das Geld und die Rechnungen zuständig und ich fürs Grobe", sagt Herbert Weber bevor erneut das Telefon klingelt. "Ja, das ist seit heute Mittag ganz neu. Kommen Sie ruhig mal vorbei, und schauen Sie es sich genau an", sagt der 91-Jährige, legt auf und erklärt. "Das war eine Frau aus der Nachbarschaft, die uns ein Kompliment für das dekorierte Schaufenster gemacht hat. Das ganze Wochenende habe ich mit Putzen und Schmücken verbracht", sagt der Rundfunkmechaniker-Meister, der gerne in Erinnerungen an die harten Zeiten nach dem Krieg schwelgt.

"Wir hatten damals so gut wie nichts. Samstagsabends bin ich immer mit vollgepacktem Mofa samt Hänger durchs halbe Saarland gefahren und habe in Kneipen Elektrogeräte repariert. Die Leute wussten, dass ich komme, und brachten ihre Elektrogeräte mit in die Kneipe. Mitten in der Nacht kam ich nach Hause und hatte den Hänger voll mit Essen. Dann haben sich zu Hause alle gefreut, als wenn Weihnachten wäre", erzählt Herbert Weber und strahlt dabei. Gegen den täglichen Berufsstress nimmt sich Weber seine Auszeiten und fährt gern in Urlaub. "Ich bin leidenschaftlicher Surfer. Am liebsten in Fuerteventura oder am Gardasee. Am Wochenende surfe ich gern auf dem Remeringer Weiher direkt hinter der Grenze in Frankreich", sagt der 91-jährige Rundfunkmechaniker-Meister mit der 60-Stunden-Arbeitswoche - Hut ab.

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Auf einen BlickDie saarländische Handwerkskammer hat vor kurzem wieder Eiserne, Diamantene und Goldene Meisterbriefe verliehen. Im Regionalverband Saarbrücken wurden geehrt: Eiserner Meisterbrief (65 Jahre): Müllermeister Carl Kleim aus Völklingen, Rundfunkmechanikermeister Herbert Weber und Uhrmachermeister Rudolf Henninger (beide Saarbrücken); Diamantener Meisterbrief (60 Jahre): Schlossermeister Franz Willems aus Püttlingen, Malermeister Otmar Barth aus Völklingen, Kraftfahrzeugelektrikermeister Karl-Heinz Adt aus Quierschied, Polsterermeister Hermann Weber aus Sulzbach, Tischlermeister Rudolf Dahlem aus Auersmacher, Fleischermeister Max Schmeer , Polsterermeister Theo Diener, Augenoptikermeister Rudolf Henninger, Zahntechnikermeister Werner Brehmer, Orthopädiemechanikermeister Berthold Kraus und Kraftfahrzeugmeister Heinz Schmeer (alle Saarbrücken). Außerdem wurden 47 Goldene Meisterbriefe (50 Jahre) an Handwerksmeister und -meisterinnen verliehen. dög