Senioren gewinnen Freiheit zurück

Eine Treppe, die für Menschen, die im Rollstuhl sitzen oder mit dem Rollator unterwegs sind, ein unüberwindliches Hindernis war, und eine schwere Eisentür im Keller trennten die Bewohner des Hauses Halbergstraße 9 von einem ganz normalen Leben.

Solweig Ludt gehörte zu den Verzweifelten. Tränen hatte sie in den Augen, weil sie einfach nicht rauskam aus dem Haus, in dem sie seit 30 Jahren gerne wohnt. Wie ihr ging es den meisten der Bewohner des großen Mietshauses in der Halbergstraße 9. Viele der Bewohner haben lange eher still gelitten, weil sie Angst hatten, etwas zu sagen, sagt Ingrid Simon, eine der Mieterinnen. "Die dachten: ,Wenn wir etwas sagen, werden wir gekündigt.' Aber wir wollen ja nicht frech sein. Wir wollen nur ganz normal rein und raus kommen", erklärte die 77-Jährige.

Das war im März. Da versammelten sich viele der Mieterinnen und Mieter auf der Treppe, um im Gespräch mit der SZ ihre Not zu formulieren: Man kommt in dem Haus zwar mit dem Lift ins Erdgeschoss und in die Tiefgarage, aber dort ist für die meisten Mieter, von denen viele älter als 70 Jahre sind, Endstation. Die Treppe am Haupteingang war mit einem Rollator oder einem Rollstuhl nicht zu überwinden. Der Weg durch die Tiefgarage ist nicht einfacher: Erst ist da eine schwere Brandschutztür, die die alten Leute nicht richtig öffnen können. Dann kommt die Rampe, die zwar von Autos leicht zu bewältigen ist, nicht aber von gebrechlichen Menschen, die zu Fuß oder im Rollstuhl unterwegs sind. Die Hausverwaltung, klagten die alten Leute, sei seit Jahren informiert, aber es tue sich nichts.

Gestern nun strahlten viele der Senioren . Sie durften den neuen Treppenlift in Betrieb nehmen. Nach dem Bericht in der SZ sei "die Sache ins Rollen gekommen", sagt Solweig Ludt. Mitarbeiter des Eigentümers, einer bundesweit tätigen Firma, haben sich eingeschaltet und die Sache in die Hand genommen. "Sehr nette Menschen, die anders als die Hausverwaltung wirklich etwas getan haben", sagt eine Bewohnerin. Nun sei "alles prima", schwärmt Solweig Ludt von dem Lift, der den Weg in die Freiheit öffnet.

Vor der Technik haben die Senioren keine Angst, versichert die 71-Jährige. Es werde zwar noch etwas dauern, "bis wir das richtig im Griff haben, aber wir kommen die Treppe hoch und runter - und das ist die Hauptsache", sagt Solweig Ludt. Der Kampf habe sich gelohnt.