800 Schüler schnupperten Bauluft

Warum sich eine Ausbildung in der Baubranche lohnt, erfuhren Schüler und Schülerinnen aus dem ganzen Saarland am vergangenen Freitag beim mittlerweile 3. Bau-Infotag im Ausbildungszentrum des AGV Bau Saar in Schafbrücke.

Laute Musik aus dem Truck des Radiosenders BigFM und Hunderte Jugendliche, die sich um das DJ-Pult drängen - nicht das typische Bild einer Ausbildungsmesse. Das passt zur Botschaft der Veranstaltung: In der Bauwirtschaft ist vieles anders, als vermutet wird. Um das zu vermitteln, haben rund 100 Unternehmen den knapp 800 Schülerinnen und Schülern aus dem ganzen Saarland 18 Berufsbilder aus der Bauwirtschaft vorgestellt. Und zwar am vergangenen Freitag beim 3. Bau-Infotag auf dem Gelände des Ausbildungszentrums des Arbeitgeberverbands der Bauwirtschaft des Saarlandes (AGV Bau Saar) in Schafbrücke .

Mit dabei ist auch Lukas Mock, zu erkennen am weißen Azubi-Shirt. Er macht eine Ausbildung zum Betonbauer. Vorher war der 26-Jährige einige Jahre bei der Bundeswehr. "Aber Straßenbau hat mich schon immer interessiert", erzählt er. Auf dem Bau-Infotag betreute er ein Steinmosaik, an dem die Jugendlichen ihr Talent ausprobieren konnten. Im Bereich Straßenbau seien die Azubi-Zahlen ganz okay, meint er: "Wir sind 30 bis 40 Leute pro Jahrgang. Aber Bau will eben nicht jeder machen", sagt er und fügt hinzu: "Dabei sind die Aufgaben vielfältig, und es ist ein Beruf mit Zukunft."

Das bestätigt Stefan Bechtel , Ausbildungsleiter der Tiefbaufirma Backes. Zum Tiefbau gehört alles, was am oder unter dem Boden gemacht wird, zum Beispiel Autobahnen, Kanäle und Parkplätze. "Man kann gutes Geld verdienen und hat einen sicheren Arbeitsplatz", fasst er die Vorteile der Branche zusammen. Mit den Bewerberzahlen ist Bechtel zufrieden. "Aber es kommt auch auf die Qualitäten der Bewerber an", betont er. Die lasse manchmal zu wünschen übrig.

Das beklagt auch Roland Bernardi, Inhaber einer Zimmerei und Dachdeckerei, die er mit seinem Bruder als Familienunternehmen führt: "Die Qualität der Bewerber ist gesunken." Trotzdem, meint Stefan Bechtel , müsse man den Jugendlichen eine Chance geben. "Manche entwickeln sich in der Ausbildung sehr positiv" erzählt er.

Roland Bernardi erklärt, dass er die Motivation der Bewerber oft schon am Termin der Bewerbung ablesen kann. "Manche bewerben sich schon im Februar, andere erst Ende Mai, wenn sie die ersten Absagen für Ihre Wunschberufe bekommen haben", sagt der Dachdeckermeister, der auch Vorsitzender der Landesfachgruppe Holzbau Saarland ist. Mit seiner Teilnahme am Bau-Infotag wollte er die Chancen in der Branche bekannt machen. Als "Aushängeschild" hatte er seinen Sohn Mario dabei, der ein Beispiel für die Möglichkeiten ist, die das Handwerk bietet. Der Zimmermann hat es auf bundesweiten Wettbewerben bis zum Deutschen Meister geschafft. "Wenn man sich anstrengt, stehen einem viele Möglichkeiten offen", betont Bernardi. Trotzdem sei er auch niemandem böse, der nach der Probezeit merkt, dass das Dachdeckerhandwerk doch nichts für ihn ist. "Um das schon vorher zu erkennen, gibt es nichts Besseres als ein Praktikum", sagt er.

Dass Leute wie Bernardi und Bechtel beim Bau-Infotag dabei waren, war für die Jugendlichen ein großer Vorteil: "Man hat gleich die richtigen Ansprechpartner, denen man auch Fragen stellen kann. Das ist etwas anderes, als damit auf das Vorstellungsgespräch zu warten", meint Dominik Kurowski, der von seinem Cousin Tobias Müller mitgebracht wurde. Der hat bereits eine Ausbildung zum Hochbau-Facharbeiter hinter sich. "Bauberufe werden allgemein unterschätzt. Ich habe mir vorher vieles einfacher vorgestellt", erzählt er. Trotzdem bereut Tobias seine Entscheidung nicht. Vor allem eines hält er beim Hochbau für wichtig: "Man darf keine Höhenangst haben. Die Fechinger Talbrücke ist das beste Beispiel. Wer sich dort nicht auf ein Gerüst traut, kann gleich einpacken."