Wolke aus Wünschen nimmt Kurs auf Berlin

Mit Herz, Humor und dann wieder voller Sehnsucht haben Menschen ihre Wünsche auf Holz gebannt. Sie wünschen sich Liebe, ein glückliches Europa – oder wollen ihre Jacke wiederfinden. Da tut der Abschied vom Kunstwerk, das in der Johanneskirche schwebt, schon weh.

Wolke aus Wünschen nimmt Kurs auf Berlin
 Vielfältige Träume und Hoffnungen schrieben Saarländer und auch Franzosen auf die Dachlatten, aus denen Martin Steinerts „Die Architektur der Wünsche“ gezimmert ist.
Vielfältige Träume und Hoffnungen schrieben Saarländer und auch Franzosen auf die Dachlatten, aus denen Martin Steinerts „Die Architektur der Wünsche“ gezimmert ist.

Im Chor der Johanneskirche schwebt eine mannshohe Wolke aus zusammengeschraubten Dachlatten. Fast jede ist mit einem Wunsch beschriftet.

Der Saarbrücker Künstler Martin Steinert hat für seine "wooden cloud" seit dem Frühjahr mehrfach aufgerufen, Wünsche auf Dachlatten zu schreiben, die er zu einer Skulptur verband, ergänzt von Sandstein-Skulpturen des Bildhauers Werner Bärmann. Und rund 1000 Wünsche steckten in der Skulptur. "Noch nie kamen wegen einer Ausstellung so viele Menschen in die Kirche", sagt Angelika Müller von Brochowski, ehrenamtliche Helferin in der Johanneskirche. "Zuerst haben die Besucher ihre Wünsche aufgeschrieben, und dann kamen sie wieder, um ihre Wünsche in der fertigen Skulptur zu suchen." Viele fragten, was mit der Skulptur nach der Ausstellung passiert. Zuvor war geplant, sie zu verbrennen oder zu zerschneiden, sie zu versteigern oder zu verkaufen. Aber nichts von all dem passiert. Die Skulptur ist bis übernächste Woche zu sehen, ehe sie abgebaut wird. Steinert bewahrt sie auf, bildet sie doch den Grundstock für weitere Installationen der "wooden cloud" in anderen Städten. Das stand schon zu Beginn fest. Berlin ist für den Herbst in Planung und im Juni 2016 soll eine "wooden cloud" in St. Petersburg entstehen. "Im Rahmen des Wirtschaftsforums soll die Installation dort gezeigt werden", sagt Varvara Kandaurova, Journalistin und Fotografin aus St. Petersburg und Saarbrücken. Sie hat bereits den Kontakt zum Kultusministerium hergestellt, und das sei sehr interessiert. "Es gibt zwar noch letzte Details zu klären, aber es ist zu 80 Prozent sicher", betont sie strahlend. "Das ist ja auch viel sinnvoller", sagt Martin Steinert. "Die Wünsche leben weiter. Und ich kann schneller aufbauen, wenn ich schon beschriftete Dachlatten mitbringe. Nebenbei findet die Aktion dann irgendwann ihr natürliches Ende. Nämlich dann, wenn es zu viele Holzstücke geworden sind", erklärt der Künstler. In der Johanneskirche war das Bedauern über den Abschied von der Holzwolke greifbar. Dabei stand von Anfang an fest, dass die Wolke nicht bleibt.

Dauerhaft dagegen ist die Dokumentation , die am Sonntag ebenfalls vorgestellt wurde: "wooden cloud. Architektur der Wünsche. Saarbrücken". André Mailänder, Saarbrücker Fotograf, hat das Projekt von Anfang an begleitet. Das reich bebilderte, ästhetische und qualitätsvolle Buch zeigt die Abfolge des Projekts. Es zeigt alle Wünsche und die Wirkung der Installation in der Kirche. "Die Dokumentation ist ein Werk vom gesamten Team um Martin Steinert", sagt André Mailänder. "Die Texte sind von der Kunsthistorikerin Ingeborg Besch, die Gestaltung hat der Grafiker Michael Siffrin übernommen." Dass das Buch nicht nur schön, sondern auch unterhaltsam ist, liegt an den abgebildeten Wünschen. Denn manch einer nahm das mit dem Wunsch nicht so ganz ernst. Nach seinem Lieblingswunsch befragt, antwortet Martin Steinert lachend: "Einer hat geschrieben: Ich würde gerne meine Jacke wiederfinden."

Martin Steinert und André Mailänder: "wooden cloud. Die Architektur der Wünsche. Saarbrücken", erschienen im Gollenstein Verlag, Saarbrücken 2015. Das kartonierte Buch ist ab sofort im Handel zu haben,

Preis: 14,95 Euro.