1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Landeshauptstadt

Savoy Truffle, Urgesteine der Saarbrücker Band-Szene

30 Jahre Band-Jubiläum : Urgesteine, putzmunter und immer wieder für Frisches gut

Die Saarbrücker Großband Savoy Truffle gibt es seit 30 Jahren. Ein Gespräch über Höhen und Tiefen. Und zwei Konzerte zum Geburtstag.

Wenn man von Urgesteinen der Saarbrücker Bandszene spricht, kommt man an Savoy Truffle nicht vorbei. Die achtköpfige Formation um Pianist Zippo Zimmermann feierte am Wochenende im Garelly-Haus mit einem Doppelkonzert schon das 30-jährige Jubiläum.

Bei der Gründung im Jahr 1990 hätte sicher keiner gedacht, dass die Formation sich zu solch einem Dauerbrenner entwickeln würde. Wie Zimmermann erzählt, war die Band eigentlich nur für einen einzigen Auftritt bei einer Silvesterparty zusammengekommen. Dann aber habe der Initiator Klaus-Peter „Dausi“ Jacoby gesagt, das habe so gut geklappt, das solle man weiterführen.

Außer Zimmermann war niemand durchgehend bis heute dabei. Schlagzeuger Frank J. Meyer, Gitarrist Thom Berger und Percussionist Alain Neumann kamen aber kurze Zeit später und blieben bis heute. Erst im Laufe der Jahre kristallisierte sich heraus, dass Zippo zum Bandchef wurde, wobei er das im Gespräch ganz bescheiden relativiert: „Es ist einfach gut, wenn bei den Proben einer da ist, der sagt, welches Stück als nächstes geprobt wird. Das sehen die anderen auch so.“

Allerdings gehen auf ihn auch die meisten der circa 100 Stücke im Repertoire von Savoy Truffle zurück. Und da die Bandregel gilt, dass derjenige, der den Song geschrieben hat, auch seine Sound-Vorstellungen verwirklichen darf. . . Neben Piano spielt Zimmermann auch Gitarre oder Klarinette und singt.

Ein breites Spektrum an Sounds liegt der Band seit jeher am Herzen: Schon immer war ein Cello mit von der Partie, sehr ungewöhnlich für eine Popband, später kamen Saxofon, Querflöte und die schon erwähnte Klarinette hinzu. Das Cello bedient Sigrid Münchgesang, Kathrin Berger spielt verschiedene Saxofone und Flöte. Sängerin ist seit 2012 Awa Taban-Shomal, die Wirtin der Saarbrücker Jazz-Kneipe Zing. Am Bass steht seit drei Jahren Christoph Brill – das sind die acht, die auf der Bühne zu sehen sind. Aber zur Band zählt auch schon immer der Mann am Mischpult, Thomas Braun.

Zur wöchentlichen Probe alle zusammenzukriegen, ist natürlich schwierig, aber wenn nicht, dann probt eben die Kernformation. Wie der Bandname (ein Titel vom Weißen Album) verrät, haben die Beatles großen Einfluss auf Savoy Truffle. Zimmermann verrät aber auch seine Begeisterung für den britischen Pianisten und Sänger Joe Jackson.

Wenn er so zurückblickt auf die lange Bandgeschichte, fallen ihm als Highlights die drei Spanien-Tourneen ein. „Da wussten wir ja nicht, was uns erwartet. Wenn man da als komplett unbekannte Band kommt, die nur eigene Sachen spielt, da erwartet man nicht unbedingt, dass die Leute ausflippen. Aber teilweise war das schon der Fall.“

Überhaupt meint Zimmermann, habe die Band mehr Erfolge außerhalb des Saarlandes gefeiert, ganz gemäß des Spruchs vom Propheten im eigenen Lande. „Hier werden wir von manchen nicht so hundertprozentig ernstgenommen.“ Savoy-Truffle-müde wurde Zimmermann auch schon zwischenzeitlich: „Etwa, wenn zum x-ten Mal wieder der Bassist ausgestiegen ist.“ Oder vor 15 Jahren, als er mit dem Sound der Band nicht mehr zufrieden war. „Es klang plötzlich so altbacken für mich, ich dachte, wir müssten frischer klingen. Da haben wir uns zusammengesetzt an einen Tisch und darüber geredet. Dann ging es wieder aufwärts mit neuer Motivation.“

Die Band am Leben hält der bisher nie versiegende kreative Input. „Die ganze Zeit nur alte Stücke spielen, das wollen wir nicht.“ Gerade das Arbeiten an neuen Stücken mache das Proben so spaßig.

Eigentlich hätte Savoy Truffle gerne ein „großes Spektakel“ gefeiert, wie schon zum zehnjährigen und 20-jährigen Bandjubiläum. Aber da das derzeit ja nicht geht, wollte man wenigstens die beiden Konzerte im Garellyhaus dazu nutzen, um den langen Fortbestand der Band zu würdigen. Die begrenzte Zuhörerschaft bekam dabei das volle Spektrum von Savoy Truffle ab: den nach Eigendefinition „Unchartable Pop“, dazu auch Rock, der bisweilen an Pink Floyd oder Genesis erinnerte.

Ausflüge gab’s in den Latin oder in Rock-Jazz wie von Soft Machine, zu dem sich das unaufgeregte Saxofon von Kathrin Berger sehr gut machte. Die Beatles schimmerten in den Harmoniefolgen durch, und Sängerin Awa Taban-Shomal zeigte ihre Bandbreite vom lieblichen Balladengesang bis zur Soul-Akrobatik. Dazu kam die Routine einer Band, die es seit 30 Jahren gibt – aktuell wohl in der besten Formation, die sie je hatte.