Der Saustall von Schafbrücke

Den Haltepunkt Schafbrücke kennt fast jeder Bahnsprecher. Viele Beschwerden über Dreck und Vandalismus verhalfen der Station zu ihrem zweifelhaftem Ruhm. Nach der jüngsten Putzaktion ließ neuer Müll nicht lange auf sich warten.

Dreck säumt die Treppe. Oben hängt der Zettel "Rauchfreier Bahnhof". Hunderte von Kippen liegen drumherum. In der Treppenmitte steht ein halb offener Sack mit nassem Hausmüll. Die Bank im Wartehäuschen ragt aus Laub und leeren Bechern heraus. Unter dem Kasten mit den Fahrplänen und Servicenummern, auch der Nummer für Sauberkeit, liegen Scherben. Es sieht hier nach Weihnachten genauso schlimm aus wie auf Michael Mengs Fotos vom 8. Dezember. Obwohl dort inzwischen jemand saubergemacht hat, liegt längst wieder genauso viel Dreck. Nur anderer. Meng erinnert sich, was in ihm vorging, als er seine Tochter zum Bahnhof brachte. "Was ich da sah, hat mich entsetzt und unglaublich wütend gemacht auf die Deutsche Bahn. Natürlich auch auf die Leute, die diesen Zustand verursacht haben. Es müsste doch möglich sein, dass einmal am Tag ein Servicedienst die Bahnhaltestelle kontrolliert. Es sah dort aus, bitte entschuldigen Sie meine Wortwahl, wie eine Sau." Das hat sich bis Frankfurt herumgesprochen.

Von dort teilt eine Bahnsprecherin auf SZ-Anfrage mit, Zustände wie in Schafbrücke seien den Kollegen keineswegs gleichgültig. Der Deutschen Bahn sei es sehr wichtig, dass die Reisenden sich in den Bahnhöfen wohlfühlen. Dazu gehöre natürlich die Sauberkeit der Bahnanlagen. Die Reinigung in den Bahnhöfen werde je nach Nutzerzahl für jeden Bahnhof geplant, die Station Schafbrücke einmal pro Woche auf Defekte an der Ausstattung kontrolliert und alle zwei Wochen gereinigt. "Wenn wir außerhalb des Reinigungs-Turnus von einer Verschmutzung erfahren, veranlassen wir selbstverständlich auch eine Zwischenreinigung. Auch Graffitischmierereien werden immer wieder entfernt. Wenn es sich zum Beispiel um rassistische Schmierereien handelt, sofort." Nach Ansicht der Sprecherin sind Zustände wie in Schafbrücke "auch ein gesellschaftliches Problem, auf das wir als Bahn keinen Einfluss haben". Sie sagt, "Verschmutzungszustände" entstünden immer wieder "vor allem durch die leider um sich greifende Unart, den Müll an Ort und Stelle fallen zu lassen". Dann kommt sie auf eine Schafbrücker Besonderheit zu sprechen. Der Bahnhof diene vielen Jugendlichen nicht für Zugfahrten, sondern einfach als Treffpunkt. Und das mache ihn sehr anfällig für Schmutz und Vandalismus. Nach Angaben von Bundespolizeisprecher Dieter Schwan ist die Region Saarbrücken im Land ohnehin ein Tatort-Schwerpunkt bei Sachbeschädigungen an Bahn-Automaten, -Fahrplankästen und -Unterständen.

Nicht weniger stark von Vandalismus betroffen sind die Saarbahn GmbH und ihre Kunden . Graffiti an Haltestellen, herausgerissene Notrufsäulen, beschädigte Automaten und zertrümmerte Haltestellen-Scheiben sind ebenso auf der Liste der Zerstörungen wie beschädigte Fahrgastanzeigen, zerstörte Kabel und Signale. In Bussen und Bahnen beschmieren die Täter Sitze, Böden und Wände, ritzen an den Scheiben mit scharfen Gegenständen herum und reißen sogar Deckenverkleidungen raus. 500 000 Euro im Jahr bürden die Täter dem Unternehmen und seinen Kunden auf. Mehrere Abteilungen beseitigen Schäden. "So ist allein eine Abteilung rund 470 Stunden im Jahr damit beschäftigt, die Saarbahn-Haltestellen, -Fahrpläne und -Fahrkartenautomaten nach Schäden und Verschmutzungen wieder in Betrieb zu nehmen."

Deshalb sollen die ehrlichen Fahrgäste handeln - und Bescheid sagen, fordert ein Bahnsprecher. "Wir sind immer dankbar, wenn wir solche Informationen bekommen, und denen wird auch nachgegangen." Beweis: Der Haltepunkt Scheidt war Anfang September mit Dutzenden "Kill the cops"-und "Kill the Police"-Graffiti verschandelt. Als die Bahn davon erfuhr, ließ sie die Mordaufrufe übertünchen.

Der Tipp für den Artikel kam von Leser-Reporter Michael Meng. Wenn auch Sie Interessantes zu erzählen haben, dann hinterlassen Sie bitte eine Sprachnachricht unter Tel. (0681) 59 59 800, mailen Sie an leser-reporter@sol.de, oder nutzen Sie das Formular:

saarbruecker-zeitung.de/

So verdreckt war das Wartehäuschen am 8. Dezember. Gestern sah es dort nicht besser aus. Dabei hatten Bahnmitarbeiter inzwischen saubergemacht. Fotos: SZ-Leser-Reporter Michael Meng.

leserreporter