Wie die Handwerker das Rathaus sanieren

Werkbänke stehen nicht alle Tage im Rathaus St. Johann. Gestern beim „Tag des offenen Denkmals“ waren sie eine der Attraktionen. Denn die Handwerker zeigten, wie sie zum Beispiel die Fenster des Rathausturms sanieren.

Der Geruch, der den Besuchern am Sonntagmittag im Rathaus St. Johann in die Nase stach, war ungewohnt, denn es roch nach Lack, Lasur und Beize. Im Eingangsbereich standen mehrere Werkbänke, an denen fleißig gearbeitet wurde, auf dem abgeklebten Boden lagen viele Holzspäne. Das Rathaus St. Johann stand am Sonntag ganz im Zeichen des bundesweiten "Tags des offenen Denkmals". Der hat jedes Jahr ein anderes Motto, diesmal lautete es "Handwerk , Technik und Industrie".

Hans Mildenberger, Denkmalpfleger der Stadt und Organisator der Veranstaltungen im Rathaus, erklärte, dass nicht der Bau und seine Geschichte im Mittelpunkt standen, sondern seine Sanierung und das ausführende Handwerk . "Die Resonanz bisher ist prima, wir haben schon verschiedene Gruppen hier gehabt, und dabei insbesondere die Sanierungen im Festsaal und im Rathausturm vorgestellt", sagte Mildenberger. Viele Besucher standen um die Werkbänke herum und ließen sich von Peter Scholtyschik vom Zentrum für Bildung und Beruf Saar gGmbH in Burbach zeigen, wie die Schwingtür des Rathauses nach der Renovierung farblich angepasst wird. Scholtyschik hatte fünf Mitarbeiter und fünf Auszubildende aus der Holz- und Malerwerkstatt mitgebracht. Auf einer weiteren Werkbank lagen mehrere kleine, originale, rautenförmige Fenster aus dem Rathausturm. Die Fenster stammen aus dem Jahr 1902, wurden das letzte Mal 1998 instandgesetzt und sind verwittert. Gestern haben die Mitarbeiter des ZBB sie in der Öffentlichkeit aufbereitet. Die Besucher konnten sich auch originale Dachziegel anschauen. "Wir haben vor Kurzem an dem kleinen Seitentürmchen des Rathauses gearbeitet und dort einige defekte Ziegel ausgetauscht", erklärt Manfred Nolte von der gleichnamigen Firma. Die Form der Ziegel mit gotischem Schnitt sei heute selten, aber seine Firma konnte die Ziegel ersetzen.

Auch die Führungen, insbesondere durch den Festsaal, waren bei den Bürgern beliebt. Diese Führung bot der Architekt Elmar Kraemer an, dessen Büro 1989 maßgeblich die Sanierung des Festsaals geleitet hatte. Einige Besucher waren aber auch gekommen, um sich ganz gezielt zu informieren. Daher hatte die Handwerkskammer des Saarlandes einen Stand aufgebaut und erläuterte die Aufbereitung historischer Fenster.

Der Höhepunkt des "Tags des offenen Denkmals" aber waren die Vorführungen mit ihren ungewohnten Geräuschen und Gerüchen. "Das ist das Besondere heute. Wir können wirklich interessante Bauteile von ihrem Platz nehmen und vor den Augen der Besucher sanieren", schwärmte Hans Mildenberger.

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