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Streit um Kleingärten am Ostbahnhof: Wohngebiet soll Kleingärtner verdrängen

Streit um Kleingärten am Ostbahnhof : Wohngebiet soll Kleingärtner verdrängen

Die Deutsche Bahn will ein Grundstück am Ostbahnhof verkaufen. Zwölf Pächter müssten ihre Parzellen dann räumen.

Wenn Franz  Koltes in seinem Garten ist, fühlt er sich wohl. Seit 32 Jahren fährt der 78-Jährige nahezu täglich mit dem Fahrrad von seinem Haus Am Homburg zu seiner grünen Oase am Ostbahnhof. Dort baut er Gemüse und Salat an, bewirtschaftet zahlreiche Obstbäume und kümmert sich um Nistplätze für Vögel. „Die Gartenarbeit tut mir richtig gut“, sagt Koltes.

Doch Anfang des Jahres erhielt der ehemalige Eisenbahner eine schockierende Nachricht. Der Verein Bahn-Landwirtschaft, der das Gelände am Ostbahnhof im Auftrag der Deutschen Bahn verpachtet, schickte dem Hobbygärtner ein Kündigungsschreiben zum 30. November. Damit ist Koltes nicht allein. Alle zwölf Pächter am Ostbahnhof sollen ihre Gärten auf der insgesamt 5000 Quadratmeter großen Fläche räumen. Der Grund: Die Deutsche Bahn will das Gelände an einen Investor verkaufen. Es soll ein Wohn- oder Mischgebiet entstehen. Der Großteil der Hobbygärtner will das verhindern.

„Eine solche Grünfläche mitten in der Stadt ist etwas ganz Besonderes. Sie darf den Baumaßnamen nicht zum Opfer fallen“, sagt Bruno Beck. Auch er ist einer der Pächter. Auch er kämpft darum, seinen Garten behalten zu können. Am Nachmittag will er seine Gurken ernten, vielleicht auch noch etwas anpflanzen. Eine Parzelle weiter hat ein Pächter bereits aufgegeben. Der Garten verwildert nun.

„Es geht nicht nur um uns Pächter“, sagt Beck. Es gehe auch um die Natur. „Bienen, Vögel und viele andere Tiere haben hier ihren Lebensraum“, sagt Beck. Dieser würde zerstört, wenn Wohnhäuser gebaut werden. „Es muss doch auch im Interesse der Stadt sein, ein solches Biotop zu erhalten“, sagt Beck. Die Stadt erklärt auf SZ-Anfrage, dass eine Bauvoranfrage der Deutschen Bahn vorliege. Diese werde zurzeit von der Unteren Bauaufsicht geprüft. Nach der Prüfung werde es ein Informationsgespräch mit der Bahn und den Bürgern geben. Es gehe bei der Bauvoranfrage allerdings nicht um das gesamte Gebiet am Ostbahnhof, sondern lediglich um etwa ein Drittel.

„Wir sind gegen eine komplette Bebauung des Geländes“, sagt Hermann Hoffmann, Referent für Städtebau der CDU-Stadtratsfraktion. Neue Wohnmöglichkeiten in Saarbrücken soll es zwar geben, aber nicht an dieser Stelle entstehen. Die Lage in der Nähe der Gleise sei für den Wohnungsbau nicht sonderlich attraktiv. Den Bau einiger Häuser an der Ecke Rentrischer Straße/St. Ingberter Straße könne man jedoch nicht im Stadtrat verhindern. Eine entsprechende Bauvoranfrage sei nicht Sache des Stadtrats, sondern der Unteren Bauaufsicht. „Mein Garten wäre allerdings wohl auch betroffen, wenn nur einige Häuser gebaut würden“, sagt Bruno Beck.

Elisabeth Steinmann-Kirsch, ebenfalls Pächterin, hat sich zusammen mit Beck und weiteren Hobby-Gärtnern an den Verein Bahn-Landwirtschaft gewandt. Beck und Steinmann-Kirsch gehen davon aus, dass die Kündigung nicht rechtswirksam ist und teilten das dem Verein mit. Die Deutsche Bahn erklärt auf SZ-Anfrage jedoch, „die Kündigungen der Pachtgärten der Bahnlandwirtschaft erfolgen selbstverständlich im Rahmen der Vorgaben, die das Bundeskleingartengesetz macht“. Zudem erklärt die Bahn, dass ein Gutachter Entschädigungen für die einzelnen Pächter ermittelt.

Der Verein Bahn-Landwirtschaft habe ihm als Ersatz einen anderen Garten angeboten, sagt Franz Koltes. „Das möchte ich aber nicht“, sagt der ehemalige Eisenbahner. Die Parzelle sei im Füllengarten in Burbach. Das bedeute, er müsste jeden Tag mit dem Fahrrad quer durch die Stadt fahren.

Elisabeth Steinmann-Kirsch sieht dem Abzug aus dem Garten mit Sorge entgegen. „Das Grundstück zu räumen, wird zu einem großen Problem für mich“, sagt die Hobbygärtnerin. Sie habe ein kleines gemauertes Häuschen auf dem Gebiet stehen und wisse noch nicht, wie sie alle ihre Sachen abtransportieren soll.