Betriebe kämpfen um Azubis auf dem Bau

Die Bauwirtschaft plagen seit Jahren Nachwuchssorgen. Die Zahl der Auszubildenden ist auch 2016 wieder gesunken. Aber es gibt einen Lichtblick: Seit Langem gibt es im ersten Lehrjahr wieder mehr Azubis.

Ein gemauerter Weihnachtsbaum weist den Weg zu den Maurer-Azubis, die in Halle 6 des AGV Bau Saar ihre Vollblocksteine aufeinanderschichten. Einige lesen Pläne, andere fahren Schubkarren mit Mörtel umher. Inmitten der Jugendlichen scheint es, als sei hier viel los. Doch die Bauwirtschaft plagen Nachwuchssorgen, erzählt Georg Raesch, KFZ-Meister und Ausbildungspädagoge des Arbeitgeberverbands der Bauwirtschaft (AGV Bau) Saar.

In dessen Ausbildungszentrum in Schafbrücke absolvieren saarländische Bau-Azubis den außerbetrieblichen Teil ihrer Lehre. Für Leute aus entfernteren Orten gibt es ein Gästehaus. Das soll die Ausbildung komfortabler machen. "Immerhin findet das erste Lehrjahr ausschließlich bei uns statt. Erst danach geht es in den Betrieb", erklärt Raesch. Dadurch konnten die Mitarbeiter als erste die sinkenden Azubi-Zahlen beobachten. "Ich merke es daran, dass die Gruppen in den vergangenen Jahren kleiner geworden sind", erzählt Maurermeister Johannes Hoffmann. Tatsächlich ist die Gesamtzahl der saarländischen Bau-Azubis aus allen Lehrjahren 2016 auf 564 gesunken. 2015 waren es noch 572 (2013: 687). Teilweise liege das auch daran, dass weniger Betriebe Lehrlinge einstellen, sagt der Maurermeister. Noch bedeutender aber sei das sinkende Interesse an Bauberufen. "Körperlich zu arbeiten, und zwar unter freiem Himmel, das erscheint vielen heute nicht mehr besonders attraktiv", vermutet Georg Raesch.

Dabei habe das Baugewerbe viele Vorzüge: 755 Euro verdient ein Azubi im ersten Lehrjahr. "Im Vergleich mit anderen Branchen ist das ganz ordentlich", meint er. Zudem seien die Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten enorm. Die reichen bis zum Meister, Polier oder Bauunternehmer.

Aktionen tragen Früchte

Seit drei Jahren werben der AGV Bau Saar und die Betriebe mit der Aktion "Azubi am Bau" mit diesen Vorzügen, etwa in Schulen und auf Messen. Außerdem vermittelt sie Ausbildungsplätze. Seit März gibt es durch die Unterstützung der Sozialkassen der Bauwirtschaft (SOKA-BAU) eine besondere Form der Nachwuchsgewinnung: das Projekt "Berufsstart Bau", das Georg Raesch betreut. In einer Qualifizierungsphase können benachteiligte Jugendliche in Bauberufe hineinschnuppern und sich an praktischen Projekten versuchen. Danach arbeiten sie in einem Betrieb, den Raesch zuvor mit ihnen aussucht. Nach Ablauf der sechs- bis zwölfmonatigen Vorbereitung übernehmen viele Betriebe die Teilnehmer in eine Ausbildung. "Da ist dann meist schon eine Beziehung entstanden. Das darf man nicht unterschätzen", sagt Raesch. "Neun der 14 Teilnehmer, die die Qualifizierung abgeschlossen haben, machen inzwischen eine Ausbildung. Sieben davon kommen aus Eritrea, Syrien und Afghanistan", erzählt er stolz. Bis Ende Januar läuft die Bewerbungsfrist für die zweite Runde.

Die vielen Initiativen scheinen erste Erfolge zu erzielen. Die Zahl der neuen Azubis im ersten Lehrjahr im Bauhauptgewerbe ist 2016 erstmals seit Jahren um 5,5 Prozent gestiegen. Zum Bauhauptgewerbe zählen unter anderem Hoch- und Tiefbauer, Zimmerleute, Dachdecker und Schornsteinfeger. Und das Werben um Nachwuchs geht weiter: Am 12. Mai ist im Ausbildungszentrum wieder der Bauinfo-Tag, der 2016 rund 800 Schüler anlockte.