Bummel durch die Saarbrücker City : Die Schattenseiten der Berliner Promenade

Künstler Daniel Hausig nimmt mit der SZ das Licht entlang der Flaniermeile unter die Lupe. Mit überraschenden Erkenntnissen.

Wo sind sie nur all die Hochhäuser an der Berliner Promenade? Wir stehen mit dem Lichtkünstler Daniel Hausig am Saarufer gegenüber und strengen unsere Augen an. Vergebens. Saarbrückens markante Großstadtsilhouette versteckt sich abends im Dunkeln. Nur die Auto-Stellplätze unter der Promenade leuchten hell. Aber möchte man das wirklich sehen? Das fragt sich auch Daniel Hausig.

Als Lichtkünstler und Professor an der Hochschule der Bildenden Künste (HBK) befasst sich der Schweizer mit der Wirkung von Licht im Stadtraum. 2014 führte er vor, wie inszeniertes Licht den Blick auf die Architektur und das Stadtbild beeinflussen kann. Damals bespielte er mit seinen Studierenden die gesamte Hochhausreihe der Berliner Promenade. Mit Light_Act wollte er die oft geschmähte 50er-Jahre-Architektur in ein neues Licht setzen und die Saarbrücker deren Qualitäten erkennen lassen.

Daniel Hausig. Foto: HBK

Vier Jahre später treten Hausigs damalige Schüler aus dem Light_Act-Team mit eigenen Lichtkunst-Projekten hervor. Martin Fell etwa bespielt die Bismarckbrücke von unten mit „Flusslicht“. Im Saarländischen Künstlerhaus sind Arbeiten von Ingo Wendt zur „Magie des Lichts“ zu sehen. Und Hendrik Elburn, der derzeit mit seinem Frans-Masereel-Banner „Ein Kuss für Europa“ am HDI-Hochhaus für Furore sorgt, wird dort anschließend eine (leuchtende) Medienfassade schaffen.

Beim Abendspaziergang mit Daniel Hausig haben wir nachgeschaut, wie sich Saarbrücken in normalen Nächten, jenseits von Events, beleuchtet. Sind die Lichter gut gesetzt? Denn neben der Herstellung von Verkehrssicherheit, die durch die Vorschriften der sogenannten „Lichtnorm“ geregelt wird, ist die Beleuchtung in der Stadt immer auch ein Mittel der Gestaltung. Auch dort, wo man sie nicht nach ästhetischen Kriterien einsetzt.

Was sagt Hausig nun zur Gesamtwirkung der Berliner Promenade? So dunkel, wie wir vielleicht meinten, sei sie gar nicht. „Wir können eigentlich sehr viel in der Dunkelheit sehen, aber wenn wir sehr helle Punkte haben, dann fokussiert das Auge darauf, und das andere erscheint uns dunkler“, erläutert der Lichtkünstler. Genau das sei hier an der Promenade das Problem. Er zeigt auf einige Leuchtreklamen an den Fassaden. Die seien viel zu grell.  Wie aber fühlt man sich, wenn man auf der Berliner Promenade selbst flaniert?  Sowohl oben als auch unten am Saarufer hat die Flaniermeile mit dem Umbau neue Designerleuchten bekommen.  „Gut gelöst“, findet Hausig. Das Licht sei weich und blende nicht. Nun will er aber die Treppe hinab, zu den Stellplätzen unter der Promenade. Genau so wie er sich das gedacht hatte, sind hier grell strahlende Neonröhren hinter Verblend-Bändern angebracht. „Da macht man oben schöne Designerlampen hin und unten alte Kellerlampen, mit denen man alles aufhellt und die nicht dimmbar sind“, sagt er kopfschüttelnd. Das sei ein Fehler.

Auch die Wilhelm-Heinrich-Brücke leuchtet im „Untergeschoss“ am hellsten. Vier Pfeiler auf Alt-Saarbrücker Seite tragen grelle Strahler. „Ich bin nicht der Meinung, dass jedes Bauwerk illuminiert werden und die Stadt bunter werden muss“, sagt Hausig dazu.  Sicher, Leuchtreklame und beleuchtete Schaufenster gehörten zum urbanen Raum unbedingt dazu, sagt er. Doch alles, was zu grell hervorschreit, bringe das Umfeld zum Verschwinden, und Lichtverschmutzung sei heute ein großes Problem. Den Trend, in Leuchtreklamen und Straßenlampen aus Energieeffizienz-Gründen LED-Lampen einzusetzen, betrachtet Hausig mit Sorge. Das LED-Licht sei zwar schärfer, doch durch seinen hohen Anteil an blauem Licht wirke es auch der inneren biologischen Uhr des Menschen entgegen, sagt er.

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