Serie "Arbeitsplatz Krankenhaus" : Mit viel Herz für seine Patienten

Wer denkt schon gern ans Krankenhaus – solange er gesund ist? Hauptsache, das Krankenhaus ist da, und wir fühlen uns sicher, weil für den Notfall alles bereitsteht: Geräte und vor allem hilfsbereite Menschen. Genau um diese Menschen geht es in unserer Serie „Arbeitsplatz Krankenhaus“. Wir stellen die vor, die uns helfen, wenn uns das Glück verlässt – oder uns auf dem Weg beistehen. Heute: Chefarzt Matthias Russ.

Matthias Russ nimmt den Hörer in die Hand, er muss noch schnell ein Telefonat führen. Es geht um die Technik auf der Station. Kaum hat er aufgelegt, klingelt es schon wieder. Für wichtige Termine schaltet Russ das Telefon aus. "Sonst komme ich zu nichts", sagt der 43-Jährige. In seinem Büro wirkt alles noch ein wenig improvisiert. Drei Wände sind weiß, eine ist pastellgrün gestrichen. Dekoration, Bilder und Pflanzen sind hier keine zu sehen.

"Wenn man irgendwo neu ist, sind erstmal andere Dinge zu regeln. Die Büroeinrichtung kommt da an letzter Stelle", sagt Russ. Seit etwa einem Jahr ist der gebürtige Unterfranke Chefarzt der Chirurgischen Abteilung des Evangelischen Stadtkrankenhauses. Für so eine Stelle sei das nicht lange, findet der Facharzt für Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie .

Zumindest entfalle durch die geringe Größe des Krankenhauses weniger Zeit auf organisatorische Arbeiten als in einer größeren Klinik. Etwa 40 Prozent der Arbeitszeit verbringt er mit Organisieren, schätzt Russ. Der Rest bleibt ihm für Operationen, Untersuchungen und Gespräche mit den rund 50 Patienten der Station.

Für seine Patienten nimmt sich Russ besonders gerne Zeit. Und regelmäßig bedanken die sich für seinen Besuch. "Die Leute freuen sich teilweise enorm, das hätte ich mir früher nicht so vorgestellt", erzählt Russ. Gerade für Ältere habe das Wort des Chefarztes besonderes Gewicht. Und ältere Patienten gibt es auf der Station einige. "Das liegt auch an der Lage unseres Hauses, das von den Seniorenheimen in der Umgebung extrem schnell zu erreichen ist", erklärt Russ.

Deshalb will er die Unfallchirurgie des Krankenhauses auf alte Menschen spezialisieren. "Alte Patienten müssen ganz anders behandelt werden als junge. Eine Schraube in ein junges Stück Holz zu drehen ist ja auch anders als bei einem Stück Holz, das schon morsch ist. Beim Knochen ist das so ähnlich", erklärt Russ. Außerdem seien die Patienten im Alter oft bereits mehrfach erkrankt und bräuchten spezielle Betreuung und Pflege. Deshalb wird die Station jetzt für die so genannte Alterstraumatologie zertifiziert und soll mehr Personal bekommen.

Dass Russ überhaupt ans Stadtkrankenhaus kam, war ein Zufall. Seine Kombination aus drei Fachgebieten ist eher selten. Nach der Zusammenlegung zweier Stellen suchte das Stadtkrankenhaus jemanden, der neben der Orthopädie sowohl die Unfall- als auch die Bauchchirurgie betreuen kann. "Das war für mich also ideal", sagt Russ. Früher habe er plastischer Chirurg werden wollen. "Dann habe ich aber gemerkt, dass es mich mehr reizt, Menschen in akuten Notsituationen zu helfen", erklärt er. Bei seiner jetzigen Arbeit reicht das von der Behandlung eines gebrochenen Arms bis zum Entfernen von Tumoren.

Für dringende Fälle steht Russ manchmal auch in seiner Freizeit bereit, obwohl die Teilnahme an der Rufbereitschaft für Chefärzte unüblich ist. "Ich will die Kollegen damit ein wenig entlasten", sagt der Vater zweier Kinder, dessen Freizeit ebenfalls knapp bemessen ist. "Wenn sich alles richtig eingespielt hat, wird es auch wieder ruhiger", ist Matthias Russ überzeugt.

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