„Deutschland ist das Musterland der Afghanen“

Der frühere Bundeswehrarzt und Gründer der Kinderhilfe Afghanistan, Dr. Reinhard Erös, kommt nach Schafbrücke, um über seine ehrenamtliche Arbeit im Osten Afghanistans und den Alltag im Land zu sprechen. Die Projekte des Hilfsvereins kommen vor allem Frauen und Kindern zugute. Seit der Gründung 1998 profitierten Zehntausende davon. Der Regensburger Erös, Träger des Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse, spricht am Dienstag, 1. März, 19 Uhr, auf Einladung der Pfarreiengemeinschaft Scheidter Tal im Pfarrsaal St. Theresia, Kolbenholz 3. Er war erst vor wenigen Tagen wieder in Afghanistan. SZ-Redakteur Peter Wagner sprach mit ihm.

Warum flüchten Afghanen?

Erös: Gewalt, Kriminalität und Anschläge haben zugenommen. Korruption und Misswirtschaft wurden 2015 auch unter dem neuen afghanischen Präsidenten nicht eingedämmt. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, Hilfsorganisationen ziehen sich zurück. Vor allem die jungen Männer sehen keine Perspektiven.

Was macht Deutschland so interessant für die Flüchtlinge?

Erös: Es ist für sie das Vorzeige- und Musterland schlechthin, für das sich eine weite Flucht lohnt. Pakistan ist uninteressant.

Was ist von diesen Zuwanderern zu erwarten?

Erös: Sie können sich sehr gut integrieren, sind arbeitsam und im Vergleich zu anderen ethnischen Gruppen in den Kriminalitätsstatistiken unterrepräsentiert.

Also ein Plädoyer von Ihnen für die Willkommenskultur gegenüber Afghanen?

Erös: Ich plädiere dafür, alles in Afghanistan zu tun, damit die Menschen erst gar nicht fliehen müssen. Also alles zu tun für medizinische Leistungen, für Unterricht, Bildung, Computerausstattung. Es ist dem Land ja nicht gedient, wenn seine besten Leute ihre Talente in Deutschland entfalten.