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Satie-Matinee mit Stefan Schön und Thomas Layes im Pingusson-Bau

Live-Kultur : Ein Schelm, der mit Wort und Ton spielt

Rezitator Stefan Schön und Pianist Thomas Layes boten im seit Corona ersten Live-Programm vor Publikum im Pingusson eine Begegnung mit Eric Satie.

Wem Erik Satie bisher einzig als Komponist verträumter Klavierstücke geläufig war, wurde am Sonntagmorgen im Pingusson-Bau eines besseren belehrt: Der französische Künstler konnte auch mit Worten hervorragend umgehen.

Um diesen Aspekt Saties einmal herauszustellen, führten Rezitator Stefan Schön und Pianist Thomas Layes ein Programm auf, in dem Saties literarisches Werk gleichbedeutend neben dem musikalischen stand. Satie hatte das zum Teil sogar wohl so vorgesehen, indem er Wörter unter seine Noten schrieb. Etwa bei einem Stück über ein Schiff, wo da unter den Notenlinien steht: „Kleine Gischt“.

Diese Anmerkungen werden jedoch gemeinhin als Anweisungen für den Pianisten aufgefasst. Eigentlich lag die Idee nahe, diese Texte auch mal während der Musik auszusprechen. Jedoch wussten weder Layes noch Schön, ob dies in Europa jemals vorher gemacht wurde. In den USA sei das schon mal auf diese Art aufgeführt worden. „Man könnte sich Stummfilme vorstellen, in denen die Musik abgespielt und der Text eingeblendet wird“, meinte Layes.

Allerdings gingen die beiden saarländischen Künstler noch weiter: Schön sprach auch Aphorismen, Kurzgeschichten und philosophische Abhandlungen aus Saties Feder zeitgleich zu dessen Klaviermusik. Allerdings nicht immer, gerade im zweiten Teil wurden Text und Musik auch mal getrennt.

Für das Programm, das wegen der Corona-Pause vom März auf den Juni verschoben wurde, habe man zwölf lange Proben gebraucht, erzählte Schön. Oft hatten die Texte satirischen und bissigen Charakter. „Mein Arzt hat mir das Rauchen empfohlen. Rauchen Sie, mein Freund! Sonst wird es ein anderer an Ihrer Stelle tun!“ hieß es da, oder: „Misstrauen Sie der Kunst! Oft ist sie nur Virtuosität.“

Schön auch, und geradezu passend in die heutige Zeit: „Atmen Sie nicht ein, ohne vorher Ihre Luft abgekocht zu haben!“ Mit der Berufsgruppe der Kulturkritiker rechnete Satie besonders giftig ab: „Die Kritiker denken nur an ihre Pflicht, die Fehler der eigenen Welt zu korrigieren und damit ein anständiges Einkommen zu erzielen, um sich Tabak kaufen zu können. (…) Lasst uns ihnen danken für alle die Opfer, die sie uns täglich zu unserem Wohl bringen, bitten wir die Vorsehung, sie von Krankheiten zu bewahren, allen Verdruss von ihnen fernzuhalten und ihnen eine große Zahl Kinder aller Art zu schenken!“

Da konnten die 50 Zuhörer, mehr waren nicht erlaubt, erahnen, dass Satie es als Avantgardist wohl nicht leicht hatte mit der damaligen Kritikerzunft. Aber auch gegen das eigene Metier teilte er aus: „Bringen Sie sich lieber um als schlecht zu orchestrieren! Mein Gott, wie schrecklich! Wie schrecklich!“

Schön und Layes waren nicht zum ersten Mal im Pingusson-Bau. Gerade zur Huldigung des großen Franzosen war natürlich kaum ein besserer Ort vorstellbar. Das sah auch die Hausherrin Uschi Macher, Referatsleiterin beim Kultusministerium, so: „Satie, das ist die Musik, die wunderbar hierher passt.“ Die Zuhörer spendeten langen Beifall für eine gelungene Darbietung – und für die Aufklärung darüber, was der Satie für einer war: Ein großer Schelm.