Spannender Einsatz in der Jugendherberge

Einige Gäste der Jugendherberge staunten nicht schlecht, als die Feuerwehr plötzlich anrückte. Aber sie konnten das Pfingstfest genießen, zum Glück war es nur eine Übung. Aber diese nahmen die Einsatzkräfte sehr ernst.

Innerhalb von Sekunden geht der Lebensretter in seinen Gedanken alle Möglichkeiten durch. Sie haben ihn in die zweite Etage der Saarbrücker Jugendherberge geschickt. Denn ein geretteter Junge habe gemeldet, ein weiterer Junge wäre noch hier oben im Zimmer. Im Bad ist der Vermisste nicht. Das hat der St. Johanner Feuerwehrmann Gerhard Paulus mit seinem Seitenmann Markus Schmitt schon kontrolliert. Die Schränke im Zimmer auch.

"Wie verhält sich ein Zehnjähriger", scheint Paulus sich selbst zu fragen. Und: "Wie hätte ich mich verhalten?" Dann gleitet er auf den Boden. Schaut kurz, greift dann unters Bett. "Gott sei Dank, wir haben dich gefunden", beruhigt er den kleinen Marcel sofort.

Der Jugendfeuerwehrangehörige mimt bei dieser Teilübung des Saarbrücker Löschabschnitts Mitte den Vermissten. Weil im Treppenhaus der Qualm dicht ist, steht ihm ein großes Abenteuer bevor. "Wir gehen jetzt über die Leiter runter, bist du bereit", sagt der freiwillige Feuerwehrmann. "Bereit", bestätigt der Junge, der als Anhänger der Sportart Parcours kalkulierbare Gefahren liebt. Also schlingt ihm der Lebensretter eine Rettungsleine als Gurt um die Schultern, und es kann losgehen. Schritt für Schritt und ganz vorsichtig.

Die Gäste der Jugendherberge machen derweil große Augen. "Was ist denn da los?", ist darin zu lesen. "Viele wussten Bescheid, dass wir heute hier üben", sagt Löschabschnittsführer Dieter Dillschneider. Einige waren aber gerade erst angereist, wussten also von nichts.

Weil sich aber alles ziemlich unaufgeregt abgespielt hat, erkannten auch die nicht Eingeweihten bald, dass es sich um eine Übung handelt. "Mehr als 60 Aktive aus den Löschbezirken Alt-Saarbrücken und St. Johann sind im Einsatz", wie Dillschneider informiert. Die Übungsvorgabe: Bei einer Geburtstagsfeier in der Jugendherberge hat sich die Tischdekoration an brennenden Kerzen entzündet. Schnell hat sich dann der entstandene Brand ausgebreitet, mehrere Geburtstagsgäste sind in höchster Gefahr.

Doch die Feuerwehrleute haben die Lage bald routiniert im Griff. Als Marcel gerade aus dem Fenster steigt, kommen Feuerwehrleute in Atemschutz durch die Tür. Wäre der Junge im Ernstfall also ins Treppenhaus geflüchtet, wäre er ihnen in die Arme gelaufen. So griff bei der Übung der Kernstadt-Feuerwehrleute ein Rädchen ins andere, und Löschabschnittsführer Dillschneider konnte seinen Männern und Frauen bei der Manöverkritik im St. Johanner Feuerwehrgerätehaus an der Fichtestraße ein gutes Übungszeugnis ausstellen.

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